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In Konkurrenz zu Joseph Lais IFD und deren Ninjafilme und sowieso von 1996 bis 1988 so richtig in der Masse produziert, galt Filmark und deren Werke aufgrund gerade der westlichen Beteiligung und der Gestaltung der neugedrehten Szenen immer als etwas weniger im Bewusstsein stehend und als geringer in der Popularität. Über tatsächlich bekannte Namen wie Richard Harrison oder Mike Abbott konnte man nicht verfügen und die unfreiwillige Mittäterschaft durch asiatische Darsteller und deren Originalarbeiten hatten für den gemeinen Videothekengänger sowieso keinen Anreiz und somit auch keinen Wert. Dabei ist gerade auch hier zu bemerken, dass man in Sachen Vervielfältigung von bereits bekannten Material mit neuem Dreh und Veränderung durch Ton und Schnitt man in keinster Weise dem Aushängeschild aus Lai und seinem Ausführungsorgan Godfrey Ho und auch in der Bemühung um doch noch eine gewisse Selbständigkeit und Kreativität in nichts nachsteht:

Die amerikanische Regierung und ihr Geheimdienst will den Schmuggler Morris dingfest machen, wofür sie den Condor-Plan und damit auch den geschassten, da sich früher ebenfalls dem Schmuggel hingebenden und Morris deswegen perfekt kennenden Soldaten Ford [ Jonathan Isgar ] aus einem Strafgefangenenlager heraus aktivieren. Ford soll sich in HK mit der Agentin Christine a.k.a. "Yellow Bird" [ unbrauchbar: Christine Redmen ] treffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Währenddessen bricht in der Stadt ein Gangsterkrieg um die Herrschaft dreier früher miteinander tätiger, nunmehr aber gegeneinander arbeitender Unterweltführer aus, allen voran zwischen Max Wong [ Wong San ] und Mr. Chan [ Gam Biu ], die sich gegenseitig die Geschäfte abluchsen, während der Dritte im Bunde, Mr. Kwan [ Kwan Hoi-san ] sich gerne aus der Angelegenheit heraushalten würde, aber um Partei gebeten wird. Auch die Zöglinge werden unweigerlich in die Angelegenheit hineingezogen, allen voran Wongs rechte Hand Alan Long [ Wa Lun ], der zusätzlich problematisch mit Kwans Tochter Jane [ Deanie Yip ] und dies sehr zum Ärger von ihrem Bruder Albert [ Sek Sau ] verbandelt ist. Mit hineingezogen werden dadurch auch Alans bester Freund Baldy [ Addy Sung ], der sich mit seinem Tagelöhnerleben auf der Straße so schon mühsam durch das Dasein quält, als auch sein Jugendfreund Burt [ Johnny Wang Lung-wei ], der als professioneller Killer ausgerechnet auf seinen Kumpel angesetzt ist. Polizist Joe [ Kent Cheng ] steht dem folgenden Massaker allein und ohne großen Nutzen gegenüber.

Interessanterweise ist bereits zu damaliger Zeit das Augenmerk und entsprechend auch der Verweis in den Titeln her nicht unbedingt mehr auf das Subart des Ninjafilmes, sondern schon offener auf Modern Day Action und fast schon auf den Bereich des Heroic Bloodshed, in  unverdächtig klingenden Beispielen wie Fatal Command (1986), Crime Target (1987), Battle for the Treasure (1988), Act of Gangs (1988), Project G-7 (1988) usw. gelegt.  Ninja, Phantom Heros U.S.A. selber verzichtet auf den massenwirksamen Zusatz zwar noch nicht, gestaltet sich aber hauptsächlich ebenfalls als Gangsterdrama und macht auch in den im Rahmen neu eingefügten Szenen eher den Eindruck zwischen einem verspäteten Kleinkriegsfilm, der man aber nur in Rückblenden und Erzählungen und so in Andeutungen ist, und einer Schmuggel- und Spionagegeschichte; in der es um Waffenkäufe und somit 'reale" Dinge und nicht um Goldene Statuen oder geheime Handbücher zum Erlangen der Unsterblichkeit etc. geht.

