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Zwei Freunde, die als Gesellen bei einem Metzger arbeiten, wollen sich endlich selbstständig machen. Doch am Tag der Eröffnung ihres eigenen Fleischer-Ladens bleiben die Kunden aus. In ihrer Verzweiflung wissen die beiden etwas unorthodoxen Männer nicht, was sie tun sollen. Die Lösung kommt per Zufall: Als sie versehentlich einen Elektriker im Kühlraum einschließen und seine Leiche loswerden wollen, verarbeiten sie ihn kurzerhand zu Wurst. Die neue Delikatesse kommt in der Stadt super an - plötzlich rennen ihnen die Kunden den Laden ein. Das einzige Problem, das sich nun stellt: Sie brauchen Nachschub!

Skandinavien hat sich schon vor vielen Jahren als Lieferant bitterböser schwarzer Komödien etabliert. Ob "In China essen sie Hunde" oder "Adams Äpfel" - die Grenzen von Moral und gutem Geschmack werden hier regelmäßig ebenso genüsslich wie witzig überschritten. Auch die Tragikomödie "Dänische Delikatessen" wandelt auf den Spuren solcher Erfolgsfilme und unterhält mit rabenschwarzem Humor und kluger Story.

Besonders erfreulich ist angesichts der ekligen Geschichte die visuelle Zurückhaltung des Regisseurs. Mit völligem Verzicht auf blutige Exzesse oder detaillierte Ekelszenen erzählt er die Story der nicht immer zurechnungsfähigen Fleischer, die anfangs tatsächlich versehentlich Menschenfleisch verarbeiten. So liegt hier einmal eine Hand auf dem Hackbrett und hängt dort einmal eine Menschen- statt einer Kuhhälfte am Haken - abgesehen von solchen kurzen Bildern findet die Gewalt aber ausschließlich in den Köpfen der Zuschauer statt. Wenn man bedenkt, dass die Story schon so ziemlich harter Stoff ist, verleiht diese inszenatorische Gelassenheit dem Film sehr viel Niveau und Glaubwürdigkeit.

Hinzu kommt nämlich, dass trotz der bitterbösen Gags und skurrilen Dialoge (so philosophiert ein Fleischer gleich am Anfang über die Faszination, ein Tier zu töten und ihm sein Fleisch in den eigenen Darm zu schieben) hier keineswegs auf eine tiefgründige Figurencharakterisierung verzichtet wird. Oft wie nebenbei werden die tragischen Schicksale der Handelnden angedeutet und Erklärungsmöglichkeiten geliefert, warum sie schließlich das tun, was sie tun. Hinter den Akteuren stecken keine Stereotypen, sondern komplexe Charaktere mit teils schweren Geschichten. Das verleiht nicht nur dem Film eine deutliche Substanz, sondern auch den Figuren Tiefgründigkeit und Traurigkeit, die selbst durch die vielen Gags nie ganz weggewischt werden kann. So erinnert "Dänische Delikatessen" an die Tristesse der Filme von Aki Kaurismäki, ohne freilich jemals dessen Klasse zu erreichen.

Dazu fehlt dem Film dann nämlich doch ein wenig die innere Stringenz und stilistische Originalität. Trotzdem ist es spannend zu beobachten, wie anhand dieser tiefschwarzen Story verschiedene Themengebiete wie der Umgang mit Behinderten und die Bewältigung seelischer Traumata angerissen werden. Und Freunde des schwarzen Humors kommen hier sowieso auf ihre Kosten - dafür sorgt schon allein Mads Mikkelsen als emotional gestörter Fleischer, der für den Nachschub der Fleischvorräte sorgt. Neben den grotesken Situationen kommt auch die tiefgründige Situierung der Figuren nicht zu kurz. Ein kluger Filmspaß für alle, die es aushalten.

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