Es gibt zurzeit eigentlich nur zwei ernsthafte Anwärter auf den Titel „unser Mann in Hollywood“: Til Schweiger und Thomas Kretschmann. Während Schweigers US-Ausflüge zwar vornehmlich unterhaltsam, finanziell aber eher enttäuschend ausfielen (“Driven“,“Tomb Raider 2“ oder „King Arthur“), konnte sich Kretschmann jüngst immer wieder Parts in Hits und High-Profile-Produktionen (wie “Blade 2“,“Resident Evil 2“, Marcus Nispel´s „Frankenstein“ oder demnächst Peter Jackson´s „King Kong“) sichern.
Der Film „In Ememy Hands“ (den „deutschen“ Titel „U-Boat“ vermeide ich in diesem Review bewusst) des Regisseurs Tony Giglio vereint sie nun erstmalig in einem internationalen Projekt, welches in den meisten Ländern jedoch ohne Kinoauswertung direkt auf Video erscheint. Zwei Sachen kann ich an dieser Stelle bereits vorwegnehmen: Erstens, die Einstufung als „Videopremiere“ ist durchaus gerechtfertigt, und zweitens, im direkten Vergleich gibt Kretschmann eine wesentlich bessere Figur als Schweiger ab…
Gleich zu Beginn bekommt der Zuschauer zwei gegnerische U-Boote und deren Besatzung im zweiten Weltkrieg vorgestellt: Die „U.S.S. Swordfish“, unter dem Kommando des jungen Lt.Commander Sullivan (Scott Caan) mit seinem erfahrenen „Chief of Boat“ Travers (William H.Macy), sowie die „U-429“ mit ihrem Kapitän (Til Schweiger) und ersten Offizier (Thomas Kretschmann).
Als ein deutsches U-Boot ein britisches Schiff irgendwo im Atlantik versenkt, wird die „Swordfish“ zu dessen Position beordert, wo es ihr letztendlich auch gelingt, den Gegner zu zerstören. Bei jener Konfrontation wird die „Swordfish“ jedoch derart stark beschädigt, dass sie ebenfalls sinkt – die wenigen Überlebenden werden in Folge dessen von der sich in der Nähe befindlichen „U-429“ aufgenommen und versorgt. Natürlich gibt es von Anfang an starkes gegenseitiges Misstrauen zwischen den verhassten Parteien, gefolgt von einigen Übergriffen, doch insgesamt versuchen die erfahrenen Offiziere, die für alle nicht einfache Situation so gut es geht zu meistern.
Was die deutsche Besatzung nicht weiß: Einer der Gefangenen zwar bereits zuvor an Meningitis erkrankt, und schnell breitet sich die tödliche Krankheit übers gesamte Boot aus – es gibt herbe Verluste auf beiden Seiten, bis hin zu dem Punkt, an dem nicht mehr genügend Besatzungsmitglieder am Leben sind, um das U-Boot funktionsfähig zu halten (zumal es bei einem Angriff auch stark beschädigt wurde).
Da fasst der deutsche Kapitän einen umstrittenen Entschluss: Er bietet den amerikanischen Gefangenen an, gemeinsam das Boot zu operieren, mit letzter Kraft die Ostküste der USA anzusteuern und sich dort der Marine zu ergeben, um so das Leben der restlichen Männer zu retten. Natürlich willigt man eher widerwillig ein, doch zusammen entsteht so etwas wie eine Zwangskameradschaft, die nicht allen Deutschen an Bord gefällt, und so müssen sich die Männer nicht nur mit der beschädigten Technik auseinandersetzen, sondern auch mit Umsturz- und Sabotageversuchen. Zwischen ihnen und der Küste liegen am Ende „nur“ noch ein amerikanischer Zerstörer sowie ein weiteres deutsches U-Boot – und beide sehen die „U-429“ inzwischen als Feind an…
Tony Giglios Film enthält alle Elemente, die man von einem ordentlichen U-Boot-Film erwartet: Torpedos, Wasserbomben, Wassereinbrüche, Feuer an Bord, Männerfreundschaften und so weiter. Die Inszenierung ist handwerklich sauber (gerade die Unterwasser-Szenen sind besonders gelungen, da sie klar und detailgetreu umgesetzt wurden) und bedient sich teilweise wirklich guten Stilmitteln (wie beispielsweise die Verwendung des „Split-Screen“-Verfahrens bei einem direkten Duell zweier Schiffe, so dass man die simultanen Aktion der Gegner zeitgleich mitverfolgen kann).
