Die sexhungrige Superangel wird von ihrem Liebhaber, dem Cop Harry, brutal ermordet, nachdem sie ihn wegen seiner Impotenz verhöhnt hat. Der Verdacht fällt auf ihren Freund Clint, mit dem sie vorher heftigen Streit hatte; er türmt Hals über Kopf und zieht per Anhalter durchs Land. Dabei begegnet ihm eine dralle und willige Frau nach der anderen, bis er in der liebevollen Tankstellenbetreiberin Supervixen eine sympathische Reinkarnation seiner toten Freundin findet. Doch das Glück der beiden währt nur kurz; Harry spürt sie auf und zwingt sie in ein sadistisches Spiel auf Leben und Tod...
Hier ist der Name volles Programm: „Supervixens“ vereint alle typischen Elemente eines Russ-Meyer-Films und steigert sie im Quadrat. Mehr Nacktheit, mehr Sex, größere Brüste denn je, dazu eine wilde Story, die atemlos vorangetrieben wird, heftigere Brutalität und drastischere Eskalationen als je zuvor. Dazu kommt einmal mehr eine Vielzahl an Themen, die für einen gewöhnlichen Sexfilm eher ungewöhnlich, weil tendenziell abturnend anmuten: Impotenz, toxische Beziehungen, Gewalt gegen Frauen, aber vor allem ein Mann, der geradezu prüde daherkommt – sämtliche willigen Angebote großbusiger, halbnackter bis nackter Damen lehnt er ohne weitere Begründung ab, als sei ihm Sex an sich zuwider; im Kontrast dazu kommen die Frauen mit eher männlich konnotierter Hartnäckigkeit und Grobheit daher, wenn sie sich auch gegen seinen Willen zu nehmen versuchen, was sie haben wollen. Dass er für seine Zurückhaltung einmal gar Prügel vom Freund einer Sexbesessenen einzustecken hat, der sich durch seine Ablehnung beleidigt fühlt, gehört zu den vielen satirischen Verdrehungen, durch die „Supervixens“ zu einem so durchgeknallt absurden Werk wird.
Dabei ist festzuhalten, dass der Film technisch und handwerklich zum Niveauvollsten gehört, was Meyers Filmografie hergibt: Die Kameratechnik wirkt so professionell wie selten zuvor, die rasante Schnittmontage entwickelt ein atemloses Tempo, das die zahlreichen Entwicklungen in irrwitziger Hektik vorantreibt, Sound und Bildqualität sind auf deutlichem A-Film-Niveau angesiedelt. Auch hier dominieren wieder schräge Kameraperspektiven, vor allem aus der Untersicht, doch dazu kommen diesmal immer wieder kurze Einstellungen auf tatsächlich pornografische Elemente, etwa nackte Penisse oder wilden Sex an den unmöglichsten Orten. Zwischendurch wird auch wieder getanzt, zum Glück jedoch nicht mehr so ausführlich wie in früheren Zeiten.
Überhaupt ist „Supervixens“ ein Film der Selbstzitate und -ironie: Nicht nur, dass eine ganze Reihe von bekannten Namen auftauchen, die durch ein „Super-“ ergänzt werden – Supercherry, Supervixen, Superangel – auch einzelne Szenen zeichnen bekannte Höhepunkte aus Meyers Schaffen nach, etwa das erzwungene Aussaugen von Schlangengift aus einer Bisswunde, wie es schon in „Motorpsycho“ geschah. Auch das explosive Finale in der Wüste erinnert an ähnlich gelagerte dramatische Höhepunkte früherer Werke, auch wenn hier alles ins vergleichsweise Gigantomanische gesteigert daherkommt: Wenn Harry reihenweise Dynamit nach Clint wirft, auf ihn schießt und ihn mit dem Messer angreift, hat man es wahrlich mit einem der dramatischsten Finalkämpfe zu tun, die Meyer je zu bieten hatte. Das altbekannte Wüstensetting, in dem es zwischendurch auch eine Verfolgungsjagd mit Strandbuggys gibt, tut sein übriges, um die Zuschauenden sich ganz wie zu Hause fühlen zu lassen.
Dass Meyer hier nun auch überdeutlich seine irritierende Vorliebe für Nazi-Schlagermusik auslebt und diese mit entsprechenden Anspielungen verbindet – Clint arbeitet anfangs bei Martin Borman, der offensichtlich Deutscher ist, also wohl ein untergetauchter Nazi-Kriegsverbrecher – gleichzeitig aber ein ambivalentes Spiel mit rassistischen und vor allem sexistischen Stereotypen treibt – wie gesagt wirken die sexhungrigen Frauen gleichermaßen wie plumpeste Männerfantasien, während sie in ihrer Durchsetzungsfähigkeit erstaunlich selbstbestimmt daherkommen; und verschiedenste Hautfarben oder Herkünfte werden ganz selbstverständlich dargestellt, ohne explizit thematisiert zu werden, auch wenn die schweizerische Frau eines Bauern mit ihrem Akzent für allerhand Lacher sorgt – macht „Supervixens“ zu einem Werk, das gekonnt zwischen allen politischen Stühlen steht, dem man viel vorwerfen und viel zugute halten kann. Subversives Underground-Kino in Reinkultur!
Wer frühere Russ-Meyer-Streifen mochte, wird hier seine helle Freude haben. Viel nackte Frauenhaut, absurde Sexszenarien, schrillster Humor und derbste Gewalt vermischen sich zu einem irrwitzigen Abenteuer-Roadtrip, der kaum eine Minute zum Verschnaufen lässt, stattdessen mit einer abgedrehten Idee nach der anderen um die Ecke kommt und sich einen feuchten Kehricht um politische Korrektheit kümmert. Ein 70er-Sex-Trash-Feuerwerk der Superlative – im wahrsten Sinne!