Ein fieser, kleiner Thriller ist das.
Filme über Gangster, die eigentlich die Helden und Sympathieträger sind, gibt es unzählige, doch nur wenige haben das Format dieses Streifens.
Regisseur Singers zweiter Film (nach “Public Access“, 1993) schlägt ein wie eine Giftgranate. Zuerst ein Knall, dann denkt man eine Zeitlang “Glück gehabt, nichts passiert“ und dann beginnt der Terror erst recht.
“Die üblichen Verdächtigen“ fräst sich tief ein, führt einem in die Irre, spielt mit einem, nur um die ZuschauerInnen mit einem kräftigen Tritt in den Hintern wieder zu entlassen. Die verschachtelte Erzählweise verlangt Konzentration, es wird empfohlen, nicht in müdem Zustand zu schauen, denn nur wer hellwach ist, kommt in den vollen Genuss aller Feinheiten und Details. (aber es spricht sowieso nichts dagegen, den Film mehrmals zu schauen!)
Das Ensemble spielt gutgelaunt und mit grossem Timing, alles grosse Schauspieler, die nicht unbedingt Stars sind, aber gerade darum glaubhaft wirken. Die Nähe zum Tarantino-Klassiker “Pulp Fiction“ ist da (nicht nur wegen Peter Green, der in beiden Filmen eine coole Nebenrolle hat), trotzdem ist “Die üblichen Verdächtigen“ ganz anders. Weniger Popcorn, mehr ätzende Säure. Zu lachen gibt es hier nicht viel, dafür ist er zu düster. Es hängt konstant das Gefühl einer Bedrohung über dem Film.
Für Leute, die gerne mitdenken und kombinieren und nichts dagegen haben, in die Abgründe der menschlichen Psyche einzutauchen, ist der Streifen Pflicht.