Mit Scarecrow aus dem Jahr 2002 liefert Emmanuel Itier einen Film ab, der zwar historisch für Freunde der Asylum-Schmiede interessant ist – schließlich gehört er zu den ganz frühen Produktionen von The Asylum in damaliger Zusammenarbeit mit York Entertainment –, filmisch jedoch kaum zu ertragen ist. Noch ist man weit entfernt vom späteren Mockbuster-Geschäftsmodell, doch leider auch ebenso weit von einer eigenständigen oder gar originellen Idee.
Die Geschichte wirkt wie eine äußerst schlichte und uninspirierte Variation bekannter Motive, am ehesten vergleichbar mit The Crow: ein rachsüchtiges Wesen, düstere Stimmung, Vergeltung für vergangenes Unrecht. Nur fehlt Scarecrow jegliche emotionale Tiefe, Mythologie oder stilistische Konsequenz, die das Vorbild zumindest auszeichnen. Stattdessen hangelt sich der Film klischeehaft von Szene zu Szene, ohne Spannung oder erzählerischen Drive zu entwickeln.
Besonders negativ fällt die durchweg schlechte Besetzung auf. Kein Darsteller überzeugt auch nur ansatzweise in seiner Rolle, was nicht zuletzt an der offensichtlich falschen Alters- und Typwahl liegt. Die angeblichen Schüler sehen eher aus wie Menschen jenseits der 20, was jede Identifikation sofort zunichtemacht. Den unfreiwilligen Höhepunkt liefern jedoch einige erwachsene Nebenfiguren, deren billig wirkende Perücken eher an eine Karnevalsveranstaltung erinnern als an einen ernstzunehmenden Horrorfilm.
Überraschend ist lediglich der recht hohe Gewaltgrad. Scarecrow ist deutlich blutiger, als man es zunächst erwarten würde. Allerdings können auch hier die handwerklichen Schwächen nicht kaschiert werden: Die Effekte sind häufig billig, schlecht getrickst und reißen den Zuschauer immer wieder aus der ohnehin fragilen Atmosphäre. Dass es sich um einen Independentfilm handelt, mag einiges erklären, entschuldigt aber nicht alles.
Die titelgebende Vogelscheuche ist immerhin passabel gestaltet und weckt kurzzeitig Hoffnung. Diese wird jedoch schnell zunichtegemacht, sobald das Wesen mit ninjaartigen Sprüngen durch die Gegend hüpft und sich an missglückten Kalauern versucht. Gruselig ist das selten, eher unfreiwillig komisch – und damit sinnbildlich für den gesamten Film. Eine neue Horror-Ikone wird hier definitiv nicht geschaffen.
Unterm Strich ist Scarecrow ein früher Beleg dafür, dass The Asylum schon zu Beginn Probleme mit Qualität, Originalität und Besetzung hatte. Historisch mag der Film für Genre- oder Studio-Interessierte von Interesse sein, als Horrorfilm funktioniert er jedoch kaum und bleibt eine unerquicklich schlechte Erfahrung.