Russ Meyer ist vor allen Dingen für eines bekannt: seine Vorliebe für große Busen. Schließlich ist jeder einzelne seiner Filme eine Liebeserklärung an seinen eigenen Fetisch, auf dem Gebiet des Erotikfilms hat Meyer Unschätzbares geleistet. Seine frühen Nudies oder auch seine späteren Sexploiter, im schmutzigen Low Budget Film ist sein unbestrittenes filmisches Talent und sein guter Geschäftssinn berühmt. 2004 verstarb die Korifäe im Alter von 82 Jahren und hinterließ der Welt ein Gesamtwerk welches fast dreißig Spielfilme umfasst.
Der 1973 veröffentlichte „Black Snake“ ist allerdings kein handelsüblicher Meyer-Film, bis auf wenige weitere Beispiele eine der wenigen Ausnahmen im Oeuvre. Hauptaugenmerk liegt hier nicht auf der Zuschaustellung weiblicher Reize und die Frauenfiguren sind nicht so amazonenhaft angelegt wie sonst. Handlungsort ist eine karibische Insel im Jahre 1835, genauer gesagt eine Zuckerrohr-Plantage auf der eine sadistische Sklavenhalterin herrscht. Außerdem fließt viel Kunstblut, Sadismus und Gewalt werden hier weitaus größer geschrieben als noch einige Jahre zuvor in „Beyond the Valley of The Dolls“ oder später in „Supervixens“.
Als in den frühen 70ern Blaxploitation für kurze Zeit ein angesagter Trend im Independent- und im Mainstream-Kino war, entschied sich der Tittenfan Meyer für einen eigenen Beitrag zum Subgenre. Gleichzeitig bot sich damit die Möglichkeit wieder einen sozialen Kommentar abzugeben, was schon oft ein nebensächlicher Aspekt in Meyers Schaffen war. Für die Lagerleiterin, Lady Susan, castete man die damals enorm scharfe (wenn auch oberweitenmäßig nicht Meyers Standards entsprechend) Anoushka Hempel. Hier überzeugt die zweitklassige Schauspielerin voll und ganz, schließlich ist ihre Rolle auch ziemlich einfach angelegt. Später distanzierte sich Frau Hempel vom Filmgeschäft und heiratete reich – zur Exploitationikone hätte es aber vielleicht sogar gereicht.
In der männlichen Hauptrolle glänzt der noch junge David Warbeck, Fans des italienischen Trash-Kinos bestens bekannt - Die beiden Hauptdarsteller werden adäquat unterstützt von motiviert aufspielenden Darstellern. Vorbildfunktion für spätere Filme hatte wohl vor allem der Charakter der fiesen Lady Susan, schließlich folgte nur ein Jahr später der berüchtigte Nazi-Exploiter „Ilsa – She-Wolf of the SS“ – Dyanne Thorne erinnert als Ilsa deutlich an Anoushka Hempel in „Black Snake“. Auch auf den Kultfilm „Mandingo“ hat Meyers Ausflug in die Welt brutaler Blaxploitation stark beeinflusst, sowohl in der Bildsprache als auch in der Komposition des Drehbuchs.
Langweilig wird die einfach gestrickte Geschichte nicht, vor allem da die moralischen Grenzen immer wieder geschickt verschoben werden und Meyer dem Zuschauer tatsächlich etwas sagen möchte. Natürlich strebt der Film keine seriöse Aussagekraft an, im genrebedingten Rahmen handelt es sich aber dennoch um ein gewisses Statement. Und so billig klischeehaft wie die Figurenkonstellation zunächst wirkt, im weiteren Handlungsverlauf stellt sich heraus, dass den Charakteren schon gewisse Ambivalenzen verliehen wurden.
Die meisten ähnlich gelagerten Filme beschließen ihre Szenerie mit dem Aufstand der Unterdrückten und schließen die Handlung damit auf eine zutiefst reaktionäre Weise harmonisch ab. Nämlich mit der (stets verdienten) Tötung der Unterdrücker mit den Peitschen – normalerweise befriedigt den Zuschauer die Selbstjustiz aufgrund der vorher begutachteten Verbrechen bzw. Verstößen gegen die Menschenwürde. So einfach macht es sich Russ Meyer aber nicht und bietet anschließend an den gerade geschilderten, konventionellen Handlungsverlauf, einen seltsamen Epilog in dem der Off-Sprecher der den Film einleitete nochmals zu Wort kommt.
Nachdem die eigentliche Handlung abgeschlossen ist gibt es einen Zeitsprung von über hundert Jahren – der Zuschauer wird darüber aufgeklärt, dass sich die Welt nun gebessert hat und Toleranz und Frieden vorherrschen. Dabei sehen wir nackte Paare (mal schwarz, mal weiß, zuletzt gemischt) verträumt durch eine idyllische Natur laufen und mit trügerisch harmonischen Klängen endet „Black Snake“. Eine gehörige Portion Sarkasmus legt Meyer hier an den Tag, der auch das restliche Drehbuch mit allerlei schwarzem Humor aufgepeppt hat.
Fazit: Auch für Nicht-Fans eine lohnenswerte Erfahrung und wer durch Tarantinos „Grindhouse“ Lust auf ein paar alte Sleaze-Schinken bekommt ist hier gut beraten. „Black Snake“ bietet eine kurzweilig erzählte Story, solide darstellerische Leistungen und lebt von der schmissigen Inszenierung Meyers.
7,5 / 10
Bis zur Veröffentlichung auf DVD gehörte „Black Snake“ zu den seltensten Werken des Filmemachers und genießt selbst unter Fans einen zweifelhaften Ruf. Viele kommen nicht zurecht mit einem Meyer-Film der fast vollständig auf die typischen Merkmale verzichtet, kaum auflockernden Humor und keine charakteristische Titten-Parade präsentiert.