Review

„Bio-Elektriker - was immer das heißen mag...“

Der New Yorker Frank Henenlotter, der 1982 mit dem herzallerliebsten Geschwisterdrama „Basket Case“ debütierte und sechs Jahre später die Drogenparabel „Elmer“ nachschob, drehte 1990 neben der umstrittenen Fortsetzung zu Erstgenanntem mit „Frankenhooker“ eine Science-Fiction-Horror-Komödie, die klassische Frankenstein-Mad-Scientist-Motive aufs Korn nimmt.

Jeffrey Frankens (James Lorinz, „Street Trash“) geliebte Freundin Elizabeth Shelley (Patty Mullen, „Doom Asylum“) gerät bei einem schlimmen Unfall in einen Rasenmäher und wird zerhäckselt. Doch der sich als „Bio-Elektriker“ die Zeit vertreibende Jeffrey nimmt ihren Kopf und ein paar weitere ihrer Körperteile an sich und verschanzt sich in seinem Labor, um einen Plan zur Wiederbelebung seinr Angebeteten zu schmieden: Er will ihr einen neuen, ja, sogar besseren Körper schenken. Zu diesem Zwecke sieht er sich auf dem Straßenstrich um und beordert gleich eine ganze Mann- bzw. Frauschaft auf ein Hotelzimmer zu Doktorspielchen, die er als Vorwand nutzt, um sie zu vermessen und zu untersuchen. Die Körperteile, die ihm gut genug für seine Elizabeth erscheinen, markiert er, ohne dass die leichten Damen Lunte riechen. Als diese jedoch seine selbstkreierte Superdroge entdecken, pfeifen sie sich das Zeug in die Luxuskörper, als gäb’s kein Morgen mehr – den sie in der Tat nicht mehr erleben: Die Prostituierten explodieren sprichwörtlich. Aus den Überresten klaubt sich Jeffrey zusammen, was er braucht, näht alles säuberlich zusammen und reanimiert Elizabeth mit ihrem neuen Körper in einer Gewitternacht. Diese benimmt sich jedoch ganz anders als erhofft, denn sie zieht als Prostituierte aus ins Rotlicht-Milieu, wodurch manch Freier das Zeitliche segnet. Und zu allem Überfluss ist nun auch noch der Zuhälter der explodierten Damen, der nie lange fackelnde Zorro (Joseph Gonzalez, „Death Wish 3“), hinter Jeffrey her...

Henenlotter zeigt uns zunächst einmal, wie Jeffrey mit einem Hirn mit Auge experimentiert, kurz bevor es zum makabren Unfall kommt. Nach dem Vorspann landet Elizabeth’ Kopf in hübschem Blubberwasser, das dieser verlassen darf, als Jeffrey romantisch mit ihm zu Abend isst. Um Inspiration zu bekommen, bohrt Mr. Bio-Elektrik sich selbst in seinen Dötz und bekommt schließlich den verhängnisvollen Einfall, einen Abstecher ins Prostitutions- und Drogenmilieu zu unternehmen. Die supercrackbedingten Explosionen bescheren dem Zuschauer lustige Spezialeffekte, die Damen wiederum reichlich Fleischbeschau. Die Blitzeinschlags- und Energiefluss-Effekte der Reanimation sind sehr ansehnlich, doch der größte Spaß ergibt sich aus Elizabeth’ neuer Rolle als Prostituierte. Wie sie auf der Straße wahllos Hurensprüche klopft, Phrasen drescht und die Passanten grob behandelt, ist nicht nur wunderbar kurios, sondern macht „Frankenhooker“ neben einer Frankenstein-Parodie auch zu einer Persiflage auf penetrante Straßennutten und ihren Jargon.

Tatsächlich wundern sich die Freier auch nur wenig und sind keinesfalls abgeneigt. Der erste explodiert beim Geschlechtsakt kurzerhand – und ist glücklich... Einen Möchtegern-Zuhälter zerreißt’s beim Küssen, einen anderen beim Cunnilingus. Diese durchschaubaren SFX wurden mit Puppen gelöst, in dieser Hinsicht schwankt die Qualität des Films. Nachdem Jeffrey seine auch Sprachfetzen aus ihrer Vergangenheit stammelnde Elizabeth noch einmal behandelt und repariert hat, ist sie – eben bis auf ihren Körper – wieder ganz die Alte und Henenlotter läutet das Finale ein, indem er Zorro Jeffrey einen Kopf kürzer machen lässt und in Sachen Spezialeffekte noch mal so richtig die Fetzen fliegen lässt, kongenialen Körperhorror zelebriert: Die übrigen Körperteile sind zu bizarren, an „Basket Case“ erinnernde Kreaturen zusammengewachsen und kümmern sich um Zorro, bevor die Pointe für Jeffrey noch eine besondere Überraschung bereithält. Man sollte eben nicht den Kopf verlieren...

Patty Mullen macht als Kreatur formerly known as Elizabeth eine prima Figur, spielt ihre Rolle mit Witz, Ironie und keckem Charme. Da ist es schade, dass sie sich danach anscheinend schon wieder aus dem Filmgeschäft verabschiedete. James Lorinz als Mad Scientist darf kräftig overacten und hat ebenfalls sichtlich Spaß daran, dem Wahnsinn seiner Rolle Ausdruck zu verleihen. Manch Nebenrolle wurde hingegen mit Laiendarstellern besetzt. Alles in allem macht der Low-Budget-Streifen einen ordentlichen Eindruck und ist in erster Linie ein herrlich grotesker, geschmacksverirrter Spaß, der keinen großen Anspruch an Perfektion stellt, dafür einen umso höheren an Augenzwinkern und Kurzweiligkeit. Im Großstadtambiente mit seinen Leuchtreklamen ist Henenlotter einmal mehr in seinem Element und greift urbane Begleiterscheinungen wie Anonymität, Milieu und Moloch auf. Einige Dia- bzw. Monolog-Längen (Jeffrey ist auch ohne Gesprächspartner sehr redselig) haben sich eingeschlichen, dennoch ist „Frankenhooker“ eine überaus charmante, positive Überraschung, die ich Henenlotter nach den „Basket Case“-Fortsetzungen gar nicht mehr zugetraut hatte.

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