Gerade mit seinem neuesten Film " The Da Vinci Code " enttäuschte mich Regisseur Ron Howard, was er aber zuvor mit " The Missing " wieder wett macht. Howard wurde durch Filme wie " Apollo 13 " oder dem Heldenepos " Backdraft " bekannt, aber einige seiner Film gingen auch einfach unter. Hier darf er mit einem Budget von circa 65 Millionen Dollars das exzellente Drehbuch vom unbekannten Autor Ken Kaufman umsetzen, welcher wiederum die Novelle von Thomas Eidson als Vorlage nahm. Heraus kommt ein spannender und gleichzeitg sehr ruhig erzählter Western mit einem mystischen Touch. Auf jeden Fall einer der besten Western aus den letzten Jahren, zudem toll besetzt.
Maggie Gilkeson (Cate Blanchett) führt mit ihren beiden Töchtern Lilly (Evan Rachel Wood) und Dot (Jenna Boyd) ein hartes Leben auf einer abgelegenen Farm. Maggie selbst verdient ihr Geld als Heilerin. Eines Tages taucht ihr indianischer Vater Samuel Jones (Tommy Lee Jones) bei ihr auf. Doch das Verhältnis der Beiden ist unterkühlt und sie jagt ihn fort. Mit ihrem neuen Freund Brake Baldwin (Aaron Eckhart) will sie ein ruhiges Leben führen, aber bei einem Ausflug wird Brake grausam ermordet und Lilly entführt. Nur Dot konnte sich verstecken und dem mit Kinder handelnden Indianer El Brujo (Eric Schweig) entkommen. Leider will Keiner Maggie helfen Lilly zu retten, weder der Sheriff, noch die Armee. Ihre letzte Hoffnung ist nun ihr Vater. Zusammen mit ihm und Dot nimmt sie die Verfolgung auf.
" The Missing " stellt mal keinen typischen Western von der Stange dar und überrascht teils durch seine Kompromisslosigkeit. Howard erzählt seinen Film sehr ruhig, doch dennoch spannend, wird der Zuschauer über zwei Stunden gefesselt. Dazu bringt man diese mystische Note mit ein. Ungefähr wie den Voodookult, zelebriert man hier die Geisterwelt der Indianer. El Brujo ist selbst Indianer und auch ein Hexer, nur aus reiner Geldgier handelt er mit Kindern, die er entführt und sogar den Eltern vor der Nase entreißt. Richtig spannend ist auch, als er die abgelegene Farm überfällt und Vater und Mutter mit Schlangengift tötet.
Howard setzt hier kaum auf Action, die Charaktere spielen die erste Geige. Trotz des eher gemäßigten Erzählstiles kommt nie Langeweile auf und die wenigen Actionszenen sind sehr gekonnt inszeniert. Zum Beispiel die Durchquerung der Schlucht, als Dot fast ertrinkt und von Samuel gerettet wird. Gegen Ende gibt es dann einige Verfolgungsjagden und Schießereien. Auch auf der Seite der Guten gibt es Verluste und die kleine Gruppe bestehend aus Maggie, Dot und Samuel muss sich Einiges einfallen lassen, um Lilly aus der Hand von El Brujo und seinen Mannen zu befreien. Einige Befreiungsversuche gehen sogar schief, wobei Samuel sogar fast getötet wird. Einige Szenen, ganz besonders die Ernordung des Indianers durch El Brujo sind für eine FSK 12 Freigabe recht hart anzusehen. Das liegt auch an der Ernsthaftigkeit des Films. Humor gibt es so gut wie Keinen und El Brujo ist gnadenlos. Mit Schlangengift, einem roten Pulver welches bewirkt, dass das Opfer verblutet und seinen Hexereien hinterlässt er viele Tote.
Gegen Ende wird die mystische Note leider zu arg ausgereizt. Denn die Verfluchung von Maggie hätte man eigentlich ganz weglassen können. Der mystische Touch durch die Lebensweise der Indianer wertet den Film zwar auf, aber diese Szene zieht ihn in die Länge und ist ehrlich gesagt zu übertrieben.
Dafür schafft es Howard seinen Charakteren sehr viel Tiefe zu verleihen, ohne die üblichen Klischees. Das Vater Tochter Verhältnis bessert sich natürlich im Laufe des Films, aber Maggie kann ihrem Vater trotzdem nicht verzeihen. Auch erhält man Einblicke in die schießwütige Armee, welche gleich die Waffen zücken, wenn sie überhaupt nur einen Indianer sehen und auch gerne mal ein Haus von Verstorbenen ausrauben.
Hinzu kommt die mehr als ungemütliche Kulisse. Es gab schon lange keinen Western mehr, der dass leben damals so ungemütlich und hart präsentiert hat. Wir befinden uns im Jahre 1885 in der Nähe der mexikanischen Grenze. Ganz besonders um die Farm von Maggie herum ist es kalt, nass und hässlich, Später reitet das Trio durch endlose Steppen, Bergwege, überquert Flüsse. Eine schicke Westernkulisse, welche niemals zu hübsch wird und einige sehr bedrohliche wie schöne Bilder parat hält. Der instrumentale Score von James Horner bietet eine prächtige Untermalung an mit vielen verschiedensten Melodien und Sounds.
Ein großes Plus sind auch die grandiosen Darsteller. Tommy Lee Jones ist hier eindeutig der Favorit. Die Rolle des mürrischen, aber dennoch großherzigen Indianers liegt ihm wirklich perfekt. Für die Rolle der Maggie wurde Cate Blanchett perfekt ausgesucht, doch auch die Kinderdarsteller Jenna Boyd und Evan Rachel Wood leisten beachtliches. Eric Schweig mimt den mordenden Indianer El Brujo, welcher sogar vor Kindern nicht haltmacht. In einer Nebenrolle ist Val Kilmer Leutenant der Armee zu sehen und Aaron Eckhart als Maggie´s Liebhaber Brake Baldwin.
Kalter, kompromissloser Western mit mystischem Touch und tollen Darstellern. Ron Howard´s Erzählstil ist sehr gemächlich, aber hoch spannend und fesselnd. Außerdem macht man einen großen Bogen um Klischees und überzeugt durch eine rauhe, aber realistische Inszenierung.