Bei The Missing handelt es sich um einen handfesten Western mit Tommy Lee Jones als zerfurchten Naturburschen, der vor Jahren Frau und Tochter verlassen hat, um bei Indianern zu leben, aufgrund eines Schlangenbisses aber von dem Schamanen seines Vertrauens dazu verdonnert wurde, kein Kanninchenfleisch mehr zu essen - und Frieden mit seiner Familie zu schließen. Also taucht er wieder auf, wird aber von seiner verbitterten Tochter Cate Blanchett erstmal wieder rausgeschmissen. Sie ist zwar mittlerweile die Heilerin der Gegend, kuriert Zahnweh und Blessuren der Einheimischen, aber den eigenen Schmerz hat sie nie überwunden. Dafür hat sie zwei Töchter, um die sie sich kümmern muss.Dann kommt jedoch eine Gangsterbande von marodierenden Indianern vorbei und entführt ihre ältere Tochter, und da die Kavallerie keine Befehle hat und noch dazu von einem fast nicht erkennbaren Val Kilmer angeführt wird, beisst sie in den sauren Apfel und bittet ihren alten Herrn um Hilfe, der natürlich als Wahlindianer die Kunst des Fährtenlesens beherrscht und auch sonst ganz patent zu sein scheint. Je näher man den Schurken kommt, die mittlerweile genug junge Frauen gefangen haben, um in Mexiko einen passablen Preis zu erzielen, desto näher kommen sich Vater und Tochter.Wurde bei Blueberry (s.u.) noch die mystische Welt der Indianer in ausufernden Visionen und skurrilen Bildern dargestellt, wird das gleiche Thema bei The Missing ebenfalls herangezogen, jedoch wesentlich subtiler und dadurch eher nachvollziehbar. Auch hier haben die Indianer gewisse unerklärbare Kräfte, mit denen sie z.B. Krankheiten heilen oder auch hervorrufen können. Aber auch Tommy Lee Jones hat den ein oder anderen Trick auf Lager, und so gibt es sogar auf geistiger Ebene einen Schlagabtausch zwischen ihm und dem Anführer der Gangster, einem pockennarbigen Schamanen.Aber es gibt natürlich auch zünftige Schießereien, erbitterte Zweikämpfe, dramatische Verfolgungsjagden zu Pferde und einen finalen Showdown - wie es sich gehört. Ein guter Western mit ungewohnt facettenreichen Charakteren, inneren und äußeren Konflikten, einer nachvollziehbaren Hassliebe zwischen Tochter und Vater und einem realistischen Verlauf und Ende.
Durchaus sehenswert - wenn man Western mag.