Review

Eigentlich möchte sich Maria Ekberg (Dagmar Lassander) bei ihrem Chef Mr. Sayer (Philippe Leroy) nur ein paar Unterlagen ausleihen, damit sie am Wochenende arbeiten kann. Zu ihrem Entsetzen stellt sie fest, dass Mr. Sayer Vergnügen daran hat Frauen einzusperren, sie physisch und psychisch zu foltern und zu ermorden.

Ein starker Mann, der Angst davor hat dass die Frauen alle Männer ausrotten wollen, und eine schwache Frau. Klingt soweit erstmal einfach, aber dann wäre der Film entweder nach 10 Minuten zu Ende, oder er würde sich in der Aufzählung verschiedener Foltermethoden erschöpfen (dann wäre er wohl aus diesem Jahrtausend). Weil er aber von 1969 ist, gibt es ein paar Wendungen. Die Frau erkennt dass der Mann krank ist und möchte ihm helfen gesund zu werden. Er ist nicht unattraktiv und ziemlich reich, also geht der geneigte Zuschauer davon aus dass die Frau sich in ihn verliebt hat. Klar doch, nimm eine Frau mit Gewalt und sie wird Dir bereitwillig zu Füssen liegen. Nix da, der Mann hat auch weiterhin die Hosen an, woraufhin ein Psychoduell zwischen den beiden entsteht, dass ein zum Beispiel Roman Polanski nicht besser hätte darstellen können. Und immer wenn der Zuschauer denkt er weiß Bescheid, zieht Regisseur Schivazappa ihm den Boden unter den Füssen weg und erzählt etwas Neues. Die Geschichte verändert immer wieder ihre Perspektive, zeigt einen anderen Blickwinkel, und bietet einen anderen Ausweg an. Wenn bei THE FRIGHTENED WOMAN eines sicher ist, dann, dass nichts sicher ist.

Dazu kommen die fantastischen und abwechslungsreichen Dekors, die äußerst beeindruckenden Schauspieler, die wirklich alles geben sowie eine fantastische Filmmusik. Dagmar Lassander zieht mit ihrer etwas speziellen Art der Erotik alle Register und bleibt nachdrücklich im Kopf des Zuschauers hängen, und Philippe Leroy (der mich hier öfters an den jungen James Caan erinnert) steht dem in nichts nach. Man nimmt ihm den Fiesling, den Frauenschänder, den verletzten und geknechteten Mann sofort ab. Klar ist der Film ein Kind seiner Zeit und wirkt dadurch manchmal etwas skurril oder gewollt arty, aber für Liebhaber von Filmen, in denen es nicht ständig rumst und kracht, auf jeden Fall ein echtes Juwel.

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