"Keyser Soze... Keyser Soze!" Selbst wenn man "die Üblichen Verdächtigen" schon ein duzend mal gesehen hat, läuft es einem allein bei der Erwähnung des Namen Kalt den Rücken runter. Wer er ist, weis keiner so genau. Alle Aussagen über ihn sind ein wirrer Wust aus Legenden und Vermutungen. Viele behaupten ihn gesehen zu haben, können aber nichts über sein Aussehen sagen oder widersprechen sich. Er ist die Gestalt, die im Dunkeln agiert und nur Auftaucht wenn es nötig ist, dann keine Spuren hinterlässt um dann gleich wieder genauso Mysteriös zu verschwinden oder wie es Verbal Kint ausdrückt: "Ich persönlich glaube an Gott und das einzige, wovor ich mich fürchte, ist Keyser Soze."
Verbal (Kevin Spacey) ist der einzige Überlebende eines Massakers, das sich am Hafen zugetragen hatte. Die Polizei tappt total im Dunkeln und hat keinerlei Täterprofil. Es gibt keine Zeugen und Verbal hat seinen Hals per Deal mit der Polizei schon aus der Schlinge gezogen. Der Fall scheint schon als ungeklärt zu den Akten gelegt zu werden. Doch Agent Kujan sieht seine Chance darin, Verbal erneut über die Geschehnisse am Hafen zu befragen. Verbal willig ein und erzählt, wie seine Truppe aus Verbrechern, von denen er noch als einziger Lebt zusammen gekommen ist. Paradoxer weise haben die sich in einer Zelle in einem Polizeirevier kennen gelernt. Alle waren sie mehr oder weniger der Alibiverdächtige für einen Fall, bei der die Polizei im Dunkeln tappt. Somit passt der Name "Die Üblichen Verdächtigen" wie die Faust aufs Auge, auch wenn Christopher McQuarrie (Drehbuch) erklärt, dass die Idee des Namens aus dem unvergessenen Schlusszeilen vom Klassiker "Casablanca" stammt.
Die zufällig Zusammengewürfelte Truppe ist eine Art Gangsterdreamteam ohne dabei wie eine Horde Superhelden daher zu kommen. Dean Keaton (Gabriel Byrne) hat eine reiche Frau geheiratet und wollte eigentlich aus dem Geschäft aussteigen. Er ist der perfekte Diplomat und der Kopf der Truppe, der Mann mit dem Plan. Benicio DelToro spielt Fred Fenster. Mit seiner Coolness spielt DelToro wie von einem anderen Stern. Die Rolle scheint extra für ihn geschaffen zu sein. Hinzu kommen noch Michael McManus (Stephen Baldwin), der Mann mit den Verbindungen und der Teamspieler Todd Hockney (Kevin Pollak). Verbal Kint schafft es die Truppe zusammen zuhalten und überzeugt unter anderem Keaton bei der Truppe mitzumischen.
Nachdem die Crew komplett ist, schildert Verbal der Polizei, wie das Team einen Auftrag nach dem anderen Problemlos erledigt. Doch dann geht ein Auftrag schief, zum ersten Mal kommt einer ums Leben und die Beute am Tatort fehlt. Wie sich dann später per Persönlichen Kurier herausstellt, steckt Keyser Soze hinter dem Auftrag. Er bietet der Truppe einen Auftrag an, bei dem es um sehr viel Geld geht. Allerdings gilt es jede Menge Menschen aus dem Weg zu räumen. Den meisten ist der Auftrag zu heiß, doch sie bekommen zu spüren, was passiert wenn man sie gegen den Teufel stellt.
Bryan Singer vollbringt ein wahres Meisterwerk. Jede Kameraeinstellung lässt den Filmfan mit der Zunge schnalzen. Die Kameraführung spricht auch ohne Worte zu dem Zuschauer und man weis sofort, was uns Singer sagen will obwohl kein Wort gesprochen wird. Der Spannungsbogen wird zusätzlich weit gespannt und entlädt sich zum Schluss mit einem lauten Knall, den man nicht zu schnell vergessen kann. Selbst Alfred Hitchcock hätte es nicht besser machen können. Hinzu kommt die unglaublich geniale Besetzung des Films. Das Gangsterteam ist dermaßen gut besetzt, aber vor allem wegen Kevin Spacey wird „Die üblichen Verdächtigen“ zu einem besonderen Erlebnis. Auch Agent Kujan (Chazz Palminteri) spielt die Rolle als kritischen Polizisten so genial und mit einem erforderlichen Misstrauen, man könnte fast glauben, dass er seit Jahren Fälle in der Art bearbeitet hat.
„Die üblichen Verdächtigen“ ist einer der Intelligentesten und besten Filme aller Zeiten. Hier glänzt jeder Darsteller bis in die kleinste Nebenrolle und vor allem Spacey und DelToro zeigen, dass sie nicht von dieser Welt sind. Im Krimi Genre, so haben viele behauptet, währe schon alles gesagt worden. Doch Singer, McQuarrie und Co. belehren diese eines besseren.