Oliver Stones kontroverser „Natural Born Killers“ spaltet die Zuschauerschaft, ich persönlich gehöre doch zu jener Fraktion, die dem Film wenig abgewinnen kann.
Stones plotarmes Filmchen dreht sich um die Odyssee des Killerpärchens Mickey (Woody Harrelson) und Mallory Knox (Juliette Lewis), das durch die USA zieht, wahllos Leute ermordet und am Schauplatz jedes Verbrechen einen Überlebenden lässt, der von den Geschehnissen erzählen soll. Die Folge ist nicht nur eine erbitterte Verfolgung durch die Polizei, sondern auch ein Medienrummel sondergleichen…
Wird ein Film dadurch zur Satire, dass sein Regisseur ihn krampfhaft als solche verstanden haben will? Sicher nicht, wie „Natural Born Killers“ beweist. Der Film keilt zwar in zig Richtungen aus, aber zu echter Kritik oder wahrhaft satirischen Spitzen reicht es nicht. Schon bei Mickey und Mallory weiß man nicht, ob Stone ihr Tun nun verurteilt oder nicht. Sind beide wirklich von Natur aus Killer oder sollen die Rückblenden in schlimme Kindheits- und Jugenderfahrungen ihre Morde entschuldigen? Die Behörden werden in Form des feigen, faschistoiden Gefängnisdirektors Dwight McClusky und des karrieregeilen Jack Scagnetti (Tom Sizemore) als quasi genauso schlimm gebrandmarkt, aber soll das Satire sein und die Killer noch als normale Leute einstufen? Antworten auf diese Fragen gibt es nicht, Stone scheint das alles auch egal zu sein, solange man es als Satire verkaufen kann, egal ob es eine ist.
Einzig und allein in den Seitenhieben auf die Medien lässt sich etwas Sarkasmus entdecken. Der schmierige Reporter Wayne Gale (Robert Downey Jr.) und seine Show „American Maniacs“ hypen Mickey und Mallory, verachten hier Publikum insgeheim und manipulieren die Wahrheit zu ihren Gunsten. Leider kennt man derartige Kritik aus zig anderen Filmen, selbst Actionthriller wie „Stirb langsam“ witzeln ja gerne in der Weise über Medien, ergo ist auch hier keine Satire zu erkennen.
Auch im Bereich sonstiger Qualitäten kann „Natural Born Killers“ nur teilweise überzeugen. Der Plot ist wenig komplex und wenig spannend, die Witze zünden nur teilweise. Am komischten ist es noch, wenn Wayne zum Schluss bei einer Gefängnisrevolte entfesselt um sich ballert oder Stone Mallorys verkorkstes Familienleben als Sitcom (!!!) auf die Bühne bringt, doch so bitterböse ist der Humor selten. Oft haut der Film dem Zuschauer nur pseudowitzige Dialoge über das Töten um die Ohren, über die man kaum lachen kann.
Auch als Ballerorgie lässt sich „Natural Born Killers“ nur teilweise goutieren. Ein paar Schießereien sind wirklich schick gemacht (Auftakt im Diner, Ballerei im Drugstore) und können durch Stones ungewöhnliche Inszenierung überzeugen (man achte auf das Verfolgen von Pistolenkugeln und Messern in der Auftaktszene), doch für einen reinen Actionkracher geht es einfach zu wenig rund.
Stones Inszenierung ist eh ein zweischneidiges Schwert, wobei vor allem die erwähnten optischen Gimmicks in den Ballereien zu gefallen wissen. Ansonsten wirkt die exzessive Benutzung von Stilmitteln einfach überfrachtet und anstrengend: Mal ist das Bild schwarz-weiß, dann übertrieben bunt oder mit einem Farbfilter verdeckt, auf Wände und Fenster werden mal Landschaften, mal Stalin projiziert, Comicfiguren turnen durchs Bild usw. Leider ermüdet dies schnell, da die Masche zum Selbstzweck wird, aber Drogenhirn Stone macht das ja häufig (wenngleich nie so exzessiv wie hier). Wirklich gelungen ist die tolle Musikuntermalung, die meist aus rockigen Klängen sowohl harter als auch softer Tonart besteht und schon allein dazu einlädt den Abspann noch zu gucken.
Da nutzt es dann nur wenig, dass die Besetzung wirklich gut spielt. Juliette Lewis nervt zwar mal wieder ein wenig, passt jedoch gut in die Rolle der toughen White Trash Killerin und auch Woody Harrelson beweist viel Charisma. Noch besser ist Tom Sizemore als eitler Cop und auch Tommy Lee Jones sowie Robert Downey Jr. spielen ihre Karikaturrollen mit dem nötigen komischen Talent.
„Natural Born Killers“ hat seine Qualitäten im handwerklichen Bereich und ist stellenweise unterhaltsam, doch meistens langweilt der Film einfach nur, da von echter Satire nichts zu spüren ist und der Plot nicht so recht weiß wohin er will. Ein misslungenes Werk, trotz eines geringen Unterhaltungswerts.