Review

Da ich lange keine schwarze Komödie mehr verinnerlicht habe, gehorchte ich der Empfehlung eines guten Freundes, der „Dänische Delikatessen“ anpreiste. Die Steelbox-Veröffentlichung der DVD von Eurovideo kam zudem sehr sympathisch rüber und war mir durchaus 10 Euro wert. Der Film ist von Anders Thomas Jensen, dem wir auch schon „In China essen sie Hunde“ und das zugehörige Prequel „Old men in new cars“ zu verdanken haben. Gerade in Dänemark ist der gute Mann ein gern gesehener Zeitgenosse. Die Kritiken können sich sehen lassen. Also alles angerichtet für einen amüsanten Videoabend mit Freunden.

Uns wird die Geschichte von Svend (Mads Mikkelsen, Casino Royale) und Bjarne (Nikolaj Lie Kaas, In China essen sie Hunde) erzählt. Sie sind zwei nicht unbedingt hervorragend intelligente, auffällig launische Gesellen, die in Holgers (Ole Thestrup) Schlachterei angestellt sind. Dieser treibt die beiden in den Wahnsinn, weswegen ihnen die phänomenal erscheinende Idee kommt, eine eigene Metzgerei in’s Leben zu rufen. Gerade Svend liegt die Angelegenheit sehr am Herzen, da er in seinem Leben nie besonders beliebt war und sich auf diese Weise erhofft trotz seiner unästhetischen Schwitzanfälle auf der Beliebtheitsskala seiner Mitmenschen nach oben zu rutschen. Bjarne lässt sich mitziehen. Zunächst läuft das Geschäft keineswegs, am Eröffnungstag lässt sich nicht ein einziger Kunde blicken. Durch einen dummen Zufall wird der Elektriker in die Kühlkammer eingesperrt und erfriert dort über Nacht. Am nächsten Morgen kommt hoher Besuch: Der Ex-Chef Holger will sich über das neue Geschäft lustig machen und bestellt fast höhnisch Fleisch für seine anstehende Grillparty. Svend ist frustriert und emotional komplett mit dem Tod des Elektrikers überfordert. Daher verliert er die Nerven und verkauft seinem ehemaligen Chef Menschenfleisch, welches er mit seiner Marinade zusammen zubereitet hat. Bjarne kann das ganz und gar nicht gutheißen, lässt sich jedoch hineintreiben in den Sumpf, aus dem ein Herauskommen schwer sein wird. Das Fleisch schmeckt den Kunden, Svend fühlt sich erstmals in seinem Leben geliebt und tötet daher weiter, um über das Fleisch der Opfer an Ruhm zu gelangen. Bald verliert auch Bjarne die Hemmungen und das Geschäft brummt. Dass das langfristig zu Problemen führt, dürfte klar sein. Zu allem Überfluss taucht auch noch Bjarnes zurückgebliebener Bruder Eigil auf, welchem er den Tod seiner Eltern nie verziehen hat...

Zugegebenermaßen strotzt die Story nicht vor Originalität und kommt einem irgendwie bekannt vor. Trotzdem hat der Film einen enormen Unterhaltungswert und ich will versuchen zu erklären woran das liegt. Zum einen sind da zweifellos die Charaktere verantwortlich. Svend will man anfangs hassen, erkennt jedoch bald, was für eine unsichere und arme Persönlichkeit sich hinter ihm verbirgt. Sympathie lässt sich da trotz seiner Komplettüberforderung, wenn es um Umgang mit Menschen geht (oder gerade deswegen), nicht vermeiden. Außerdem hat er seinen ganz eigenen, hektischen und abgehackten Sprachstil, der sehr witzig daherkommt. Ihm steht Bjarne in nichts nach. Der kettenrauchende Einzelgänger hat eine sehr zurückgebildete soziale Kompetenz. Er scheint Hass auf Menschen zu haben, was wohl auf den Tod seiner Eltern zurückzuführen ist. Dabei ist er aber weitgehend souverän und konsequent, wenn er mit kritischen Situationen wie dem zufälligen Tod des Elektrikers umgehen muss. Nur wenn es um Frauen geht, verliert er diese Souveränität. Die beiden sind einfach ein herrlich amüsantes und skurriles Team, auch ohne dass sie etwas sagen. Wenn dann auch noch Bjarne in seiner kühlen Art einen seiner Sprüche zum Besten gibt („Ich rauche 15-20 Joints am Tag, ich würde nichtmal riechen, wenn meine Haare brennen.“), ist es um den Zuschauer geschehen und er muss einfach seinen Spaß haben.

Der Bezeichnung „Komödie“ ist „Dänische Delikatessen“ also durchaus gewachsen, auch wenn die Darstellung der makabren Morde und „Auseinandernahmen“ fast schon erschreckend kühl und emotionslos ist. Gerade bei empfindlichen Gemütern dürfte so ein unangenehmer Beigeschmack entstehen. Bei mir allerdings trug diese Vorgehensweise zu einem gelungenen positiven Gesamtbild bei.

SPOILER.Kritik zu finden ist hier gar nicht so einfach. Unangenehm war trotzdem – zu einem akzeptablen Maße – der Umgang mit dem Verbrechen. Zum einen ist es seltsam, mit einer Ernährungskontrolle bei mutmaßlichen Mördern anzutreten und zum anderen ist es sehr seltsam, dass Astrid (Line Kruse) trotz ihres Beinaheopfertums zu Bjarne zurückkehrt, als wäre nichts gewesen. Ein etwas an den Haaren herbeigezogenes Happy end nach meiner Meinung.SPOILER ENDE

Fazit: Dänische Delikatessen bietet für Liebhaber schwarzer Komödien und Filmfreunde mit nicht allzu empfindlichen Mägen enormen Spaß und zeichnet sich dabei vor allem durch seine liebenswürdigen Charaktere und den überzeugenden Humor aus. Das makabre Thema wird nicht mit Samthandschuhen angefasst. Einzig das erzwungen wirkende Ende schmälert den Gesamteindruck. Von mir 8 Punkte. Euer
Don

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