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Begleitet wird die britische Flower-Class Korvette „Compass Rose“ (Für den Dreh wurde eine echte Flower-Class vor der Verschrottung bewahrt!) durch die Kriegsjahre 1939 bis 1945 und zeigt ein sehr realistisches, unpathetisches und menschliches Bild der im Geleitzugdienst und U-Boot-Bekämpfung eingesetzten Schiffe und Mannschaften.

Nach Ausbildung der Mannschaft und Erprobungsphase, zeigt sich auf den ersten Einsätzen, dass die Flower-Korvetten bedingt durch ihre Größe für das raue, stürmische Wetter und den Seegang im Nordatlantik kaum geeignet waren. Das heftige Stampfen und Gieren des Schiffes. Wassereinbrüche durch die Lüftungen. Die Verpflegung der Mannschaft mit warmem Essen war nur unter großen Schwierigkeiten oder gar nicht möglich.

Frachter werden aus den Geleitzügen torpediert und versenkt und man kann sich nur auf das ohnmächtige Einsammeln der Schiffbrüchigen beschränken. Man erhält Fühlung zu gegnerischen U-Booten verliert diese aber wieder wegen der unzulänglichen Ortungsgeräte. Als die erste Versenkung erfolgt, zeigt sich dies völlig unspektakulär durch einen Ölfleck und kleinere Teile und Papiere aus dem U-Boot, die an die Oberfläche getrieben werden. Spannend sind die Szenen, in denen die „Compass Rose“ im spiegelglatten, vor U-Booten wimmelnden Gewässern liegt und die Mannschaft fieberhaft einen Maschinenschaden repariert.

Für das Produktionsjahr des Film finde ich es hart aber realistisch, dass der Kommandant einen Waserbomben-Angriff auf ein U-Boot befiehlt, was genau unterhalb einer im Wasser treibender Gruppe Schiffbrüchiger geortet wird. Dafür zerfleischt sich der Kapitän am selben Abend in Selbstvorwürfen.

Die Charaktere werden vielschichtig, sehr menschlich gezeichnet und man kann die psychologische Belastung aller Beteiligten gut nachvollziehen. Selbst Tragödien wie ausgebombt werden, den Verlust von Familienangehörigen werden gezeigt.

Unfreiwillig schmunzeln musste ich in der Szene, in der ein „deutsches U-Boot“ zum Auftauchen gezwungen wird und auf dem Turm eine in riesigen, übertriebenen weißen Lettern aufgepinselte U-Nr. sichtbar wird. Leider hatte man hier in Ermangelung keinen authentischen deutschen U-Boot-Typ verwenden können.

Bei „The Cruel Sea“ handelt es sich um eine echte Perle unter den englischen Kriegsfilmen. Angenehm bescheiden und nie übertrieben patriotisch, wie beispielsweise viele amerikanische Produktionen, legt der Film in seinem fast dokumentarischem Stil vielmehr den Hauptaugenmerk auf den menschlichen Aspekt des Krieges. Was den Detailreichtum und den Realismus der Verfilmung angeht, stelle ich „The Cruel Sea“ auf eine Stufe mit „Das Boot“.
Da die Romanvorlage allerdings mehr als 500 Seiten dick ist, merkt man der Handlung (bei einer Lauflänge von 120 Minuten) manchmal, aber nie unlogische, Kürzungen an. Die Tricktechnik ist für das Produktionsjahr 1953 gut gelungen.

Leider ist der Film auf DVD zur Zeit nur in englischer Fassung erhältlich.

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