Review
von Alex Kiensch
Eine unter Agoraphobie leidende Schriftstellerin entdeckt mitten im Wald ein altes Haus, das sie unwissentlich in ihrem letzten Buch beschrieben hat. Um dem Geheimnis dieser Übereinstimmung auf den Grund zu kommen - und in aller Ruhe an ihrem nächsten Buch zu arbeiten - mietet sie das Haus über den Sommer und macht es sich hier gemütlich. Doch schon sehr bald erweist sich das als schlechte Idee: Unheimliche Visionen, mysteriöse Vorkommnisse rund um das Haus und wenig freundlich gesinnte Anwohner machen ihren Aufenthalt zur Schreckenstour. Und es dauert nicht lange, bis die Ereignisse bedrohlich eskalieren...
„The Nesting - Landhaus des Grauens" ist ein klassischer Geisterhaus-Horror, der sein Sujet mit dem nötigen Ernst und einer gelungenen Atmosphäre einfängt. Genre-Fans dürfen hier wahrlich nichts Neues erwarten - unheimliche Geistererscheinungen, die sich um die düstere Geschichte des Hauses drehen, und gruselige Visionen der Hauptfigur sind ebenso wenig originell wie die einzelnen Gruselszenen oder der dramaturgische Aufbau samt etwas unspektakulär geratenem Finale. Dennoch kann der Film die meiste Zeit ganz gut unterhalten.
Das liegt vor allem an der gelungenen Kamera und den eindrücklichen Bildern des starken Settings. Immer wieder gibt es originelle Kameraperspektiven und aufwendige Fahrten durch die leeren Flure und weitläufigen Räume des riesigen Hauses. Die Kulisse an sich bietet sich perfekt für einen Genre-Film an: ein riesiges, verwinkeltes Haus mitten im Grünen, das geradezu nach unheimlichen Nächten lechzt. Und die kommen sehr schnell zum Einsatz - so werden hier klassische Elemente wie eine Gewitternacht oder durch die Flure hallendes Lachen souverän eingesetzt, um eine beklemmende Atmosphäre zu erzeugen, die sich auch in den gekonnt düster ausgeleuchteten nächtlichen Bildern niederschlägt. Und einige Geisterattacken sorgen rein durch ihre visuelle Wucht für ein kribbeliges Gefühl - hier wird die Hauptfigur nicht durch einzelne Gestalten heimgesucht, sondern urplötzlich strömen aus allen Zimmern des Hauses zig Menschen, die nach ihr greifen und sie verfolgen. Derartige Überfälle brechen so plötzlich und unvorhergesehen herein, dass sie die mangelnde inhaltliche Originalität locker wettmachen und für reichlich Unbehagen beim Zuschauenden sorgen.
Diese an sich klassische Geisterhaus-Geschichte wird durch einzelne blutige Szenen ergänzt, etwa den übel ausgehenden Sturz eines Bekannten aus dem Dachbodenfenster oder den ebenso unerwartet aufkommenden Kampf mit einem böswillig wirkenden Anwohner des nahen Städtchens. Auch gibt es eine erstaunlich grausige Szene am nahen See - und das alles bei hellem Tageslicht, was durchaus für gelungene Überraschungen sorgt.
Sicher, die Story bleibt überschaubar und die Auflösung ist zumindest in Teilen für Genre-Fans weit im Voraus erahnbar. Und über das dilettantische Spiel der Darstellenden braucht man hier nicht zu reden - allen voran das schrille Gekreische der Hauptdarstellerin zerrt irgendwann gehörig an den Nerven, und das nicht auf die gute Art. Und manche inhaltlichen Aspekte versanden im Nichts - so bleibt der herbeieilende Freund mit dem Auto mitten im Wald liegen, und man hört bis zum Schluss nichts mehr von ihm, ohne dass ihm irgendetwas geschehen wäre. Aber dank atmosphärisch düsterer Bilder, klassischen Gänsehaut-Momenten und einer tollen, leicht gotischen Kulisse kann „The Nesting - Landhaus des Grauens" trotzdem für solide Spannung und Grusel-Unterhaltung sorgen.