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ACHTUNG! SPOILER!

ONE BODY TO MANY ist eine antiquierte Krimi-Komödie mit Gruselelementen und Slapstick-Einlagen, die sich insgesamt auf einem bescheidenem Niveau bewegt. Das Tempo der ein wenig an abgefilmtes Theater erinnernden Inszenierung ist zwar recht flott, doch der Humor bleibt zumeist behäbig. Der low budget Film ist ganz auf den Hauptdarsteller Jack Haley zugeschnitten, der mit etwas Wortwitz und einigen amüsanten Szenen dafür sorgt, dass der Film ein wenig besser abschneidet als Filme mit ähnlichem Sujet von Billig-Studios wie etwa PRC oder Monogram.

Der verschachtelte (um nicht zu sagen abstruse) Plot orientiert sich an bekannten Mustern, etwa an Filmen wie „The Cat and the Canary" (der sogar bildlich „zitiert" wird (höflich ausgedrückt)) und anderen Geschichten um geheimnisvolle Erbschaften und düstere Häuser.

Jack Haley (1897 - 1979) macht seine Sache als ängstlicher Versicherungsagent, der über sich selbst hinaus wächst, recht gut und liefert den einen oder anderen gelungenen Gag. Nachdem er in einer Szene niedergeschlagen wurde und man ihn fragt, was denn passiert sei, antwortet er: „Don't know what happened. The light went out and somebody hit me, then the lights went out!"In zwei Szenen in denen er eine folgenschwere Entscheidung treffen muss, sehen wir Albert dank eines optischen Tricks zwischen zwei kleinen Albert Tuttles stehen, die als Verkörperung seines Gewissens das Für und Wider der Entscheidung übermütig miteinander diskutieren und die dabei misstrauische von Albert selbst beäugt werden. Die weiteren Darsteller bleiben weitgehend unauffällig, zumal die jeweiligen Figuren vom Drehbuchautor bestenfalls rudimentär angelegt wurden.

Bela Lugosi, der an dritter Stelle in den Credits aufgeführt wird, hat als Butler „Murkil / Merkil" nur eine bescheidene Rolle und ist kaum mehr als ein Stichwortgeber. Im Verlauf des Films bietet er den Anwesenden mit den Worten: „Perhaps you like some coffee..." immer wieder Kaffee an, doch jedes mal finden die Gäste gute Gründe, den Kaffee abzulehnen. Dieser running gag zieht sich durch bis zum Ende des Films. Als einer der Anwesenden den Kaffee mit der Begründung ablehnt, danach bestimmt nicht schlafen zu können, meint Lugosi nur trocken: „I assure you, THIS coffee will not keep you awake!" In der letzten Szene trinken Lugosi und die Haushälterin den Kaffee dann schmunzelnd selber: "Such fine coffee..."

ONE BODY TO MANY ist eine reine Studioproduktion, die Ausstattung und die technische Umsetzung bewegen sich auf akzeptablen Niveau. Die Laufzeit ist mit 75:38 Minuten angemessen. Leider zeichnen sich sämtliche verfügbaren Kopien des Films durch eine schlechte Bildqualität aus. Das Bild ist Kontrast arm und milchig, dazu kommen störende Nachzieh-Effekte. Da viele Szenen bei Nacht spielen, kann man der Handlung teilweise nur bedingt folgen.

Die Produzenten des Films, William C. Thomas (1903 - 1984) und William H. Pine (1896 - 1955), arbeiteten in erster Linie im Auftrag der Paramount Studios und produzierten zwischen 1940 und 1957 etwa 80 B-Filme für das Studio. Nach dem Krieg realisierten sie auch einige Filme mit höherem Budget. Bei acht Filmen führte Pine auch selbst Regie, bei sieben Filmen übernahm Thomas diese Aufgabe. William Thomas produzierte 1976 noch die low budget Streifen „Cat Murkil and the Silks / Cats - Die Ratten von L.A." (der Name „Murkil" scheint es ihm angetan zu haben) und 1977 „High Seas Hijack".
Bill Thomas: „ONE BODY TO MANY wasn't shot at Paramount - they just released it. Bill Pine and I had a very good deal with them. We put up the talent, they put up the money [...] and we split fifty-fifty on the net." *

Jack Haley verkörperte als „Tin Man" seine wohl populärste Rolle in dem Film „The Wizard of Oz / Der Zauber von Oz".

Bela Lugosi war im gleichen Jahr 1944 auch noch in den folgenden Filmen zu sehen: „Return of the Vampire", „Voodoo Man" und „Return of the Ape Man".

Lyle Talbot (1902 - 1996) hat eine lange Karriere in zahllosen B-Filmen und später beim Fernsehen gemacht. Die IMDb listet 331 Credits als Darsteller. Seine Mitwirkung in einigen Filmen von Edward D. Wood ist da kaum mehr als eine Fußnote in seiner Filmographie.

Lucien Littlefield (1895 - 1960) war auch schon in Paul Lenis Stummfilm „The Cat and the Canary / Spuk im Schloß" von 1927 zu sehen. Er begann seine Karriere bereits in der Frühzeit des Stummfilms (1914) und war bis kurz vor seinem Tode als Darsteller aktiv. Die IMDb listet 291 Credits für Littlefield.

Die Nachnamen der von Maxine Fife, Lucien Littlefield und Fay Helm dargestellten Charaktere werden in der Datenbank des AFI fälschlicherweise als „Harris", angegeben, richtig ist jedoch „Hopkins" (IMDB, Wikipedia). Auch Lugosis Rollenname wird abweichend als „Murkil" (AFI) oder „Merkil" (IMDB, Wikipedia) angegeben.

