Eine kahle und kalte Metzgerei, beherrscht von Grau- und Blautönen; ein fetter, schnurbärtiger Mann biedert sich bei der Kundschaft an, im Hinterzimmer mischt ein furchtbar schwitzender junger Mann mit starrem, unangenehmen Blick Marinaden, daneben sein mürrischer, agressiv wirkender und stets abweisender Freund und Kollege.
Nicht gerade die Gesellschaft, in der man sich wohlfühlen würde.
In so einem Umfeld siedelt Anders Thomas Jensen seine tiefschwarze Schlachtergroteske an, ein farb- und freudloses Universum, wo jeder von seinen eigenen Ängsten und Zwängen getrieben wird, was so skurile Blüten treibt, daß man darüber Tränen lachen würde, wenn es nicht zum Weinen wäre.
Svend (der Schwitzende) und Bjarne (der Abweisende) setzen schließlich ihren widerstrebend ihren Lebenstraum um und eröffnen ihre eigene Schlachterei in einer Kleinstadt auf einer dänischen Insel. Was dann folgt, ist das Schneeballprinzip des Fatalismus. Bjarne läßt seinem Bruder Eigil den Stecker für die künstliche Beatmung ziehen, um an das Kapital zu kommen. Der Laden öffnet, ist aber ein Flop. Und dann geschieht ein furchtbarer kleiner Unfall: ein Elektriker wird im Kühlraum eingeschlossen und erfriert. Als der stets unter Druck befindliche Svend von ihrem früheren Chef unter die Lupe genommen wird, fällt ihm in Panik nichts Besseres ein, als von der hastig versteckten Leiche etwas Fleisch zu filettieren, welches dann auch noch zum Hit auf einer Gartenparty wird.
Damit ist der Laden voll und die Kundschaft verlangt nach mehr – und weil Svend plötzlich vom Niemand zum Jemand mutiert, läßt er die Kühlraumtür öfters mal zuschlagen, was Bjarne nur durch seine konsequente Verweigerungshaltung bestehen, den Freund kann er nicht aufhalten.
Aber leider stirbt Eigil nicht, sondern erwacht zu neuem Leben, zwar geistig behindert, aber immer noch strickter Vegetarier. Und weil Bjarne auf dem Friedhof ein nettes Mädchen kennenlernt, sind Konflikte vorprogrammiert.
Während die Situation immer finsterer und komplizierter wird (die Leute verschwinden zuhauf), hellen sich die Lebensumstände der Beteiligten immer mehr auf. Bjarne wird sein Kindheitstrauma verarbeiten, Svend lebt inmitten der zerschnippelten und entsorgten Leichen spürbar auf, trägt plötzlich grüne Farben, läßt Licht in sein Leben.
Zwar kann man die Schlußpointe schon längere Zeit vorher erahnen, aber es ist trotzdem eine Lust, den abstrusen Figuren in ihren Zwängen zuzusehen. Manchmal, wenn die Vergangenheit aufgearbeitet wird, wird es hochdramatisch, aber irgendwo zwischen bizarren Abgestoßensein und verzweifeltem Mitleid muß man immer unwillkürlich schmunzeln. Dabei ist besonders die Leistung von Nikolaij Lie Kaas beachtenswert, der vollkommen unbemerkt sowohl den sperrigen Bjarne wie auch seinen behinderten Bruder Eigil spielt, wobei beide Figuren wie auch die übrigen stets ernst genommen werden und sich niemals über die Eigenarten lustig gemacht wird.
Und wo könnte ein solcher Film besser enden als in einer Strandszene mit wolkenlosem blauen Himmel und bunten Strandbällen?
Selten war grau so erheiternd und Kannibalismus so unterhaltend. (7,5/10)