Dieser Film besticht vor allem durch eine unaufgeragte Erzählweise, einen sehr ökonomischen Umgang mit Dialogen und schönen Bildern. Die philosophische Tiefe, die andere Kommentatoren in "Frühling, Sommer, Herbst, Winter und ... Frühling" anscheinend gefunden haben, ist mir aber irgendwie verborgen geblieben.
Ein kleiner Junge wird von einem älteren Mann in einem auf einem Bergsee schwimmenden Tempel erzogen und ausgebildet. Nachdem der Junge sich als Teenager in eine junge Frau verliebt hat, die zum Tempel kam, um geheilt zu werden, entscheidet er sich jedoch, den idyllischen Ort zu verlassen...
Der Clou der Geschichte wird einem relativ schnell klar: Die Jahreszeiten des Titels sind als Abschnitte eines Menschenlebens gedacht und beschreiben gleichzeitig einen Kreislauf. Dass der junge Protagonist am Ende also doch noch in die Rolle des ausbildenden Priesters schlüpft (und ihm auch wieder ein Kind anvertraut wird), konnte mich jetzt nicht besonders überraschen. Dazwischen gibt der Film durch sein gemächliches Erzähltempo viel Zeit zum Nachdenken, schade nur, dass es nur so wenig Anlass zum Nachdenken gibt, bzw. man dabei nur darauf kommt, was für fragwürdige Aussagen dieser Film anscheinend transportieren will.
Der Alte, der als weise und mit übersinnlichen Kräften ausgestattet dargestellt wird, hat auf die Gewalttaten des Sprösslings keine andere Antwort, als selber Gewalt auszuüben: Als der kleine Junge Tiere quält, quält ihn der Alte, und wenn er als erwachsener Mann Selbstmord begehen will, schlägt ihn der Alte mit einen Rohrstock bewusstlos. Doch anscheinend will der Film uns das als sinnvolle Methoden darstellen, denn warum sonst wird dieser fragwürdigen Mentor-Figur von der Story recht gegeben, wenn er die (blödsinnige) Aussage trifft, dass Liebe zwangsläufig zu Mord führt? Die weltliche Zivilisation kommt nur als Ort vor, an dem man Menschen ermordet, die religiöse Versenkung führt, trotz der eigentlichen Gewaltlosigkeit des Buddhismus, nur dazu, dass man das einem anvertraute Kind misshandelt, das wiederum (auch in der am Ende des Filmes gezeigten nächsten Generation) Tiere quält. Vielleicht ist die Aussage des Filmes ja einfach "Der Mensch ist schlecht, egal ob zu zweit auf einem schwimmenden Tempel oder draußen in der weiten Welt". Besonders tiefsinnig ist das dann aber irgendwie auch nicht.
Auch wenn es so klingen mag, der Film ist deswegen natürlich nicht schlecht, aber eben nur, wenn man eben NICHT anfängt über die gezeigten Dinge nachzudenken, sondern einfach die ruhige, melancholische und schön eingefangene Erzählung genießt und einfach so hinnimmt. Herausragendes Kino mit philosophischer Tiefe habe ich hier aber wie gesagt nicht gefunden.
6/10