Zusammenfassung der Handlung:
Der etwas einfältige Versicherungsagent Albert Tuttle (Jack Haley) kommt eines Abends in das Haus des Millionärs Cyrus J. Rutherford, um ihm im Namen der „Emperor Life Insurance Co." eine Lebensversicherung im Wert von $200.000 auszustellen.
Dummerweise ist Rutherford kurz zuvor verstorben und im Hause haben sich bereits die potenziellen Erben seines Besitzes sowie sein Notar Morton Gellman (Bernard Nedell) um den Sarg versammelt, um der Testamentseröffnung beizuwohnen. Anwesend sind die Schwester des Toten, Estelle Hopkins (Fay Helm) und deren Ehemann Kenneth Hopkins (Lucien Littlefield), seine Nichte Margaret Hopkins (Maxine Fife), sein Neffe James Davis (Lyle Talbot), seine Nichte Carol Dunlap (Jean Parker), sein Neffe Henry Rutherford (Douglas Fowley) und dessen Frau Mona (Dorothy Granger), Rutherfords Butler Murkil (Bela Lugosi), die Haushälterin Matthews (Blanche Yurka) und Prof. Hilton (William Edmunds) der das Observatorium betreute, das Rutherford sich auf dem Dach seines Hauses eingerichtet hatte. Rutherford war zu Lebzeiten ein leidenschaftlicher Anhänger der Astrologie und glaubte an die „secrets of the heavens". Über seine engsten Verwandten hat er allerdings kaum ein gutes Wort zu sagen.

Vor dem eigentlichen Testament wird zunächst eine Präambel verlesen, in der Rutherford eine exzentrische Bedingung zum Ausdruck bringt, die seine Erben erfüllen sollen. Er will in einer Gruft mit Glasdach beigesetzt werden, um für alle Ewigkeit dem Lauf der Sterne zusehen zu können. Sollte dieser Wille nicht erfüllt werden, würde sich die im Testament festgelegte Erbfolge umdrehen, der Haupterbe würde ans Ende der Liste gesetzt und mit einem lächerlichen Betrag abgespeist werden und vice versa. Allerdings kennt keiner der anwesenden Erben die Reihenfolge.
Um zu verhindern, das die Leiche in der bevorstehenden Nacht beiseite gebracht wird, um so die Erbfolge umzudrehen, hat Gellman einen Detektiv engagiert, der auf den Sarg aufzupassen soll.

Als nun Albert Tuttle im Hause eintrifft, halten ihn zunächst alle für den angekündigten Detektiv. Diese Verwechslung führt zu einigen Verwicklungen, bis es dem ängstlichen Albert endlich gelingt, den wahren Grund seines Kommens deutlich zu machen. Als er hört, das Rutherford bereits tot ist und der Sarg im Hause aufbewahrt wird, will er sich gleich wieder verabschieden. Schließlich lässt sich Albert, der ein Auge auf Carol geworfen hat, doch dazu überreden, im Haus zu bleiben und die Bewachung des Sarges zu übernehmen.

Im Laufe der Nacht kommt es zu zahlreichen verbalen Auseinandersetzungen zwischen den Anwesenden, auf Carol wird ein Mordanschlag verübt und die Leiche Rutherfords verschwindet, taucht aber bald wieder auf. Um einen weiteren möglichen Leichenraub zu verhindern, verstecken Albert und Gellman die Leiche und Albert selbst legt sich widerwillig in den Sarg. Kurz darauf wird der Sarg von James, Kenneth und Margaret entführt und in einem Teich versenkt. Die drei haben die Befürchtung, im Testament ganz hinten zu stehen, da Rutherford sie nicht mochte, und sie hoffen darauf weiter nach vorne zu rücken, wenn der letzte Wille Rutherfords vereitelt wird.
Carol, die das ganze beobachtet hat, kann in letzter Sekunde den ertrinkenden Albert aus dem Sarg befreien. Etwas später wird Gellman ermordet aufgefunden, und die Leiche von Rutherford ist erneut verschwunden.

Inzwischen hat Albert zufällig einen Geheimgang hinter der Vertäfelung seines Zimmers entdeckt, der eine Verbindung zu allen anderen Zimmern bietet. So gelangt er auch in das Zimmer von Mona, die ermordet auf ihrem Bett liegt. Als die anderen ihn im Zimmer überraschen, halten sie ihn für den Mörder und sperren ihn im Observatorium ein. Hier entdeckt Albert die Leiche von Rutherford.

Inzwischen entpuppt sich Rutherfords Neffe Henry als der Übeltäter, der Gellman und Mona ermordet hat und die Leiche Rutherfords verschwinden ließ. Mit den Worten: „...now I get it all, all of it, because I killed everybody who comes in my way!" fällt Henry auch über Carol her um sie zu töten, doch Albert kann das verhindern. Henry aber flüchtet auf die Balustrade des Observatoriums, gefolgt von Albert. Es kommt zu einem Kampf zwischen den beiden, wobei Henry in die Tiefe stürzt.

Bevor am Ende doch noch das Testament verlesen wird erklärt Rutherfords Neffe James Davis die Zusammenhänge: „Henry had red the will, that he was not going to get much money, so he tried to reverse it. Gillman caught him reading it, so Henry killed him." Einem Happy End zwischen Albert und Carol steht nun nichts mehr im Wege, auch nicht Alberts innere Stimmen, die leidenschaftlich die Vor- und Nachteile einer Ehe erörtern...

Aus der Werbung:

You'll Sh-Sh-Shiver
with Suspense...
and Sh-Sh-Shake
with Laughter! (Plakat)
A Killer-Diller Chiller that's Hair-Raising Fun! (Plakat)

* zitiert nach: Richard Bojarski: The Films of Bela Lugosi, Citadel Press, Secaucus, 1980

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