Wer ist Kaiser Soze? Diese zentrale Frage zieht sich durch den gesamten Film und Regisseur Brian Singer schafft es, eine Spannung aufzubauen, die den gesamten Film über unvergleichlich anhält und diesen Film zu einem echten Juwel in diesem Genre macht. Ein Thriller, der eigentlich zu unrecht relativ unbekannt geblieben ist.
Selten war es so schwierig ein Review zu schreiben, da über die Handlung nicht viel zu verlieren ist ohne dem Leser die Spannung zu nehmen und die Schauspieler allesamt einfach großartig sind. Doch wie ist nun der Film? Um das herauszufinden sollte man es tunlichst vermeiden welch auch immer gearteten Nebentätigkeiten während des Anschauens nachzugehen (so wie ich, ich mußte daraufhin den Film ein zweites Mal sehen). In Tarantino-esker Manier wird mit verschiedenen Handlungssträngen, einem Erzähler aus dem Off, Rückblenden, Action, coolen Sprüchen und Dialogen über Nebensächlichkeiten gearbeitet, das Spannung und Unterhaltung bis zum Schluß garantiert.
Der Plot ist gezielt durchdacht und zielt zum furiosen Finale, auf das zielstrebig und erstaunlich konstant ohne Nachlassen der Spannungskurve hingearbeitete wird. Diese Story kann man auch mehrfach ansehen ohne daß einen langweilig wird: jedesmal entdeckt man neue Dinge, erfreut sich an anderen liebevollen Details und erspinnt sich eigene Lösungsansätze - immer wieder spannend anzusehen. Ebenso genial die Sprüche der Darsteller: einfach zum lachen, wenn dieser wohl dosierte Humor zum tragen kommt, zB. zu Beginn in der wohl witzigsten Gegenüberstellung der Filmgeschichte.
Kurz, um was gehts eigentlich: Verbal Kind sitzt im Verhör, er wurde von den Cops gefaßt, als er sich bei einer Schiffsexplosion mit vielen Toten und einigen erschossenen Leichen hinter dem Kai versteckt hat. Nun tischt er den Ermittlern eine Story nach der anderen auf - doch welche ist wahr? Schnell stellt sich jedenfalls eines heraus: Hinter all dem steckt der berühmt berüchtigte Kaiser Soze, ein Phantom, um dessen Gestalt sich viele Geschichten ranken, aber niemand weiß genaueres, niemand kennt ihn, niemand kann ihn beschreiben, außer ein nach der Explosion schwerverletzt mit Brandwunden im Krankenhaus liegender ungarischer Matrose. Soze zieht seine Fäden im Hintergrund, spannt ein Netz, in dem die fünf "üblichen Verdächtigen" schnell gefangen sind und aus eigener Kraft nicht mehr entrinnen können. Ohne ihren Auftraggeber je gesehen zu haben, ohne zu wissen ob er überhaupt existiert müssen sie ihm Folge leisten, erhalten Ihre Befehle durch dessen Anwalt Kobayashi übermittelt und müssen darauf vertrauen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Zu der Frage "wer ist Kaiser Soze" gesellt sich schnell die zweite zentrale Frage des Films: "Warum besteht für Kind Immunität?" Die Auflösung beider Fragen ist eng miteinander verknüpft und erschließt sich dem Zuschauer erst am Ende des Films - ein Ende, das erst nach über 100 Minuten erreicht wird und doch kurzweilig und schnell erscheint. "Die üblichen Verdächtigen" ist ein Film, in dem Kevin Spacey brilliert und Benico del Toro wieder einmal mehr liebenswert erscheinen lässt. (10/10)