Ich habe schon viele animierte Filme gesehen: Absolut durchgeknallt verrückte, sowie erschütternd traurige. Dieser hier aber schlägt dem Fass auf wunderbare Art und Weise den Boden aus. Lustig und traurig ist er, auf einen Schlag, ohne dass eines der beiden Elemente übertrieben vorkommt um dem anderen die Show zu stehlen.
Die Geschichte erzählt von Enkel und Grossmutter, die in einem kleinen, trostlosen Häuschen leben. Am Anfang wird kurz die Jugend des kleinen Jungen angerissen, wie z. B. wie er von seiner Grossmutter einen Hund, eine Spielzeugeinsenbahn oder ein Fahrrad geschenkt bekommt, um seine Einsamkeit zu tilgen.
Dies aber nur, um danach einen Zeitsprung zu machen und gewisse Begebenheiten der Gegenwart zu erklären; Der Junge ist nun Erwachsen, ein begnadeter Fahrradfahrer der Tour de France, sein Hund hat um einige mehrere Kilo zugelegt und besitzt eine Eisenbahnphobie.
Während der Enkel also während einer Etappe stetig einen Berg hinauffährt, wird er kurzerhand gekidnappt und zwar von zwei breitschultrigen, unnetten Mafiosi. Als seine Grossmutter diese Entführung mitbekommt, eilt sie ihm natürlich hinterher und setzt alles daran, ihn wieder zu befreien. Dies ist gar nicht so einfach, führt ihre Spur doch zur Grosstadt Belleville, wo sie und ihr Hund Bruno (fast) auf sich allein gestellt ist.
„Les Triplettes de Belleville“ ist etwas ganz besonderes. Obwohl es sich um einen Zeichentrickfilm handelt, ist er vom Grundton her äusserst deprimierend und unlustig. Dies zeigt sich in den zum Teil hässlich grotesk überzeichneten Figuren; Sympathieträger ist für mich einzig und allein die Oma, die aber wirklich zum knuddeln ist mit ihren Knopfaugen und ihrer Brille.
An bizarren Ideen ist dieses animierte Wunderwerk kaum zu überbieten. Meistens subtil, teils aber äusserst explizit werden verrückt-lustige bis verrückt-tragische Szenen gezeigt. Manchmal weiss man gar nicht, ob man lachen oder weinen soll. (Stichwort: Frösche) Passieren tut eigentlich meist nicht viel, aber trotzdem möchte man keine Sekunde missen, selbst bei alltäglichen Szenen. Denn ein witziges Detail ist immer zu entdecken. Da während des ganzen Filmes höchstens vier Sätze gesprochen werden, muss man sich auf die Mimik und Gesten der Figuren verlassen, die aber perfekt zu deuten sind. Dies führt zusätzlich dazu, dass das Publikum förmlich am Bildschirm klebt, um auch ja keine Andeutung zu verpassen. Zum Schluss dreht der Film in Sachen Action auf, aber nicht so, dass es einem auf den Wecker fallen könnte. Schön choreografiert das Ganze, nicht zu schnell, und trotzdem schön anzuschauen.
Die Grafik an sich ist ein Meisterwerk, das Seinesgleichen sucht: Gezeichnet, aber trotzdem 3D, ohne dass es gravierend auffällig oder störend wirkt. Im Gegenteil: Diese Art von Animation hat man noch nie gesehen und schon allein deswegen sollte man sich den Streifen anschauen. Das Design der Schiffe zum Beispiel ist zwar physikalisch nicht wirklich möglich, trotzdem extrem schön anzuschauen. Augenmerk hier sollte vor allem auf der finalen Verfolgungsjagd liegen: Ein echter Hingucker! Auch in Sachen Musik kann sich der Trickfilm sehen lassen, obwohl es eigentlich nur ein wirkliches Lied gibt: Das ist aber ein echter Ohrwurm, den man nicht so schnell vergessen wird.
Fazit: Ein wunderschöner Film, der die perfekte Balance zwischen traurig und komisch, subtil und eindringlich, ruhig und schnell gefunden hat. All diese Gegensätze gebannt auf einen sehr grotesken Stil, wie man ihn wohl kaum ein zweites Mal sehen wird. Origineller geht’s nicht, alles was dieser Film zeigt, ist noch nie da gewesen. Dies in dieser Zeit zu schaffen, in der man glaubt, schon alles gesehen zu haben, ist umso erstaunlicher und lobenswerter. Wer mal was Neues sehen will zwischen Anime, Spongebob, Pixar und überhaupt, der muss sich dieses Meisterwerk ansehen.
10 von 10 Punkten für diesen herausragenden Animationsfilm.