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Russ Meyer war sein Leben lang besessen von Filmen, schönen Frauen und natürlich in erster Linie großen Busen. Nach seiner Zeit als Kriegsberichterstatter im Europa des Zweiten Weltkriegs fand er als Erotik-Fotograf seine Passion, arbeitete jahrelang für den Playboy und gründete schließlich Ende der 50er Jahre seine eigene Filmproduktionsfirma. Schon früh erkannte Meyer die Zeichen der Zeit und läutete 1959 ein ganz neues Genre ein, schließlich war im prüden Hollywood bisher noch nicht an Sex zu denken – ein Mann hat es sich gewagt und es sollte sich auszahlen: In „The Immoral Mr. Teas“ ist erstmalig in der Filmgeschichte eine nackte Frau auf der Leinwand zu sehen, jedenfalls in einem Spielfilm. Von nun an sollte eine wahre Lawine von Nudies folgen und den Weg ebnen für die spätere Erotik- und Porno-Branche. Bei einem Budget von knapp 24.000 Dollar spielte der Film über eine Million Dollar ein, bereits ein Jahr später sprangen Regisseure wie H.G. Lewis mit auf den Zug, so erschien 1960 Lewis erster Nudie, „The Prime Time“.

„The Immoral Mr. Teas“ ist ein einfacher Film, weist aber unübersehbare Qualitäten auf: Der gesamte Film ist stumm inszeniert und wir hören keinen Originalton, auf Dialoge wurde vollständig verzichtet, selbst wenn man sieht wie sich die Personen unterhalten. Nur der Erzähler kommentiert sporadisch, ist aber auch nicht nötig um die Handlung zu verfolgen. Die Story ist nicht mehr als ein Grundgerüst um die einzelnen Sequenzen zu einem Langfilm zu verbinden, wird aber mit augenzwinkernder Ironie erzählt. Sogar in der wesentlich später angefertigten deutschen Synchronisation geht der Charme nicht verloren. Auffalend ist der mstand, dass der Erzähler niemals auf die Handlung oder die Personen eingeht sondern lediglich über allgemeine Dinge philosophiert – das geschieht aber aus rein humoristischen Gründen und hat nichts mit der nicht vorhandenen Psychologisierung der Figuren zu tun.

Hauptdarsteller Bill Teas war ein alter Kumpel von Meyer und spielte bereitwillig den immergeilen Hauptcharakter. Sämtlichen anderen Darstellern kommt keinerlei Aufmerksamkeit zugute, mit Ausnahme der knackigen Damen natürlich. Diese werden reduziert auf ihre physischen Reize und dementsprechend voyeuristisch agiert die Kamera in den meisten Szenen, doch die Männer (repräsentiert von Mr. Teas) kommen kein Stück besser weg und werden genauso stereotyp dargestellt.

Nackte Haut gibt es reichlich zu sehen, immerhin zielt ein Großteil der Szenen nur auf einschlägige Bilder hin, letztlich wird der Film aber getragen durch seinen frechen Humor und die unkonventionelle Inszenierung: Wie in späteren Nudies und auch Pornos üblich werden viele Soundeffekte verwendet um witzige Situationen zu unterstreichen. Weiterhin spielt Russ Meyer geschickt mit der Imagination des Zuschauers, verwehrt uns den vollständigen Blick auf den nackten Frauenkörper sehr lang, schürt damit die Spannung für das damalige Publikum. Leichtbekleidete Frauen, tiefe Ausschnitte und tolle Bikinifiguren werden präsentiert, die Frivolität steigt und der Unterhaltungswert leidet nur selten. In den letzten 15 Minuten werden alle Hüllen fallen gelassen und man darf sich ergötzen an den weiblichen Reizen in all ihrer natürlichen Pracht. Mr. Teas selbst befindet sich derweil in der gleichen Position wie der Zuschauer, darf nur schauen, sich seinen Teil vorstellen. Über bloßen Voyeurismus geht es nicht hinaus, zu keinem Zeitpunkt berührt seine Hand eine Brust oder auch sonst ein Körperteil der von ihm begehrten Frauen.

In der letzten Szene sucht Mr. Teas eine Psychologin auf, während der Sitzung stellt er sie sich plötzlich auch nackt vor. Da beschließt der gute Mann seinen Sexismus zu akzeptieren und nicht mehr gegen seine Persönlichkeit anzukämpfen. Ach ja, und mit einer solch einfachen Prämisse schließt der Film dann auch ab:

„Auf der anderen Seite gefällt es manchen Menschen einfach, krank zu sein.“ Herrlich.

Fazit: Ein Klassiker des Erotikfilms, noch heute sprüht „Mr. Teas“ vor Charme und Esprit, wenn auch der Drive fehlt. Für filmhistorisch interessierte ein kleiner Leckerbissen für zwischendurch, dem wir viel zu verdanken haben denn er definierte nachhaltig ein ganzes Genre. Danke Russ Meyer…

6,5 / 10

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