Mit ihrem Geniestreich “The usual suspects” stiegen die Studienkollegen Bryan Singer und Christopher McQuarrie quasi über Nacht in die erste Liga in Hollywood auf. Mit einem lächerlichen Budget von 6 Mio. US-Dollar inszenierten sie ihre geniale Filmidee, basierend auf dem ebenso genialen und später oscar-prämierten Drehbuch von McQuarrie, mit enorm viel Kreativität und einem mit äußerster Sorgfalt ausgesuchten Quintett in den Titelrollen.
Zum Inhalt möchte ich an dieser Stelle gar kein Wort verlieren. Die Story ist trotz ihrer Komplexität unglaublich clever durchdacht und weist eine solch starke atmosphärische Dichte auf, dass der Film wirklich bei jedem erneuten Anschauen neue Erkenntnisse hervorbringt, die einem zuvor entgangen sind. Bei der Unmenge an Namen und Ereignissen und vor allem aufgrund der rückblenden-artigen Erzählweise, die an Kurosawas "Rashomon" erinnert, ist höchste Aufmerksamkeit erforderlich, um dem Geschehen folgen zu können. Der Plot ist einerseits so interessant, aber andererseits so mysteriös, dass man endlose Diskussionen darüber führen könnte. Ähnlich wie bei Christopher Nolans “Memento” neigt man auch hier als Zuschauer dazu, eventuelle Logikfehler freiwillig als beabsichtigt oder schlimmstenfalls als Leerzeile zu betrachten. Der bekannteste Filmkritiker der Welt, Roger Ebert von Chicago Sun Times, hat den Film mit 1½ von 4 Sternen sehr negativ bewertet - womöglich ein Indiz dafür, dass der Plot wirklich zu clever ist für das naive Hollywood?!
Der Plot steht in “The usual suspects” deutlich im Mittelpunkt. Doch auch den weiteren Elementen, die zu einem Film beitragen, hat man sich sorgfältig zugewandt. Von der Ausstattung über die Bildkomposition bis hin zur Musik stimmt einfach alles. Was die schauspielerischen Leistungen angeht, so sind insbesondere die Leistungen von Chazz Palminteri als Zollbeamter Special Agent Dave Kujan und Kevin Spacey als Roger “Verbal” Kint hervorzuheben. Die Rolle von Kint war sogar von vornherein für Spacey vorgesehen. Für seine Darstellung erhielt er schließlich den Oscar als bester Nebendarsteller.
Schaut euch den Film an und überzeugt euch selbst. Der Plot hat es wirklich in sich. So kompliziert wie “Memento” ist der Film gewiss nicht, aber auch hier wird der Spannungsbogen die ganze Zeit über hochgehalten und die Story halt unzählig viele Überraschungen parat. Der Film wurde u.a. mit der Werbezeile “Nothing is as it seems” beworben. Diese Zeile trifft im wahrsten Sinne des Wortes zu!! "The usual suspects" ist der einzige Film, den ich mir wieder und wieder anschauen könnte ohne jegliche Langeweile zu empfinden. Für mich definitiv der beste Thriller überhaupt, besser als “Memento” und auch besser als Hitchcocks “Psycho” oder “Rear Window”! 10/10
Eigentlich schade, dass sich Bryan Singer seitdem mit den beiden X-Men-Filmen vorwiegend dem Mainstream-Publikum zugewendet hat.