Review

Handlungsanriss:
Ein Gangsterpärchen zieht mordend durch die USA.

Meinung:
(nicht spoilerfrei)
Ich sah den Film mal vor Jahren im Fernsehen und fand ihn schlecht. Neulich wurde ich bei einer Diskussion, die ich mit Freunden über diesen Film hatte, darauf hingewiesen, daß das ja nur die „normale“ Fassung und geschnitten gewesen sei und der Director’s Cut ja um so vieles besser sei. Insbesondere wenn man keine zusammengekürzte Version sehen muss. Okay, kann ja sein.
Manche sagen, der Film sei ein Thriller. Manche weisen auf den hohen Splattergehalt hin. Andere wieder halten ihn für eine Satire.
Für mich kein Problem. Ich kann allen drei Genres was abgewinnen, also habe ich mir den DC nun doch nochmal in Ruhe angesehen.
Meiner Meinung nach hat der Film Ansätze für jedes dieser Felder, kann aber auf keinem überzeugen.

Optische Spielereien und schnelle Schnitte versuchen über die Inhaltsleere des Streifens hinwegzutäuschen. Während diese Gimmicks handwerklich nicht schlecht gemacht sind, ermüdet ihr ständiger Einsatz nach kurzer Zeit und ließ mich mehrfach auf die Uhr schauen. Zwar war ich auf Ähnliches gefaßt, schließlich handelt es sich um einen Film von Oliver Stone. Bei „JFK-Tatort Dallas“ klagten auch viele über die schnell geschnittene Informationsflut. Dort empfand ich das aber als gut. Der Film bot mir immer was, und konnte mein Interesse über die gesamte, sehr beträchtliche Laufzeit voll und ganz halten.
Bei „Natural Born Killers“ gelingt Stone das nicht. Dazu ist das Gezeigte einfach zu uninteressant. Ich glaube das liegt auch daran, daß die Hauptpersonen so willkürlich handeln, daß man schon aufgibt, Voraussagen zu treffen und sie einem bald egal sind.

Gegen Ende dreht der Film dann doch noch auf.
Der Gefängnisausbruch ist Schnitt- und Kameratechnisch auch experimentell, hier paßt der Stil aber weit besser als beim Rest des Filmes. Hier endlich kann man auch die satirischen Ansätze erkennen. Der eine oder andere Schmunzler verbirgt sich hier und der Film unterhält endlich und findet seinen Fokus.
Daß der Film als gewaltverherrlichend verschrien ist, verstehe ich nicht wirklich. Es wird zwar viel Gewalt dargestellt. Aber die beiden Hauptpersonen sind niemals echte Sympathieträger (auch wenn die Justiz nicht viel besser dasteht) und ihr Handeln wird niemals gerechtfertigt. Das muß man dem Film bei aller Kritik zugute halten.
Auch die schauspielerischen Leistungen, sowie der Soundtrack gehen in Ordnung.

Fazit:
„Natural Born Killers“ ist nicht zu klassifizieren. Das liegt aber keineswegs daran, daß wir es hier mit einem genialen Genremix zu tun haben, sondern einfach daran, daß nicht ganz klar ist, wo der Film eigentlich hin will. Er bietet für jedes Genre zu wenig.
Wer eine gute Satire sehen will, ist z.B. mit „Lord of War“ besser bedient. Wer einen abgedrehten Gangster-Splatter-Film sehen will, dem empfehle ich „From Dusk till Dawn“. Und als Thriller gibt es sehr viele, die das besser machen. Ein paar Highlights retten den Film vor dem Totalabsturz.
Es stimmt schon, daß „Natural Born Killers“ irgendwo Einzigartigkeit besitzt. Ich hoffe, das bleibt auch so.

Details
Ähnliche Filme