Skandinavien ist wohl bekannt für seine Darsteller-Exporte nach Hollywood, u.a. Stellan Skaarsgard und Peter Stormare. Aber auch MADS MIKKELSEN gehört dazu, der zuletzt als Bond-Bösewicht in *Casino Royale* zu sehen war, und spielt in diesem Film neben NIKOLAJ LIE KAAS (in einer Doppelrolle) die Hauptrolle.
Nun bin ich nicht vollständig im Bilde was das Kino aus dieser Nordregion Europas sonst noch zu bieten hat (die "Leningrad Cowboys" kenne ich aber schon), doch dieser Griff nach einer dänischen Produktion mit dem Titel *Dänische Delikatessen* (Regie: Anders Thomas Jensen) hat sich durchaus gelohnt, nachdem ich von dem hochgelobten *In China essen sie Hunde* (auch mit Nikolaj Lie Kaas; vom Regisseur Lasse Spang Olsen) nicht ganz so begeistert war (von der Produktions-Qualität her; die Story ist gut und der Film allemal einen Blick wert).
Der 2005 hertausgekommen Film "Adams Äpfel" mit dem gleichen Dreiergespann wie in diesem Film (Jensen/Mikkelsen+Kaas) ist mir noch unbekannt, steht aber auf meiner Liste.
(Mir fällt gerade auf, das die Dänen wohl gerne Nahrungsmittel verfilmen).
*Dänische Delikatessen* bezieht seine Qualität hauptsächlich aus den Körpersprachen der beiden Hauptdarsteller, deren Interktionen, Dialogen sowie trotz Synchronisation funktionierendem Wortwitz der trockendsten Art. Dabei ist aber alles sehr natürlich gehalten und nur ein wenig überspitzt dargestellt worden. Allein die Vorbereitungen zur Selbständigkeit und die Eröffnung des eigenen Ladens sind pointiert auf die typischen Ereignisse gerichtet worden, die ein jeder kennt, der selbst diesen Schritt gewagt hat. Ob nun Vistitenkarten mit goldener Schrift, die es zu verteilen gilt oder Servietten für die Häppchen, die nicht mit der "Farbskala" der sonstigen Deko wie Luftschlangen und -ballons harmonieren oder die egagierte Band, welche Rumtata-Musik vor dem Laden spielt - alles wurde ohne wesentliche Übertreibungen aus dem Leben gegriffen. Hört sich banal an, ist aber urkomisch anzusehen. MADS MIKKELSENs nervös-hysterische sowie die gegenteilig dazu ruhig-nüchterne Darbietung von NIKOLAJ LIE KAAS sind ein wahrer Augenschmauß.
Das Cover-Bild der DVDs ist vielleicht etwas irreführend; es kommt zwar im Film vor, aber recht dezent bzw. beiläufig.
Zusammengefaßt ergibt sich eine zynisch-zurückhaltende Comedy in einer von Anfang bis zum Ende schlüssigen und leicht verdaulichen Story, deren Drama- "Horror"- und Romanzenelemente auf humoristischer Ebene eingearbeitet wurden.
Der im Film aufkommende Faktor Kannibalismus schmilzt im Verlauf wie ein Stück Kräuterbutter auf einem saftig-heißen Hüftsteak dahin, welches nur dazu dient, das die Story ein wenig würziger wird, letzendlich aber als unverzehrte klare Soße auf dem Teller zurückbleibt und zum Ende hin gänzlich abgespült wird.
Für Vegetarierer: Der im Film zunächst eine vorrangige Rolle spielende Faktor Kannibalismus welkt im Verlauf dahin wie ein großes lilafarbenes Salatblatt (auf dem der Chef-Salat mit Käsestreifen angerichtet wurde), welches nur dazu dient, das die Story ein wenig besser aussieht, letzendlich aber unverzehrt (aufgrund des bitteren Geschmacks) auf dem Teller zurückbleibt und zum Ende hin gänzlich auf dem Kompost landet.
Für Veganer: ohne Käsestreifen.
Von der Art des Humors vergleichbar mit *Shaun of the Dead* oder *Hot Fuzz*; wobei der besprochene Film aber ein wenig besser, vielleicht auch "anspruchsvoller" ist, weil er sich nicht der krassen Effekten bedient, welche dieser Streifen thematisch hätte durchaus einsetzen können, aber wirklich nicht nötig hat.
Schulnote: 1+ (das + für die leckerste Marinade Dänemarks)