Ein kleines Tourismus-Grüppchen lässt sich von einem alten Kapitän mitten ins amerikanische Nirgendwo schippern, wo sie von einem alten Barbetreiber, seiner freizügig-naiven Tochter und einer ebenso großbusigen wie willigen Animierdame bespaßt werden sollen. Doch von Anfang an gibt es Reibungen und Eifersüchteleien zwischen den Parteien, die sich immer weiter hochschaukeln, als sie in dieser Einöde feststecken – bis hin zu Gewalt und Mord.
Mit „Die liebestollen Hexen“ (so der wenig originelle und treffende deutsche Verleihtitel von „Common Law Cabin“) liefert Russ Meyer einen weiteren wilden Mix aus Freizügigkeit, Gewalt und Kriminalität, diesmal mit größeren Oberweiten denn je – unter anderem präsentiert von Babette Bardot, die bereits in seinem vorangegangenen Machwerk „Mondo Topless“ vorgestellt worden war. Im Gegensatz zu diesem gibt es hier glücklicherweise eine richtige Story, die sich am Ende sogar zu einem hochdramatischen Überlebenskampf entwickelt, bei dem so einige Figuren mitunter drastisch das Zeitliche segnen. So stellt „Die liebestollen Hexen“ seinem eher harmlosen Titel widersprechend einen der aufregenderen und dramatischeren Streifen aus Meyers Frühzeit dar.
Bis es allerdings so weit ist, braucht es trotz lediglich 70 Minuten Laufzeit doch etwas Geduld von den Zuschauenden. Allzu sehr dümpelt der Film lange Zeit inhalts- und handlungsarm vor sich hin. Die Figuren werden schnell und oberflächlich eingeführt – ein eifersüchtiger Arzt, seine alle Männer anflirtende Frau, ein alle Frauen anflirtender, im Notfall auch vergewaltigender Gigolo – die Darstellendenleistungen bleiben überaus bescheiden und die Story tritt knapp die Hälfte der Zeit auf der Stelle: Kaum angekommen, will der Arzt auch schon wieder weg, was aber nicht geht, weil der Kapitän auf Geheiß des Gigolos verschwindet und sie dort mitten im Nirgendwo zurücklässt. Dann geht es eine Weile hin und her – alle werden mal angebaggert, alle Damen ziehen nach und nach blank (wobei den Zuschauenden nur mal mehr, mal weniger elegante Andeutungen bleiben; dieser Streifen gehört trotz viel nackter Haut und beachtlicher Oberweiten zu Meyers züchtigeren Werken), alle Männer werden auf die eine oder andere Weise eifersüchtig und geraten in Streit. So dreht sich der Film lange Zeit im Kreis, ohne dass etwas Nennenswertes passiert.
Erst im letzten Drittel dreht er dann so richtig auf: Drohungen, Ränkespiele, Erpressungen, Vergewaltigung, schließlich Mord und Totschlag lassen das bis dahin so vor sich hin plätschernde Erlebnis recht schnell zum knallharten Überlebenskampf eskalieren, bei dem auch einige Figuren auf der Strecke bleiben, von denen man es eher nicht erwartet hätte. Nachdem sich also einige Zeit erst etwas Langeweile ausgebreitet hatte, überzeugt der Film am Schluss dann doch noch mit dramaturgisch zugespitzten Eskalationen.
Auch formal bleibt er eher stabiles Mittelmaß als herausragendes Werk. Kameraarbeit und Schnitt wirken deutlich professioneller als in früheren Meyer-Filmen, liefern aber auch wenig Originelles oder Bemerkenswertes, höchstens ein gewisses Geschick dafür, viel nackte Haut zu zeigen, ohne doch alles zu offenbaren. Der Score bleibt Meyers bisherigem Faible für nichtssagende Easy-Listening-Popmusik treu, die mit der Zeit ziemlich auf die Nerven gehen kann. Dafür überzeugt der Drehort mit einer interessanten Landschaft irgendwo zwischen Flussidylle und lebensfeindlicher Steppenwüste, der aufgrund des überschaubaren Personals und der begrenzten Handlungsorte trotz weiter Horizonte einen leicht kammerspielartigen Eindruck erweckt.
Insgesamt kann „Die liebestollen Hexen“ mit einigen freizügigen Bildern die „Grundattraktionen“ eines jeden Russ-Meyer-Streifens liefern, und wird zum Ende hin ein definitiv spannender und packender Gewalt- und Kampffilm. Der Weg bis dahin bleibt eher durchschnittlich bis leicht langweilig. Kein Highlight also, aber alles in allem wohl stabiles Mittelmaß.