Review

Als der Film „Scarecrow“ im Jahre 2002 erschien, stellte sich dieser wahrlich nicht als ein Highlight des Horrorgenres heraus, doch aufgrund seiner überzeichneten wie gradlinigen Inszenierung konnte man ihm zumindest einen passablen Unterhaltungswert zusprechen – wenn auch nur auf „B-Film-Trash“-Niveau.
Bereits ein knappes Jahr später schoben die Macher diese Fortsetzung hinterher, bei der man sich (aus mir schleierhaften Gründen) wohl dazu entschloss, alle zentralen Elemente des Vorgängers quasi ins Gegenteil zu verkehren: War die Vogelscheuche im Original vor der Verwandlung noch eine tragische Gestalt, ist sie hier von Anfang an eher unsympathisch. 2002 spielte die Handlung vornehmlich am Tage und die F/X waren alle „traditioneller“ (bzw „handgemachter“) Art, während man sich 2003 für eine nächtliche Umgebung sowie kostengünstige CGI-Arbeit entschied. Der Titelfigur strich man zudem ihre akrobatischen Fähigkeiten und richtete den Fokus von dem Rache-Motiv stärker auf jenes der Suche nach einer Partnerin, für welche über Leichen gegangen wird. Der Härtegrad wurde ebenfalls deutlich heruntergesetzt…
Tja, Veränderungen innerhalb einer Reihe sind an sich zumeist keine schlechte Sache – doch in diesem Fall entsteht das Gefühl, dass man gerade die positiven Elemente gestrichen oder nachteilig verändert hat…

Als Caleb Kilgore (!) ein Kind war, musste er mit ansehen, wie sein Vater eines Nachts bei der Feldarbeit von einer zum Leben erwachten Vogelscheuche ermordet wurde. 35 Jahre sowie fünf einigermaßen erfolgreiche Bücher zu dem Thema später, lebt Caleb (Tony Todd) noch immer auf der Farm und gibt einer Reporterin gerade ein Interview über seine Erlebnisse, als sich die zwei Collegekids Karl (David Castro – „the Surge“) und David (Brett Erikson) auf sein Feld schleichen, um die Vogelscheuche im Rahmen eines Verbindungs-Aufnahmerituals zu stehlen. Gerade als sie damit fertig sind und wieder abhauen wollen, überrascht sie Caleb jedoch und erschießt versehentlich David, worauf im folgenden Tumult die Freundinnen der beiden Anwärter ebenfalls verletzt werden. Was jedoch keiner bemerkt hat, war dass zum Zeitpunkt von Davids Tod dessen Geist in die Vogelscheuche übergegangen ist…
Nachdem man alle Personen vorsorglich ins örtliche Krankenhaus eingeliefert hat, vertraut sich Caleb der leicht verletzten Mary (Nicole Kingston – „Sinful Desires“) an, mit welcher er sich ein Zimmer teilt: Wütend über den Tod ihres Freundes, glaubt sie ihm jedoch kein Wort seiner unglaublich klingenden Theorien, bis die auferstandene Vogelscheuche tatsächlich erscheint und Caleb auf brutale Weise tötet. Nur mit Mühe kann sie sich von dem blutgetränkten Schauplatz entfernen und zu Karls Verbindungsbrüdern fliehen, bei denen es sich zum Glück um Marine-Anwärter (!) handelt, die mit diversen großkalibrigen Waffen (Uzi, Panzerfaust (!!!) etc) ausgestattet sind. Zusammen versuchen sie, Davids Geist in seiner neuen „Scarecrow“-Hülle aufzuhalten, denn jener will seine Freundin nicht einfach aufgeben, sondern sich stattdessen mit ihr vermählen – auch wenn das bedeutet, sie ebenfalls verwandeln zu müssen…

Ja, die Geschichte ist tatsächlich so bescheuert, wie sie klingt – und dabei habe ich in meiner Inhaltsangabe noch viele unsinnige Elemente verschwiegen: Da wäre etwa die alberne Pseudo-High-Tech-Ausstattung der Verbindung (neben den Waffen besitzen sie beispielsweise auch futuristische Nachtsichtgeräte), merkwürdige bis bedeutungslose Nebenfiguren (wie eine im siebten Monat schwangere Polizistin) sowie ein Showdown, bei dem zwei Scarecrows gegeneinander zum finalen Kampf antreten…

