Arizona: Der verwitwete Dewey Hoople betreibt gemeinsam mit der Französin Babette und seiner Tochter aus erster Ehe, der 16jährigen Coral, eine heruntergekommene Touristenfalle an den Ufern des Colorado River und schlägt sich mehr schlecht als recht durch, indem er sich von dem örtlichen Trunkenbold Cracker ab und an Kundschaft mit dem Boot rankarren lässt. Eines Tages schleppt dieser den herzkranken Arzt Martin Ross und dessen dralle Ehefrau Sheila sowie den zwielichtigen Barney Rickert als Gäste an. Letzterer unterbreitet Hoople das Angebot, dessen weit ab vom Schuss gelegene Ranch zu kaufen, was dieser jedoch ablehnt. Der Ex-Bulle Rickert, der über Jahre hinweg auf unkoschere Art und Weise ein Vermögen angehäuft hat und nun untertauchen will, heitzt die eh schon angespannte Situation in Folge ganz schön auf, indem er mit sämtlichen anwesenden Bräuten rumschäkert und so dauert es auch nicht lange, bis dieses Pulverfass in die Luft geht... "Die liebestollen Hexen" ist sicherlich einer der unbedeutenderen (und zugeknöpfteren!) Filme im Schaffenswerk von Russ Meyer, in dem dieser aber zumindest wieder ziemlich schräge Charaktere und seine typischen Themen unterbringen konnte und der deshalb doch unterhaltsam geworden ist. So rein Handlungs-mäßig will der Streifen da ziemlich lange auf nichts hinaus, aber innerhalb des Mikrokosmos der "Hoople's Haven"-Ranch manifestiert sich dafür Meyers Weltsicht, bei der das von Neurosen gebeutelte Mannsvolk nicht allzu gut wegkommt und stattdessen die Frauen mit mächtig Holz vor der Hütte das Sagen haben... so weit, so gut. Okay, sauber ausgearbeitete Geschichten waren nie die größte Stärke des legendären Tittenfilmers (um es mal milde auszudrücken!), die Inszenierung wirkt dieses Mal allerdings doch ein wenig übers Knie gebrochen und man merkt dem Filmchen an, dass beim Dreh vermutlich irgendwann die Zeit knapp geworden ist. Ob des flotten Pacings wird es einem aber zumindest auch nie langweilig und die kurze Laufzeit von nicht mal 70 Minuten vergeht da wirklich wie im Flug. Dennoch gewinnt man den Eindruck, dass sich Meyer 1965 kreativ und künstlerisch mit dem Klassiker-Trio "Die Satansweiber von Tittfield", "Motor-Psycho - Wie wilde Hengste" und "Mudhoney - Im Garten der Lust" ziemlich verausgabt hat und im Anschluss 'ne Zeitlang mit banalerem Zeug die Batterien einfach wieder aufladen musste und so betrachtet man "Die liebestollen Hexen" am besten als Trockenübung für den nachfolgenden, ziemlich großartigen "Ohne Gnade - Schätzchen"...
7/10