Review

Fliegende Fäuste für fünf Halleluja!

Dieser unumstrittene Kung Fu-Klassiker aus dem obersten Regal der Shaw Brothers verbindet Gangsterepos und Martial Arts-Meisterschaft zu einem spektakulären Hansdampf in allen Gassen. „Der Boxer(/Pirat) von Shantung“ erzählt die (davor wie danach schon mehrfach filmisch aufbereitete!) Geschichte eines Kampfspezialisten aus ärmlichen Verhältnissen und der titelgebenden Provinz, der nun als Gangster und (zuerst) Handlanger im großen, weiten Shanghai seine Sporen verdienen will… 

Faustfester Feuerdrache

„Der Boxer von Shantung“ fährt weitestgehend noch den klassischen „Shaw Bros.-Style“ - ohne allzu comichafte, witzige und wuxia'eske Überzeichnungen. Was aber nicht heißt, dass er nicht spektakulär ist. Ganz im Gegenteil. Er macht diese fehlende „Übertriebenheit“ mit roher Gewalt, etlichen Kampfstilen und einem der blutigsten Enden der Filmgeschichte locker wieder gut. „Der Boxer“ - das sagt schon alles. Hier werden Fäuste geballt und in Gegner gerammt, als gäbe es kein Morgen mehr. Man spürt die Einschläge, man spürt die brechenden Knochen. Das Blut ist roter als bei den Kollegen der Hammer Studios. Die Kostüme sehen nie zu karnevalesk aus. Alles hat eine recht rohbeinige und erbarmungslose Straßenaura. „Kampfturniere“ und spezielle „1 vs. 1“-Duelle nehmen sowohl „Bloodsport“ als auch „Mortal Kombat“ vorweg. Einige Kameraeinstellungen sind raffinierter als man erwartet. Und die Figuren - wenn man denn aufpasst und ihnen genug Gehör schenkt - scheinen mir etwas besser und tiefer geschrieben als sonst bei Kampfepen dieser Kajüte. Vielleicht liegt das auch an der durchaus ausdauernden Länge dieses nachhallenden Werks. Es gibt auch mal geschwätzigere Passagen. Sogar einige. Aber so oder so: das Sitzfleisch lohnt sich und wird massiert von Schlägen, Tritten und Kombos, dass die Schwarten dutzendfach krachen! Das verbindet enorme Härte und Brutalität mit späteren, ausufernden Choreos, hält dabei Balance, Ernsthaftigkeit und Epik. Er steigert sich im Verlauf auch ohne Absacker, was wichtig ist und das Warten veredelt. Und daher kann ich vollkommen verstehen, warum den viele sehr, sehr weit oben bei den „Shaw Brüdern“ sehen. Er macht einfach eine Menge richtig und nimmt gar keine Gefangenen. Und gerne nochmal zum Mitschreiben: der finale Showdown ist dermaßen wuchtig, wichtig und zerstörerisch, dass ich mir nicht vorstellen kann, das in diesem Leben noch getoppt zu sehen. Absolut irre. 

Trunkenbolde gonna Punch your Ass! 

Fazit: ein wahrer Klassiker und Gamechanger der Shaw Brothers. Kommt etwas schwer in Gang und geht lang. Aber umso mehr er in seinen Tritt bzw. Schlag kommt, desto wilder, brutaler und besser wird's - und das geht dann neidlos bis in legendäre Regionen! 

Nur echt mit Axt im Bauch!

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