Hauptaugenmerk der Betrachtung liegt jedoch eindeutig auf dem „Verhältnis“ der Kriegsgegner, die auf einmal gemeinsam ums Überleben kämpfen müssen: Auf dieser Ebene kann „In Enemy Hands“ auftrumpfen, denn er präsentiert keine Schwarz-Weiß-Malerei von Nazis und Amerikanern, sondern stellt sie einfach als Soldaten in einem Krieg dar, die ebenfalls nur menschlich und gar nicht mal so verschieden sind. Der deutschen U-Boot-Besatzung wird fast genauso viel Screen-Time zugestanden wie der amerikanischen – auch in Sachen „Alltag“, also nicht nur bei Auseinandersetzungen oder während der späteren Zusammenarbeit. Erstaunlich (und erfreulich) auch, dass selbst in der englischen Originalfassung die Dialoge der Nazis wirklich auf Deutsch gesprochen werden (von deutschen Darstellern), so dass gut ein Drittel (!) der OV einen komplett deutschen Ton besitzt (= keine schlechten Akzente oder klischeehaftes (Film-)„Nazi-Deutsch“).
Bis in die Nebenrollen gut besetzt (mit Jeremy Sisto („One Point 0“), Carmine Giovinazzo („Black Hawk Down“), Xander Berkley („24“), Lauren Holly („what Women want“), Scott Caan („Varsity Blues“) und „Fargo“-Star William H.Macy in der eigentlichen Hauptrolle), fällt eigentlich nur Holly negativ auf – jedoch nicht, weil sie schlecht spielt, sondern weil ihre Rolle einfach zu klischeehaft und eigentlich auch überflüssig geraten ist (vor allem die kitschigen Rückblenden zu ihr und Macy hätte man sich getrost sparen können).
Die darstellerischen Leistungen sind also in Ordnung – einzig Til Schweiger demonstriert mal wieder eindrucksvoll, dass er schauspielerisch fast an das Niveau eines Steven Seagals heranreicht: Mit nur einem Gesichtsausdruck überdauert er den gesamten Film und degradiert seine Rolle somit selbst zu der blassesten der Hauptfiguren (die Mütze allein macht noch keinen Kapitän!).
Ja, der Film richtet seinen Fokus auf die beiden unterschiedlichen Personengruppen und deren Zusammenwachsen (überspannt den Bogen mit der Schlussszene aber geringfügig), doch insgesamt vermisst man einige wichtige Faktoren für einen Film dieses Genres: Selbst bei den Gefechten kommt nur ansatzweise Spannung auf, die Beklemmung in einem U-Boot während des Krieges vermisst man dagegen vollkommen. Schade, denn daran krankt „In Enemy Hands“ letztendlich – ähnlich wie „U-571“ vor einigen Jahren, ist er zwar unterhaltsam und gut in Szene gesetzt worden, kann aber aus bestimmten Gründen letztendlich nicht wirklich überzeugen.
Fazit: „In Enemy Hands“ kann zwar mit einem für dieses Genre guten und ungewöhnlichen Ansatz aufwarten, vermag dieses Potential jedoch wegen einiger Schwächen (wenige (aber entscheidende) Klischees und Mangel an echter Spannung) nicht wirklich zu nutzen – was bleibt, ist „nur“ ein solide inszeniertes U-Boot-Drama … 6 von 10.