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Wie lange haben wir Freunde des makaberen Humors auf so einen Film gewartet? Einen Film, der nur so strotz von makaberen, ja gerade zu perversem Humor, sich dabei aber nie im Ekel verliert und zudem eine großartige Geschichte und sympathische Charaktere zu bieten hat. Nicht viele Streifen können das von sich behaupten. Aber "Dänische Delikatessen", der neuste Genie-Streich vom skandinavischen Drehbuch-As (und hier auch gleich noch Regisseur) Anders Thomas Jensen, ist so eine Seltenheit!

"Dänische Delikatessen" strotz nur so von Genialität in jeder Szene und ist ein absolutes Festessen für Freunde (tief-)schwarzem Humor. Das geht schon bei der Story los, die sauber ausgedacht, fein konstruiert und wirklich in jedem Punkt gekonnt geschrieben und mit der nötigen Raffinesse garniert wurde. Vor allem was die Figurenzeichnung angeht, hat man sich extrem viel Mühe gegeben.

Selten gab es in einer schwarzen Komödie solch sympathische Bösewichter wie hier. Bjarne und Svend sind Menschen wie du und ich bzw. wie der nette Angestellte von der Fleischerei nebenan. Sie haben die normalen Probleme, nur das sie eben an diese Probleme anders rangehen, als die Meisten. Dabei werden die Charaktere im Laufe der Filmzeit ordentlich und ausreichend vorgestellt, es wird ihnen die nötige Tiefe gegeben, so das man fast mit ihnen mitfühlen kann, ja ihr Treiben regelrecht versteht, obwohl man es natürlich im wahren Leben nie gutheißen könnte. Mit diesen zwei Typen hat man wirklich alles richtig gemacht.

Aber nicht nur diese beiden Charaktere haben es in sich auch die Nebenfiguren wurden optimal ausgedacht und passen wirklich brillant ins Gesamtbild. Da gibt es den bösen Ex-Chef, der natürlich genauso aussieht und agiert wie man es sich von einen harten Fleischer vorstellt. Dann die liebevolle Astrid, in die sich Bjarne irgendwie verguckt hat. Und Egil, Bjarnes geistig zurück gebliebener Bruder, der für die Dramatik des Films zuständig ist. (Aber dazu später mehr)

Kommen wir nun zu den Gags des Films, die natürlich, wie schon erwähnt, wirklich unglaublich makaber und deftig ausgefallen sind. Hier stellt Jensen sein Publikum wirklich auf eine harte Probe. Zimperlichkeiten und Verharmlosungen gibt es hier keine, es wird wirklich ein Bad-Joke nach dem anderen vorgeführt. Und man lacht, man lacht wirklich. Denn wenn man auf schwarzen Humor steht, wird man hier wirklich bestens bedient. Blindgänger kann man an einer Hand abzählen, nahezu jeder Witz ist ein absoluter Volltreffer.

Das liegt aber vor allem auch daran, das Jensen seinem Publikum hier keine Ekelhaftigkeiten vor Augen führt, sondern den Witz eigentlich ausschließlich in die Dialoge legt. Man sieht weder Szenen in denen die Beiden irgendwelche Leute vierteilen, noch größere Blutmengen oder Ähnliches. Zwar fliegen schon mal ein paar abgetrennte Gliedmaßen durch die Luft, mal wird schon ein Leichenteil in die Knochenmaschine gesteckt und auch im Kühlraum hängt das ein oder andere Körperteil herum. Aber der größte Teil der Witze liegt wirklich in Dialogen wie z. Bsp. "Wo ist sein Bein?" - "Daraus habe ich 12 Filettees hergestellt und habe sie in Marinade gebadet" oder "Was ist das da, in der schwarzen Tüte? - "Das ist ein kleiner Schwede. Den habe ich im Park gefunden" oder "Das Fleisch im Kühlraum ist in bester Ordnung! Nur ein paar Joints liegen auf dem Boden herum, aber das ist ja überall so"!
Absolut zum Brüllen, vorausgesetzt natürlich, man kann über so etwas Böses lachen!

Das der Film sich aber nicht an seinen schwarzen Witzen totlatscht, dafür sorgt Jensen mit seiner Nebenstory, die ungefähr nach der Hälfte des Films eintritt und vor allem die menschliche Seite der Figuren zeigt. Die Geschichte von Bjarnes geistig zurück gebliebenen Zwillingsbruder Egil wurde optimal und glaubwürdig eingefügt und passt besser zur gesamten Sache, als man es sich auf den ersten Blick vorstellen könnte. Zudem wird er von seinem Darsteller (ebenfalls Nikolaj Lie Kaas) absolut glaubwürdig und überzeugend (wirklich niemals albern oder überzogen) dargestellt, so dass man diese Figur sehr schnell lieb gewinnen kann. Zwar wird Egil auch für ein paar Witze benutzt, aber man macht sich niemals über ihn lustig oder stellt ihn falsch da. Und so muss es schließlich auch sein, damit alles passt.

Zu den Darstellern sei ebenfalls gesagt dass man sich hier wirklich alle Mühe gegeben hat und sich bei den Besten der Besten (Dänen) bedient hat. Nikolaj Lie Kaas spielt seine Doppel-Rolle, wie schon erwähnt, absolut klasse und kann wirklich vollauf überzeugen. Genauso wie Mads Mikkelsen als ewig schwitzender Kumpel Swend, der aber auch schon durch sein schräges Aussehen für heftiger Lacher sorgen kann. Aber auch alle Nebendarsteller sind optimal besetzt.

Fazit: Tiefschwarze, unheimlich makabere aber dennoch zum Brüllen komische Fleischer-Komödie, nach der man sich garantiert zwei Mal überlegt, was man sich beim Fleischer das nächste Mal bestellt. Brillante, wenn auch bitterböse, Gags, dazu sympathische Figuren und eine großartige Story geben dem Film mindestens genauso viel Würze wie die hier servierten "Delikatessen"! Ein absoluter Geniestreich aus Dänemark und definitiv eine (wenn nicht sogar DIE) der besten Komödien des Jahres.

Aber nur mit nüchternen Magen genießen!;)

Wertung: 9/10

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