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Bestärkt durch die fragwürdig häufig positive Resonanz auf seinen ersten Film Meat Market machte sich Brian Clement erneut mit einem Budget unter $ 3000 an ein Sequel. Dabei bereitet nicht nur im Nachinein bei genauerer Betrachtung die Logik einige Probleme. Zunächst mußte er erstmal das Script umschreiben und Shahrokh loswerden, da Darsteller Paul Pedrosa kein Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit zeigte. Ersatz findet er in Ferridan (Stephen Eng), der gemeinsam mit den aus Teil 1 bekannten Argenta (Claire Westby) und Nemesis (Alison Therriault) als quasi immer noch Überlebende der ansonsten fortgeschritten nekrotisierten Welt umherstolpern.
Allerdings dauert das Stolpern nicht so lange wie im Vorgänger, Clement scheint gelernt zu haben. Schnell transportiert er das Trio in einen Stützpunkt, auf dem sich Menschen verschanzt haben. Das kennen wir aus Day of the Dead und dem erst ein Jahr nach Meat Market 2 veröffentlichten 28 Days Later. Auch Der Omega-Mann könnte hier ein Einfluß auf den Sektencharakter gewesen sein.

Auch mit Meat Market 2 zeigt Brian Clement, daß er durchaus frische Ideen beizutragen hat. Die im Stil von WIP Filmen eingefügte Duschszene ist dabei zwar optisch kein Highlight, passt aber trotz oder wegen eindeutigem Selbstzweck zum Lagercharakter. Hier spielt nämlich weniger die globale Bedrohung eine Rolle. Die USA scheint es nicht mehr zu geben, statt dessen hat sich eine Vereinigung gegründet, die mit einer Mischung aus Totalitarismus, Motivationstraining und Sekte eine neue, reine Welt erschaffen will. Die Neuankömmlinge werden dementsprechend in Kategorien eingeteilt.
Mit sexuellen Handlungen an Leichenteilen und Kannibalismus werden schnell auch die Schattenseiten dieses Systems entlarvt. Wissenschaftler führen an den Lagerinsassen ausserdem Experimente durch, bei denen sie erklären, daß nicht alles für das Experiment nötig gewesen wäre, Draht hätte man zum Beispiel nur zum Spaß durch das Fleisch gezogen. Das wars dann aber auch mit Tiefgang, denn obwohl Clement eine Motivationsszene zum Beispiel als Bezugnahme auf Triumph des Willens beschreibt, kann Meat Market 2 einfach nicht verbergen, daß die Geschichte unausgegoren ist und nach guten Ansätzen mit Hängen und Würgen zu einem unvermeidlichen Showdown geschleppt wird.

Schade ist, daß man den guten Willen von Clement wirklich erkennen kann. Im Vergleich zum ersten Teil hat er Fehler ausgemerzt. Die Laufzeit ist kürzer, dabei verzichtet er auf zuviel sinnlose Nacktheit. Etwas langatmig wirkt der Film dennoch. Auch bei den Effekten hält er sich zurück, denn viele Szenen werden gar nicht explizit durchgeführt, sondern nur angedeutet. Das mag auch aus finanziellen Gründen geschehen sein, aber man bemerkt doch, daß die Qualität des Films durch diese Arbeitsweise keinesfalls gemindert wird.
In der Storyentwicklung fehlt es aber noch an Können und letztlich stößt Meat Market 2 dann auch mit der eher minimalen Geschichte schon an die Grenzen der Fähigkeiten seiner Amateurdarsteller. Hier ist dann auch klar erkennbar, warum andere Produzenten mehr auf Exploitation fixiert sind, denn je weniger Gruben man seinen Schauspielern gräbt, desto weniger hat man später dann auch Schwierigkeiten, das andauernde Gepurzel im Schnitt zu verstecken.

Meat Market 2 ist also ähnlich wie sein Vorgänger wirklich nicht für Jedermann geeignet. Im Amateursektor noch ein interessanteres Projekt, begeistert der Film weder Mainstream Zombiefans noch Trashfreunde. Unterm Strich ist der Film einfach zu langweilig, um mehr als nur übermäßig intensive Untotenforscher bis zum Abspann halten zu können. Das ändert nichts daran, daß Brian Clement fleißig weitere Filme und inzwischen auch Meat Market 3 fertig gestellt hat. Heiß drauf bin ich jetzt eigentlich nicht mehr.

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