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Alles beim Alten: Auch in dem 68er-Streifen „Finders Keepers, Lovers Weepers“ treffen sich eine Handvoll begrenzt sympathischer Gestalten, um sich wegen Sex, Eifersucht, Kriminalität und Gewalt gegenseitig das Leben schwer zu machen: Paul, Besitzer einer Table-Dance-Bar, hat allerhand Liebschaften nebenher, während seine vernachlässigte Frau Kelly allein zu Hause herumsitzt. Als sie aus purem Trotz selbst in seiner Bar tanzt, macht sich sein Kollege Ray an sie heran. Währenddessen versuchen zwei Gangster, den Safe der Bar zu knacken...

Wie üblich bei Russ Meyer bleibt die Handlung auch dieses Machwerks reichlich überschaubar: Fünf zentrale Figuren agieren mehr oder weniger offen gegeneinander, entweder mit Intrigen, Betrug oder offener Gewalt. Am Ende sind die meisten tot und die Überlebenden geläutert und frisch verliebt. So weit, so bekannt. Dabei sieht es anfangs noch ganz danach aus, als wehe hier endlich einmal etwas frischer Wind in Meyers Oeuvre: Im besten Stil des 68er-Sexploitation kommt die Einleitung dynamisch geschnitten und temporeich erzählt daher, präsentiert schräge Kamerawinkel, Close-ups auf wackelnde Hintern und nackte Tänzerinnen aus der Froschperspektive. Ohne jegliche Einleitung werden die wichtigsten Figuren und Handlungsorte eingeführt (überhaupt spielt sich die gesamte Handlung innerhalb einer einzigen Nacht ab, was dem Geschehen zumindest anfangs einen gewissen Drive verleiht). Formal ist das recht unterhaltsam, wenn auch auf dem üblichen trashigen Niveau; doch die satten Farben, reichlich nackte Frauenhaut (und diesmal auch tatsächlich relativ viele nackte Brüste; von der heimlichen Verklemmtheit früherer Meyer-Filme ist hier nicht mehr viel übrig) und erste Andeutungen auf kriminelle Pläne zweier Barbesucher wecken durchaus das Interesse der Zuschauenden.

Leider ist es damit auch ziemlich schnell wieder vorbei. Sobald nämlich Paul zu seinem nächtlichen Stelldichein in seinem Stammbordell aufbricht, breitet sich gähnende Langeweile aus: Nicht nur, dass die Sexszenen äußerst stumpfsinnig inszeniert und gespielt werden – die Agierenden wälzen sich unbeweglich und steif übereinander, dass es beinahe peinlich ist – auch werden solche inhalts- und ereignislosen Sequenzen endlos in die Länge gezogen. Da erzählt ihm die neue Prostituierte irgendwelche Kindheitsgeschichten, die weder zu ihrer Charakterisierung beitragen noch von Belang für die weitere Handlung sind. Auch andernorts dehnen sich einzelne Szenen unermesslich: Gefühlt schweißen die Gangster tagelang an dem Safe herum, ohne irgendwie voranzukommen; vorher hocken sie in der Bartoilette und warten, dass Kelly und Ray endlich verschwinden (solcherlei unlogische Details nerven zusätzlich – werden die Toiletten vor dem Abschließen etwa nicht kontrolliert oder gar gereinigt?). Selbst die finale Eskalation, wenn es zum offenen gewalttätigen Duell zwischen Gangstern und Barpersonal kommt, erfolgt seltsam steril und lustlos, und das nicht nur, weil einfach eine Figur nach der anderen hereinspaziert und überwältigt wird. So kann man konstatieren, dass sowohl die erotischen Szenen als auch die Kriminalaspekte reichlich stumpf daherkommen.

Auch in anderer Hinsicht bleibt „Finders Keepers, Lovers Weepers“ eher schwachbrüstig: Zwar gibt es ein, zwei interessante Szenen, wenn die Frauen ihre ganze Verachtung für die schwachen, manipulierbaren und rohen Männer äußern („Er ist ein Mann. Alle Männer haben Komplexe“), doch insgesamt dominiert ein eher steinzeitliches Geschlechterbild. Die Männer flirten weniger als dass sie die Objekte ihrer Lust bedrängen, überwältigen, ja sogar vergewaltigen. Und dass Kelly als Trotzreaktion auf das Desinteresse und die Gewalt ihres Mannes ausgerechnet in seiner eigenen Bar nackt tanzt, gehört wohl eher ins Reich billigster Porno-Männerfantasien. Was sogenannte „starke Frauenfiguren“ angeht, hat man von Russ Meyer schon weit Besseres erlebt, etwa in „Faster, Pussycat! Kill! Kill!“.

So bleibt auch „Finders Keepers, Lovers Weepers“ trotz eines deutlich besseren Scores als in den Vorgängerfilmen (man spürt den veränderten Groove der 68er) und seines weiterhin sichtbaren Geschicks dabei, begrenzte Geldmittel und billige Kulissen durch clevere Kameraeinstellungen zu kaschieren, oder ein, zwei irrwitzigen Ideen, etwa eine Sexszene mit Bildern aus einem Auto-Derby zwischenzuschneiden, ein eher schwaches Werk, das den Großteil seiner Laufzeit schlicht langweilt, mit schlechten Darstellenden und uninteressanten Figuren verärgert und selbst im brutalen Finale nur bedingt mitreißt. Tanzende nackte Frauen, wippende Brüste und dümmliches Sexgesäusel sind da wohl so ziemlich alles, was es hier zu bestaunen gibt. Aber genau dafür ist Meyer ja schließlich auch bekannt...

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