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Mit dem schleichenden, aber beständigen Untergang des Western ab den späten Sechzigern war Mitte des folgenden Jahrzehnts auch die Karriere vom Genreregisseur Andrew V McLaglen (zwischenzeitlich und vorübergehend) mehr oder weniger am Ende. McLaglen, der zusammen mit Burt Kennedy in dieser Spätphase für eine Vielzahl von Beiträgen für die darbende Gattung und die Weiterbeschäftigung von alten Haudegen wie John Wayne, James Stewart und Dean Martin gesorgt hat, war u, 1975 im Grunde wieder dort angelangt, wo er ursprünglich hergekommen ist. Beim Fernsehen und seinen Auftragsarbeiten, die bei ihm u. a. Episoden für die Krimiserie Banacek, das Police Procedural Amy Prentiss, die Cowboyserie Hec Ramsey, den Pilotfilm The Log of the Black Pearl und für CBS Stowaway to the Moon bedeuteten, und damit verbunden auch das im Blut liegende Arbeiten mit wenig Zeit und wenig Budget.

Mitchell ist zwar zwischenzeitlich die Ausnahme von diesen Tätigkeiten für die Mattscheibe gewesen, ein Zwischending vor den weiteren, diesmal nicht weiter verfolgten Pilotfilmen Banjo Rackett und Royce (für NBC respektive CBS), ist aber auch im low Budget Bereich angesiedelt und wurde von manchen Kritiken, vor allem den vielen negativen Meinungen auch als Art verirrtes Serienspecial eingeschätzt. Heutzutage nur noch bekannt durch die Herstellungsära selber, in der Geschichten von Polizisten auf Abwegen bzw. auf Abkürzungen zum Recht überaus gefragt und erst am Hervorkommen waren, und vielleicht noch durch Joe Don Baker, immerhin den Walking Tall Charakter mit ebensolcher Darstellung, und natürlich durch die Verhohnepipelung durch das Mystery Science Theater, die sich auf das wehrlose Opfer Mitchell stürzten und es gründlich durch den Kakao zogen und keine Gnade walten ließen. Zu Recht? Natürlich nicht:

Gewerkschaftsanwalt Walter Deaney [ John Saxon ] nutzt die Gelegenheit beim Schopfe, einen mexikanischen Einbrecher in seiner Villa zu erschießen, obwohl dieser im Grunde schon durch einen von außen verschließbaren Raum in der Falle gesessen hat. Einzig Polizist Mitchell [ Joe Don Baker ] weiß schnell, dass an der Sache etwas faul ist und ist auch eifrig genug, die Angelegenheit zu verfolgen, wird allerdings ebenso schnell von seinem Vorgesetzten Chief Albert Pallin [ Robert Phillips ] davon abgezogen und mit einem anderen Fall betraut. Mitchell soll rund um die Uhr dem möglichen Drogendealer James Arthur Cummings [ Walter Balsam ] und dessen ständigen Leibwächter/Chauffeur/Butler Benton [ Merlin Olsen ] folgen und am besten noch bei frischer Tat ertappen. Cummings wird zwar tatsächlich von seinem Boss Tony Gallano [ Harold J. Stone ] unter Druck gesetzt, eine Lieferung an Salvatore Mistretta [ Morgan Paull ] bereitzustellen, möchte aber eigentlich gar nicht, wozu er bald den Cop auf seiner Fährte einspannt. Währenddessen bekommt Mitchell, der sich auch immer noch an Deaney ausbeißt, nicht nur plötzlich häufigen Besuch von der Edelprostituierten Greta [ Linda Evans ], sondern bald auch von Schläger- und Killertypen.

Ein kleiner Einbrecher, der sich in Abwesenheit der Bewohner an einer Villa versucht und das Tafelsilber stielt; oder zumindest stehlen möchte, braucht er doch zu lange dafür, hat er anscheinend Stöpsel in den Ohren und ist sowieso an den Falschen geraten, an Jemanden, der nicht bloß die Schießeisen im Wandschrank und dies auch noch in zahlreicher Ausfertigung hat, sondern auch die Pistole hier und da in der Schublade und zusätzlich noch den Knopf für eine Art Sperrtür versteckt. "A pretty clean job", eigentlich, ist nur die Grauzone zwischen Verteidigung in Notwehr und der Zweck heiligt die Mittel eröffnet, und wird die weitere Erläuterung bald erbittert geführt.

Mclaglen ist nicht dafür bekannt, der Eifrigste und Enthusiastische in der Filmbranche zu sein, vielleicht einer der fleißigen Handwerker, der das Handwerk sicherlich auch gelernt hat und Erfahrungen und Routine selbst mit größeren Produktionen und schwierigen Darstellern besitzt. Ein rundweg sympathischer Zeitgenosse, was man denn so liest und hört, nur eben keiner mit der ganz großen Begabung und der erkennbaren Handschrift; was für ein kommerzielles Produkt wie dieses hier und mit sowieso nur wenig finanziellen Spielraum aber unbedingt notwendig auch nicht ist. Die Geschichte lässt sich auch gut an, funktioniert über die Darsteller vollkommen ausreichend schon und wird zusätzlich mit mehreren Fronten gleich und auch der gewissen Unkonventionalität seitens des Polizisten und gleich mehrerer Stolpersteine für diesen, darunter die der eigenen Leute und der anderen Abteilungen, des Kampfes nicht nur gegen die Kriminalität, sondern auch die Windmühlen von Politik und Beruf und Gesellschaft erzählt.

So richtig lassen sich der vergleichbar schlechte Ruf der Produktion auch gar nicht nachvollziehen, sicherlich ist das Ganze weit von einem Friedkin oder Siegel oder Winner entfernt, hat gerade die Titelfigur in seinem durchaus integren, aber alles andere als verkniffenen Blick auf den Job – er ist hellwach, wenn es drauf ankommt, er kümmert sich auch in der Freizeit um die Arbeit, und er nimmt gerade auch den Ablenkungsfall mit Cummings als ernste, dem zu beschattenden Objekt gegenüber aber auch als höfliche bis dadurch spöttische Pflicht – durchaus seine Meriten, die durch den Darsteller selber und auch die umgebende Besetzung auch heute noch in das Publikum wirkt. Eine der ständigen Observationen vom (schelmischen) Pitbull, der sich in sein Ziel verbissen hat, artet durch eine Art 'Ausbremser' in eine Karambolagesession in den Hügeln vor der Stadt aus. Später wird Mitchell von zwei Rennbuggies durch die Wüste gejagt, wobei er sich beim Fahrer jeweils mit dem Einklemmen der Hand in die zugeworfene Wagentür bzw. mit dem Einschlagen eines größeren Geröllsteines revanchiert.

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