"Die Üblichen Verdächtigen" von Bryan Singer gehört zu dieser Kategorie von Filmen, die einem mit einem Ende zurücklassen, über das man gerne noch einmal nachdenkt, und sich so den Film mit dem Blick für bestimmte Details erneut anschaut.
Die Story: Im Hafen von San Pedro ist ein Schiff explodiert und zahlreiche Menschen sind ums Leben gekommen. Lediglich zwei Menschen haben überlebt: Ein Ungar, der schwerverletzt im Krankenhaus liegt, und der körperlich etwas eingeschränkte Verbal Kint (Kevin Spacey). Dieser erzählt Inspektor Dave Kujan (Chazz Palminteri) die Geschichte, wie es zur Katastrophe kam. Bei einer Gegenüberstellung werden er und vier weitere Kriminelle (Stephen Baldwin, Kevin Pollak, Benicio del Toro und Gabriel Byrne) von einer scheinbar höheren Macht, dem gesichtslosen Obergangster Keyser Söze, auf eben dieses Schiff angesetzt, im dem sich eine Großlieferung an Drogen befinden sollen...
Autor Christopher McQuarrie spielt in seiner Geschichte kongenial mit den Erwartungen des Zuschauers. Dass man anhand der dubiosen Kriminellen niemanden vertrauen kann, liegt auf der Hand. Allerdings entfädelt sich die vertrackte Geschichte erst zum Ende in einem Schlusstwist, der zwar nicht wahnsinnig überraschend, aber toll durchdacht ist. Bis dahin wird man auf einige falsche Fährten gelockt.
Die Darsteller in "Die Üblichen Verdächtigen" sind fantastisch. Ihr Spiel ist so undeutlich, dass man nie wirklich weiß, wer was gerade im Schilde führt. Insbesondere Kevin Spacey und Gabriel Byrne bekommen die Möglichkeit, viel aus ihren Rollen heraus zu holen.
Regisseur Singer versteht es zudem, die Geschichte spannend und temporeich zu inszenieren, versehen mit einem tollen Score, der sehr originell daherkommt.
Man wird als Zuschauer sehr lange im Dunkeln gelassen, denn die Geschiche ist so aufgebaut, dass sich die Puzzleteile erst am Ende zu einem Ganzen zusammenfügen. Und das bemerkenswerte am Ende ist auch, dass man sich den Film im Nachhinein immer mal wieder anschauen kann, da die Macher einige Hinweise auf das Ende und den Schlusstwist im Verlauf des Films eingebaut haben (Gegenstände im Hintergrund, Mimik/Gestik etc.).
Über den Film sollte man gar nicht mehr Worte verlieren, er ist ein fast perfektes Thriller-Meisterwerk mit nur kleinen dramurgischen Schwächen, die aber nicht weiter ins Gewicht fallen. Daher: Unbedingt anschauen, wer ihn noch nicht gesehen hat.