Der Begriff der schwarzen Komödie wird in letzter Zeit immer öfter gebraucht. Doch was ist eine schwarze Komödie? Adjektive wie „makaber“ oder „skurril“ werden gerne genutzt, wenn man von solchen Filmen spricht. An dieser Stelle soll dieser Begriff der schwarzen Komödie nicht referiert werden. Was allerdings auffällt ist, dass „Dänische Delikatessen“ wirklich eine schwarze Komödie ist. Dieses Besondere, was „Dänische Delikatessen“ von anderen Komödien abhebt und den Film auch auszeichnet, ist dass er sich einem Tabubruch widmet, der in letzter Zeit (also nach Entstehen des Filmes) ausgiebig diskutiert wurde: Dem Kannibalismus.
Filme wie „Rohtenburg“, die sich einen realen Fall zum Vorbild nahmen, um daraus einen fragwürdigen Horrorfilm zu machen, sind allerdings meilenweit von „Dänische Delikatessen“ entfernt. Vielmehr ist der dänische Film von Regisseur Anders Thomas Jensen von tiefstem Herzen eine Komödie, die sich selbst nicht zu ernst nimmt und dem Zuschauer ein skurriles Ensemble von verrückten Charakteren vorführt, die trotz aller fragwürdigen Handlungen immer auf eine menschliche Art und Weise vorgestellt werden und eben keine Monstren sind, die ihr blutiges Unwesen auf der Leinwand treiben.
Die Geschichte um zwei Metzger, die durch einen unglücklichen Zufall einen Menschen im Kühlraum einschließen und damit töten, um diesen danach zu Wurst und Filet verarbeiten, ist von der Prämisse her schon bitterböse. Das Besondere an diesem Film ist eben die Inszenierung dieser Ereignisse, die ganz und gar nicht reißerisch oder effekthascherisch geschieht, sondern sich Zeit nimmt und vor allem den Darstellern ausreichend Platz zur Entfaltung lässt. Spätestens wenn Svend (Mads Mikkelsen) durch den Erfolg der speziellen Fleischwaren immer mehr den Bezug zur Realität verliert und nach und nach menschlichen Nachschub organisiert, kulminiert der Film eben nicht zum blutspritzenden Schlachtfest. Im Gegenteil, denn die makabren Einstellungen von abgetrennten Händen oder Menschenhälften an Haken werden ganz unaufgeregt nebenbei gezeigt. Horror ist eben nicht das Gefühl, dass „Dänische Delikatessen“ vermitteln will, sondern eher das Lachen, das manchmal im Hals stecken bleibt. Und dies gelingt dem Film sehr gut.
Dies liegt zum Einen an der schon beschriebenen ruhigen und dialoglastigen Inszenierung und zum Anderen an den herausragenden Darstellern, die allesamt Mut zur Häßlichkeit beweisen, optische wie seelische, manche sogar beide Arten gleichzeitig. Da wäre Mads Mikkelsen, der in die letztgenannte Kategorie fällt. Er spielt den cholerischen, andauernd schwitzenden und psychisch labilen Svend glaubwürdig, witzig und stellenweise bedrohlich. Seine Leistung ist sehr effektiv, weiß man doch als Betrachter nie, was er als nächstes tun wird... Wird er weinen, euphorisch sein, oder kaltblütig ein neues Opfer umbringen? Nikolaj Lie Kaas spielt seinen Partner Bjarne, der ebenfalls massive seelische Probleme hat, und von den Praktiken von Svend erst entsetzt ist, sich aber in den blutigen, wie gewinnbringenden Strudel mitziehen lässt. Trotz der Wortkargheit seiner Rolle, erschafft er eine dreidimensionale Figur, die mit den kurzen, wie lakonischen Sprüchen für einige Lacher sorgt, aber auf der anderen Seite auch sehr nachdenklich und psychisch gebrochen wirkt.
Überhaupt ist der Ton des Filmes passend mit dem Wort lakonisch zu beschreiben. Dieser bestimmte Ton macht das skandinavische Kino aus, das von Anders Thomas Jensen mitgeprägt wird. „Adams Äpfel“, den er nach „Dänische Delikatessen“ inszniert hat, atmet einen ähnlichen Geist, schafft es allerdings, die behäbige Inszenierung ein wenig abzulegen und eine höhere Gagdichte zu vermitteln, wenn man dieses böse Wort bei diesen Filmen überhaupt benutzen darf.
„Dänische Delikatessen“ ist böses Kino, im besten Sinne des Wortes. Der Film atmet ein wenig Hitchcockschen Geist, widmet er sich doch einem grausamen Horrorthema auf eine beinahe beiläufige und augenzwinkernde Art und Weise. So hätte der Stoff (freilich kürzer) auch einer Folge der Serie „Alfred Hitchcock präsentiert“ entspringen können. Wie auch in „Adams Äpfel“ vermischt Jensen diesen unvergleichlichen Humor mit tragischen Momenten, die den Zuschauer nachdenken lassen. Diese Mischung macht aus „Dänische Delikatessen“ etwas Besonderes. Anspruchsvoller als die meisten amerikanischen Komödien der letzten Jahre ist dieser Film allemal und somit mehr als einen Blick wert, auch wenn im direkten Vergleich „Adams Äpfel“ als Punktsieger hervorgeht. Nichtsdestotrotz ist „Dänische Delikatessen“ eine filmische Delikatesse, die frisch und saftig ist und auf jeden Fall Appetit auf mehr macht.
Fazit:
8 / 10