Einfach alles an diesem Film ist irgendwie lächerlich: Die Dialoge sind schrecklich, Charaktere und Figuren oberflächlich sowie voller Klischees, die Handlung ist eine Beleidigung für jeden Zuschauer und die Schauspieler sind schlichtweg mies (Todd inklusive, dessen Interview zu Beginn des Films einfach nur ein billiger Vorwand dafür ist, so etwas wie eine abstruse Mythologie aufzubauen – was aber keinesfalls überzeugend ausgefallen ist).
Was ist nur aus Tony Todd geworden? Dieser Gedanke ging mir schon vor einigen Wochen durch den Kopf, als ich ihn bei seinem Gastspiel in der dritten Staffel von „24“ zu Gesicht bekam – und nun diese Katastrophe namens „Scarecrow Slayer“, aus der er sich nicht einmal rausreden kann, schließlich hat er den Streifen gar mitproduziert! Nach einigen netten B-Filmen (wie „Sabotage“, „Wishmaster“ oder „Night of the Living Dead“), einem Auftritt im Bruckheimer-Kracher „the Rock“ sowie den recht guten „Candyman“- und „Final Destination“-Reihen ist seine Karriere derzeitig weit entfernt von dem Status, den er mit einer besseren Rollenauswahl (meiner Meinung nach) locker hätte erreichen können. Hier wirkt er wie ein Schatten seiner selbst, denn von der Länge und dem Inhalt her erinnert sein Monolog über die Gesichte der mörderischen Vogelscheuche verteufelt stark an seine Weisheiten über den Tod in „Final Destination“…

Die Dummheit der Story wird aber trotzdem noch von der vollkommen inkompetenten Inszenierung des Regisseurs (David Michael Latt, der auch für die beiden „Killers“-Streifen verantwortlich ist) „übertroffen“:
Schon allein die ersten fünf Minuten sind schwer zu verdauen, denn in ihnen wird man gleich mit unsäglich schlechten CGI-Effects konfrontiert, die Credits wirken mit den Hintergründen aus Feuer oder Nebel (positiv betrachtet) bestenfalls unfreiwillig komisch – und trotzdem kann all das den Zuschauer nicht auf die Restlaufzeit vorbereiten, welche diesen ersten Eindruck selbst noch zu unterbieten vermag: Amateurhaft eingefügte (digitale) Hintergrundelemente (wie Landschaften, Wolken oder Gewitter), eine durchgehend schlechte Soundabmischung, irritierende Ausleuchtung der Szenen (in vollständiger nächtlicher Dunkelheit befinden sich die Darsteller trotzdem im hellen Gegenlicht von Schweinwerfern), ständig räuchernde Nebelmaschinen sowie die schlichtweg grauenhaften CGI-F/X, von denen einfach alle unterirdischer Art sind, runden das Bild zu einer homogenen Produktionskatastrophe ab.

Während des gesamten Films gab es nur zwei Momente (je von etwa 15 Sekunden Länge), die mir persönlich gefielen: In einer Sequenz läuft die vollkommen verstörte Mary nach ihrer Flucht aus dem Krankenhaus im Nachthemd orientierungslos durch die Straßen – dabei hat man fast alle Farben aus der Einstellung entfernt, bis auf das Blau ihrer Kleidung und dem Rot der PKW-Rückleuchten (ein interessanter Effekt, welchen die „Pang-Brothers“ gern benutzen). Der andere Moment war, als eine Krankenschwester das Buch „King of the Ants“ zur Hand nahm – dabei musste ich unweigerlich an die gute Verfilmung von Stuart Gordon denken. Man merke: Höhepunkte dieses Machwerks waren also ausschließlich flüchtige Assoziationen … und das reicht nun wirklich nicht, um angesichts des Rests etwas anderes als die Tiefstnote zu vergeben!

Fazit: „Scarecrow Slayer“ ist nicht nur die miese Fortsetzung eines einigermaßen unterhaltsamen Vorgängers, sondern auch für sich allein betrachtet ein unfassbar dilettantisches Machwerk … glatte 1 von 10!

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