Die Vorlage zu "Natural Born Killers" lieferte der damalige Videotheken Angestellte Quentin Tarantino, noch bevor er sein Debüt "Reservoir Dogs" drehte. Schließlich nahm sich Regisseur Oliver Stone (Platoon, Wall Street) der kontroversen Geschichte an. Jedoch nahm er zahlreiche Änderungen an Tarantinos Story vor, heraus kam eine provokante Bilderflut, die tatsächlich einige Menschen zu Straftaten inspirierte. Stone provozierte in seinen Filmen schon immer gern, man nehme da als Beispiel nur "Platoon", wo er es wagte die Verhaltensweise der patriotischen amerikanischen Soldaten in ein anderes Licht zu rücken. Doch mit dieser abgedrehten Variante von "Bonnie und Clyde" kann ich nicht sonderlich viel anfangen und zwei Stunden lang diese gnadenlos überfrachtete Bilderflut zu ertragen ist schon eine Zumutung.
Mordend ziehen Mickey (Woody Harrelson) und Mallory Knox (Juliette Lewis) durch das Land. Sie haben über fünfzig Menschen ermordet, als der brutale Detective Jack Scagnetti (Tom Sizemore) sie endlich zu fassen bekommt. Im Gefängnis des herrschsüchtigen Dwight McClusky (Tommy Lee Jones) sind die Beiden gut aufgehoben, jedoch will der Journalist Wayne Gale (Robert Downey Jr.) die Bluttaten des Pärchens wieder in Erinnerung rufen. Er erhält die Erlaubnis Mickey zu interviewen, doch währenddessen kommt es zu einer Revolte im Gefängnis, die Mickey nutzen will, um zu entkommen. Jeder der sich ihm in den Weg stellt, muss dran glauben und schließlich endet der sensationsgeile Wayne sogar als Geisel.
Nicht nur von Kritikern, sondern auch von zahlreichen Fans hochgelobte Gewaltorgie, die storytechnisch nicht unbedingt viel zu bieten hat. Punkten kann "Natural Born Killers" höchstens durch seine Medienkritik, in wie weit sich der Mensch von den Medien inspirieren lässt. Doch ich komme mit Stones außergewöhnlichem Erzählstil einfach nicht klar. Statt eines normalen Films liefert uns der eine hektisch geschnittene Bilderflut, die nicht nur oft in schwarz-weiss wechselt, sondern mit Hilfe von Farbfiltern auch mal einen Rot- oder Grünton enthält, dazwischen gibt es sogar einige Szenen in Zeichentrick. Auch werden Bilder eingeblendet, die mit dem Film nicht das geringste zu tun haben. Das mag teilweise wirklich kreativ sein, jedoch hätte mir eine etwas ruhigere Inszenierung besser gefallen. Und im Endeffekt will man Gewalt kritisieren, in dem man selbst welche produziert. Im Fokus steht unser mordendes Pärchen, die sich auf einer Brücke einfach selbst verheiraten und Beide eine traurige Vergangenheit aufweisen. So bekommen wir Mallorys Geschichte in Form einer billigen Sitcom mit eingefügten und völlig deplatzierten Lachern zu sehen. Über Mickeys Kindheit erfahren wir nur Bruchteile, jedenfalls haben Beide das selbe Motiv für ihre schrecklichen Taten.
Von den Dialogen hätte man sich deutlich mehr erwünscht, denn anstatt garstige Onliner zu liefern, besteht der Großteil der Dialoge nur aus einer Anhäufung von Schimpfworten. Polizisten und Wärter werden gleichermaßen als typische Brutalos dargestellt, auch wenn man damit indirekt an Rodney King erinnern will. Insgesamt gesehen will "Natural Born Killers" auch eine Satire sein, doch dafür fehlt in jeder Hinsicht der Biss. Wobei total übertriebene Charaktere wie der perverse Scagnetti, der brutale Gefängnisleiter McKlusky oder auch der sensationsgierige Wayne schon gut herausgearbeitet sind und zum schrägen Stil passen. Trotzdem bleibt der überlange "Natural Born Killers" kaum durchweg interessant, was auch an den wenigen Actionszenen liegen mag. Es darf ein wenig geschossen werden, manchmal auch ganz gut gemacht, aber nie ausreichend um einem bei Laune zu halten. Dafür wird lieber schön draufgehalten, wenn Mickey und Mallory einen ganzen Diner abschlachten. Provokant ist das Gezeigte allemal, aber durch endlose Dialoge denen es meist an Wortwitz und Pepp mangelt, hat der Film auch etliche Durststrecken parat. Durchweg gefallen kann der Score, welcher immer in die richtige Kerbe schlägt. Bei den Darstellern sieht es da nicht schlechter aus, "Natural Born Killers" punktet durch eine prominente Besetzung. Da stechen besonders Woody Harrelson (EDtv, Der Schmale Grat) und Juliette Lewis (From Dusk till Dawn, Starsky & Hutch) als vor nichts zurückschreckendes Killerpärchen heraus. Tom Sizemore und Tommy Lee Jones liefern ebenfalls eine gute Show, doch Robert Downey Jr. overacted gnadenlos, auch wenn dies so gewollt ist.
Stone provoziert hiermit nicht nur, sondern will auch eine Botschaft übermitteln. Da sticht besonders die Medienkritik hervor, welche auch gut funktioniert. Doch Gewalt anzuprangern, in dem man selbst welche produziert und auch in brutalem Maße ausführt, ist nicht die Lösung. Auch ist der Film visuell komplett überfrachtetet, schnell hat man Stones speziellen Erzählstil satt, langweilig ist "Natural Born Killers" nicht selten. Dagegen kann auch ein exzellenter Score und einige überdrehte Charaktere nichts ausrichten, der Film ist nun mal Geschmackssache und mir sagt er in keinster Weise zu.