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Bei einer Explosion auf einem Schiff bleiben 27 Leichen übrig. Der einzige Überlebende, ein kleiner verkrüppelter Gauner namens Kint, erzählt einem Zollbeamten, wie es zu der Explosion kam. Wieso der Ex-Bulle und Ex-Gangster und Ex-Liebhaber der Staatsanwältin, Keaton, dabei ums Leben kam. Und wieso er selber ohne einen einzigen Kratzer hier im Büro sitzt, Kaffee trinkt, und diese Geschichte vom Stapel lässt. Er erzählt, wieso fünf Kriminelle aus New York sich auf Geschäfte in Los Angeles einlassen. Welche Rolle der mysteriöse Anwalt Kobayashi spielt. Und er erzählt von Keyzer Soze, dem türkischen Gangster, der von ungarischen Mafiosi bedroht wurde, und der lieber seine eigene Familie tötete, als sich schmachvoll zu ergeben. Und der ein gigantisches Imperium aus Drogen und tödlichem Schweigen aufgebaut hat.

Beim ersten Ansehen ist die Story der Hammer. Wie aus der relativ einfachen Gangster/Cop-Story durch die verschachtelte Erzählweise und die stückchenweise Enthüllungen der Hintergründe ein raffiniertes Krimidrama wird, das ist sowieso schon großes Kino, und der Schlusstwist sorgt dann nochmal für eine zusätzliche Starre der heruntergefallenen Kinnlade.
Bei der Zweitsichtung allerdings, und mit dem Wissen was da eigentlich passiert, kommt noch mal eine Ebene hinzu: Kevin Spacey pflegt ab und zu ein feines Lächeln ein, oder den Hauch einer Gefühlsregung. Kaum zu erahnen, aber es ist da. Und wenn man die Story eben bereits kennt, dann haben dieses Lächeln oder diese Andeutung einer Emotion den Effekt eines Tornados. Der Film macht bei der Wiederholung tatsächlich noch mehr Spaß als bei der Erstsichtung! Und das ist in Anbetracht des Twists das größte Kompliment, das man dieser Art Film jemals machen kann. Wenn auch nur ein wenig Hang zu Gangsterfilmen und Krimis da ist, unbedingt ansehen. Und staunen …

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