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Man muss schon Trash- und B-Filme zu schätzen wissen, um einem Werk wie „Scarecrow“ etwas abgewinnen zu können, denn die Grundidee (eine geknechtete Seele sucht sich nach dem gewaltsamen Tod eine neue Hülle, um so blutige Rache zu nehmen) ist wahrlich nicht neu und wurde zudem bereits etliche Male zuvor mit teilweise wesentlich höherem Produktionsaufwand umgesetzt. Wer seinem Gehirn aber mal eine 80-Minütige Auszeit gönnen will sowie sich allgemein auch mit Filmen dieser Art anfreunden kann, dem könnte der Film von Regisseur Emmanuel Itier („the Midnight Hour“) tatsächlich gefallen…

Lester Dwervich (Tom Young – TV´s „Relic Hunter“) hat es nicht leicht: Vor Jahren vom Vater verlassen, lebt er nun mit seiner alkoholsüchtigen Mutter in einem Trailer-Park und fristet ein von der Gesellschaft ausgegrenztes Leben, da man ihn aufgrund seiner Herkunft sowie eigentümlichen Verhaltensweise nirgends wirklich akzeptiert – in der Schule nennt man ihn nur „Vogelscheuche“, eine Lehrerin bezeichnet ihn gar öffentlich vor der Klasse als „Trailer Trash“. Aus seinem Außenseiterdasein kann er höchstens in seinen Gedanken entfliehen, und so lebt er angestaute Rachegelüste in Tagträumen aus oder konzentriert sich auf das Zeichnen von Fantasiemotiven.
Nur seine Mitschülerin Judy (Tiffany Shepis – „Ted Bundy“) zeigt überhaupt mal Mitleid und nimmt ihn vor Anfeindungen oder derben Späßen in Schutz. Von ihrem Engagement gestärkt, entwickelt Lester Gefühle für sie, doch als er eines Abends mit ansehen muss, wie sie bei einer Party einen verhassten Klassenkameraden küsst, fühlt er sich betrogen und flüchtet nach Hause – nur um dort mit der aktuellen Bettbekanntschaft seiner Mutter aneinander zu geraten: Es kommt zu einem handfesten Streit, in Folge dessen der Mann Lester hinaus ins Maisfeld hetzt und ihn am Fuße einer Vogelscheuche im Wut- und Alkoholrausch erwürgt...
Aus Angst vor der Polizei beschließt der Mann, die Tat mit Unterstützung von Lesters Mutter nach einem Selbstmord aussehen zu lassen, worauf sie den Körper an einem Baum aufhängen. Was sie nicht wissen, ist dass im Moment des Todes Lesters Geist in die Vogelscheuche übergegangen ist, und wenig später erwacht er dann als „Scarecrow“ zu neuem Leben – es folgt ein konsequenter wie blutiger Rachefeldzug an seinen einstigen Peinigern…

Was kann man über dieses Werk nun schreiben? Die Grundstory ist in dieser oder ähnlicher Form altbekannt (siehe „the Wraith“, „the Crow“, „Pumpkinhead“ etc), selbst eine mordende Vogelscheuche gab es zuvor schon (mindestens) einmal („Night of the Scarecrow“). Hauptdarsteller Tim Young nimmt man die Verlierergestalt zwar problemlos ab, doch er ist viel zu alt für die Rolle, was übrigens auch für Tiffany Shepis gilt, welche mich zudem optisch die ganze Zeit an Sängerin Pink erinnerte. Die restlichen Darsteller sind entweder farblos oder einfach nur mies – vor allem der Freund von Lesters Mutter war mit seiner Perücke und dem angeklebten Schnurrbart eher lächerlich. Passend dazu präsentiert die Regie die Ereignisse fast comichaft überzeichnet und würzt alles mit viel Humor, welcher sich jedoch von anfänglichem Wortwitz (zumindest in der OV) gegen Ende hin immer weiter zu äußerst platten Witzchen entwickelt.

Tatsächlich nimmt sich der Film fast eine halbe Stunde lang Zeit, Lesters Lage zu veranschaulichen: Seine Rolle wird zwar mit allen gängigen Außenseiter-Klischees eingeführt, doch die Szenen erzeugen trotzdem die beabsichtigte Wirkung. Gerade diese anfänglichen 30 Minuten werten den Gesamteindruck doch erheblich auf, zumal alles mit erstaunlich passenden Musikstücken unterlegt ist.
Schließlich greift die Vogelscheuche in die Handlung ein – optisch sehr gut gelungen, ist ihr Auftreten dann aber bestenfalls nur noch zweifelhafter Natur: Mit einer nervig-unpassenden, unfreiwillig komischen Stimme ausgestattet, mit der sie die ältesten und plattesten One-Liner zum Besten gibt, verflüchtigt sich jeder Ansatz von Ernst und Horror gleich am Ansatz. Hinzu kommt, dass sie Karate-Moves beherrscht, in deren Angesicht die „Power Rangers“ vor Neid erblassen würden. Abgesehen davon, dass ohnehin zu keiner Zeit Spannung aufkommt, passt das zwar zum überzeichneten Gesamtbild, ist aber keinesfalls atmosphärisch, gruselig oder gar förderlich bezüglich der Meinungsbildung. Wenigstens hat man Lesters Rachefeldzug einigermaßen blutig, tempo- und abwechslungsreich umgesetzt.

Darüber hinaus fallen noch folgende Aspekte negativ auf: Die Figur der Judy wurde total verschenkt. Nach dem Tod von Lester trauert sie zwar kurz, verschwindet dann aber zugunsten der mordenden Vogelscheuche, nur um pünktlich zum (recht kurzen) Showdown wieder aufzutauchen. Sie wollte Laster ja nicht schaden, doch anstatt dass man diese Tatsache am Ende anreißt, kommt es nur zum finalen Endkampf. Es ist auch nicht nachvollziehbar, warum sich die Rache nicht nur gegen jene Leute richtet, die früher für die Hänseleien verantwortlich waren, sondern sich ebenfalls auf „Unschuldige“ (wie etwa den Friedhofswärter) ausdehnt. Die Rahmenhandlung mit den Kids, die sich im Maisfeld Gruselgeschichten erzählen, hätte man sich zudem sparen können, da sie nur allzu offensichtlich auf den „ach so überraschenden“ Schlussgag zusteuert…

Es gibt wesentlich schlimmere Machwerke dieser Art (man muss sich nur mal die Fortsetzungen hiervon anschauen), weshalb man in diesem Fall trotz der vielen Macken und benutzten Klischees nicht unbedingt von einer filmischen Katastrophe sprechen muss.

Fazit: Kurzweiliger Trash in Reinform, der aufgrund seiner temporeichen Umsetzung einigermaßen zu unterhalten vermag … knappe 4 von 10.

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