Review

Als Regiedebut von Edward Norton ist „Keeping the Faith“ durchaus amüsant ausgefallen, eine Romantikkomödie mit einer interessanten Dreieckssituation, in der zwei alte Freunde ihre Freundin aus der Jugendzeit wiedertreffen und sich beide in sie verlieben, nur daß der eine inzwischen katholischer Priester und der andere Rabbi ist.

Das relativ geschwätzige Skript versucht, den Figuren entsprechenden Platz einzuräumen und jedem gerecht zu werden. Nach einer Einführung aus Kindertagen baut der Film erst einmal erzkomödiantisch Rabbi und Priester und ihre Privatleben auf, um erst später den romantischen Konflikt ins Geschehen zu werfen.

Was dabei an Komik abfällt, ist von unterschiedlicher Güte. So ist z.B. Ben Stillers (natürlich spielt ein jüdischer Komödiant den Rabbi) ungewolltes Rendezvous mit einer sehr energischen und heiratswilligen jungen Dame einer der erinnerungswertesten Augenblicke (namentlich der, in der sie ihn bittet, ihre Form zu testen, in dem er ihr auf die Bauchmuskeln boxt – was sie natürlich aus den Puschen haut...), aber er ist so sanft überzogen, daß er mehr in die Richtung der typischen Gross-Out-Romcom läuft.
Zahlreiche andere Ausfälle (Norton zündet sich am Weihrauch selbst das Meßhemd an) sind Albernheiten pur, dagegen Nortons Auflauf bei einem mitleidigen Barkeeper, der angeblich schon alles gehört hat (bis ihm Norton zur Sad Love Story seinen Priesterkragen präsentiert), ein kleines Juwel.

Den größten Fehler, den Norton jedoch begeht, ist, zuviel des Guten zu wollen. Nebenfiguren wird zu viel Platz eingeräumt, zu haargenau wird vieles ausgebreitet und die zweistündige Laufzeit ist damit minimum 15-20 Minuten zu lang, da zu erwartende Enden immer wieder durch eine neue dramaturgische Zwiebelschale herausgezögert werden.

Daß aber alle Beteiligten einen Heidenspaß hatten, das will niemand bestreiten, vor allem Jenna Elfman zieht ähnlich wie in „Dharma und Greg“ vom Leder, wenn auch diesmal als Karrieristin. Norton jedenfalls macht als Komödiant durchaus eine gute Figur, als Regisseur muß er sich noch ein wenig zügeln, aber solange er Szenen generiert wie die, in der unsere Geistlichen lässig mit extracoolen Sonnenbrillen in Extremzeitlupe durch ihren Stadtteil wandern, kann er getrost weiterüben. (7/10)

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