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"The Missing" ist der neueste Film von Regie - Alleskönner Ron Howard, der in seiner mittlerweile 25 jährigen Karriere für so gut wie jedes Filmgenre einen Beitrag geleistet hat. Hier wagt er sich nun an das in den letzten Jahren geschmähte Genre des Westerns, wobei "The Missing" alles andere als eine klassische Pferdeoper ist. Vielmehr ist er ein Thriller und Familiendrama, dessen Handlung man auch ohne weiteres in der heutigen Zeit hätte ansiedeln können.

Die Entscheidung den Film in New Mexico im 1885 spielen zu lassen erweist sich aber als absolut richtig und gibt dem Film neben der Story bedingten Intensität auch die Möglichkeit mit grandiosen Bildern die Atmosphäre zu unterstreichen. Es sind hier keine ewig grünen Steppen, auf denen echte Männer ihrer harten Arbeit nachgehen und sich Abends im Saloon zulaufen lassen und sich ab und an mal zum Duell zur Mittagszeit zu treffen.
Ron Howard präsentiert den Wilden Westen als wirklich wilde und raue Gegend. Die Landschaften sind zumeist wild zerklüftet und wechseln von anfänglichen schneebedeckten Hochebenen hin zu nicht minder kargen und unwirtlich wirkenden Wüstenlandschaften.
Auch die Menschen die Howard in "the Missing" zeigt sind keine strahlenden Helden.

Maggie (Cate Blanchett) lebt mit ihren beiden Töchtern beiden Töchtern Lilly (Evan Rachel Wood) und Dot (Jenna Boyd) auf einer kleinen Farm. Die Väter der Kinder haben sind längst verschwunden und Maggie Maggie führt eine unter Deckmantel der Verschwiegenheit geführte "Beziehung" Brake (Aaron Eckhart). Sie praktiziert als Heilerin während Brake die Farm mit einem Mexikaner zusammen führt. Als eines Abends Maggies Vater (Tommy Lee Jones) in der Tür steht, der die Familie vor Jahrzehnten verließ um ein Leben als Indianer zu führen beginnt das Leben von Maggie aus den Fugen zugeraten. Am nächsten Tag wird Lilly von einer Gruppe Indianern und Weißen verschleppt, die bereits mehrere Mädchen entführt haben um sie hinter der Grenze in Mexiko zu verkaufen. Brake ist tot und Maggie muss sich mit dem Mann den sie mehr hasst als alles andere auf der Welt zusammentun um ihre Tochter zurück zubekommen.

Aus der im Vordergrund stehenden Jagd auf die Entführer und Mörder entwickelt Ron Howard mehr und mehr eine Reise in die Vergangenheit der Charaktere, die diese seit Jahren mit sich herumschleppen und durch die Ereignisse endlich die Gelegenheit erhalten diese auf zu arbeiten und auch zu verarbeiten. Dabei ist es insbesondere Tommy Lee Jones und der großartigen Cate Blanchett zu verdanken das der Film hier nie die Richtung verliert und trotz aller Nebenschauplätze strickt auf sein Ende zu geht. Beide spielen hier die besten Rollen seit Langem und insbesondere Tommy Lee Jones hat man schon lange nicht mehr so überzeugend gesehen. Cate Blanchett spielt die Rolle der toughen und zu allem entschlossenen Mutter absolut überzeugend und beweist einmal mehr das sie eine der wohl besten Charakterdarstellerinnen derzeit ist. Auch die beiden Darstellerinnen der Töchter können überzeugen.
Dazu kommen kurze Auftritte von Aaron Eckhart, der hier eindeutig besser spielt als zuletzt in Paycheck, und ein kaum wiederzuerkennender Val Kilmer.

Doch was ist ein Film mit so einer Story ohne einen überragenden Bad Guy? Und genau hier krankt dann auch der Film. Simon Baker bietet zwar eine durchaus bedrohliche Performance als durchgeknallter Hexer und Anführer der Entführer, aber Howard versäumt es ihn auch mit der nötigen Bedrohlichkeit darzustellen. Zu früh und zu oft sieht man ihn, so das sich alles was an Bedrohung von der Figur ausgeht recht schnell verloren ist.
Ansonsten kann man Howard aber wenig vorwerfen. Insbesondere die insgesamt sehr düstere und teils mystische Grundstimmung des Films wirkt perfekt zusammen mit den Schauspielern und Locations. Auch gibt es in Howards Film keine strahlenden Helden, kein Gut und kein Böse. Val Kilmer als Armee Hauptmann der mit seinen Männern eine Farm und die Ermordeten Bewohner plündert und ein Sheriff (Clint Howard) dem eine Zukunftsausstellung wichtiger ist als das Leben eines Mädchens zeigen das es hier keinen gibt der gut ist. Und so muss letztlich jeder seinen Preis zahlen auf der Hatz nach den Entführern. Howard verzichtet, zum Glück, nicht darauf auch einen gewissen mythischen Touch in die Geschichte einfließen zu lassen. So etwa in einer eindrucksvollen Szene die den Hexen dabei zeigt wie er Maggie verflucht und gleichzeitig Tommy Lee Jones und ein befreundeter Indianer verzweifelt versuchen den Fluch zu bannen. Diese Szenen mögen sicherlich so manchen abschrecken, der mit einem "realistischen" Western gerechnet hat, aber sie passen sich gut in das Gesamtbild ein und wirken auch nicht aufgesetzt.

"The Missing" ist ein beeindruckendes Werk von Regisseur Ron Howard, das, auch wenn es in der Optik eines Spätwestern daherkommt, doch weit mehr ist als ein weiterer Film über den Wilden Westen. Dank Cate Blanchett und Tommy Lee Jones entwickelt sich der Film zu dem zu einem bedrückend gut gespielten Vater-Tochter Drama. Dazu gibt es beeindruckende Landschaften und wenige aber durchaus gut inszenierte Actionszenen. Einzig ein stärkerer und bedrohlicher Gegner für das Vater - Tochter Gespann und einige etwas straffer inszenierte Sequenzen zu Beginn und in der Mitte des Films verhindern hier eine höherer Wertung, so reicht es aber doch zu mehr als verdienten 7,5 von 10 Punkten.

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