Zwar muss man auch hier die Komik in seiner unfreiwilligen Ergiebigkeit nicht suchen, sind allein schon Jonathan Isgar und sein blondgestärkter Antagonist in ihrer hölzernen Darbietung und dem Gefuchtel mit Armen und Händen sowie dem Antäuschen von Backpfeifen des Humors Gold Wert. Sind dergleichen Szenen aber auf ein Nötiges begrenzt und einfach ein wenig unsinnig bis schwachsinnig gehalten statt purer Schenkelklopfer oder um surrealen Wahnsinn unbegrenzt. So richtig ergiebig ist die neue Fassung sowieso nicht, auch wenn zu Beginn der Eindruck nach einer Eröffnungsszene im Strafgefangenenlager und einem daneben befindlichen Steinbruch als Arbeitsstätte der Inhaftierten sowie eine versprochene, nicht erfüllte Reminiszenz an den Vietnamkrieg und zwei Vaterlandsverräter im Angesicht des illegalen Reichtums täuscht. Dafür und auch dankbar deswegen bewegt man sich allerdings tatsächlich in HK in der Stadt, am Hafen entlang, über die Unterführung, in den Straßenverkehr hinein und hat zusätzlich zu der Lokalität mit den Darstellern Ho Pak-kwong und Chiang Tao gar noch zwei geläufige Schauspieler für die Beimengung von außerhalb engagiert; wobei auch der Showdown mit dem Einbringen eines u.a. Regenschirms und einer Fliegenden Guillotine als Mordwerkzeug noch als kleinerer Pluspunkt zählt.

Ein wenig Mühe auch gab man sich bei der Auswahl der Quelle und der Verbindung von Alt und Neu, wobei das Konstrukt letztlich natürlich dennoch durch seine offensichtlichen Unterschiede alle paar Minuten auffällt, hier wirklich zwei Filme zum Preis von einem, dieser Faktor aber nicht störend und nicht gleich sprunghaft und alldieweil zerstückelt im Sinne ist. Bei dem hier verwendeten Struggle for Leader (1983) handelt es sich dem Vernehmen gar um ein echtes Schmankerl, das die späteren filmischen Rangeleien und Klüngeleien um die Machtherrschaft in der Unterwelt und andere Burning Ambition - Geschichten gar um paar Jahre vorweg nimmt und sich auch noch zugehörig zu der (da schon ausdriftenden) New Wave Bewegung des Hong Kong Cinema und seiner kinematographischen Referenz zählt. Struggle... ist heutzutage im Rohzustand nicht mehr erhältlich und so unbesehen, was den Gesamteindruck in dieser Fassung und Kürzung und Neusynchronisation natürlich nicht unvermindert zulässt, aber auch nicht im Wesentlichen schmälert, wenn man denn schon ohne Alternative ist.

Denn inszenatorisch her ist das Gesehene zwar grob gehalten, mit einfachen Einstellungen und hemdsärmligen Montagen versehen, die Antizipation von noch Kommenden wie A better Tomorrow, dem Rich & Famous/Tragic Hero Zweiteiler und Co. und auch die Anklänge an die rauen, aufgeklärten, sich aus der Fülle des Lebens und dem Kampf der Existenzen schöpfenden Erzählungen der New Wave Bewegung sind erkennbar und nicht weit vom Dreck und Staub der Strasse und der Dunkelheit der Gefühle weg. Es gibt bereits ein Hochzeitsmassaker zu besichtigen, eine furiose Motorradattacke auf einen flüchtenden Autofahrer, einen stilechten Schwertkampf und die Schuss- und Hieb- und Stichwaffen werden auch gezückt. Gedreht vom damals aufstrebenden Regisseur Lee Chiu, der sich erst mit einem halben Dutzend Kung Fu Filmen wie z.b. den namhaften Ways of Kung Fu (1978), Cantonen Iron Kung Fu (1979) oder Two on the Road (1980) nach oben gearbeitet und kurz hierauf ausgerechnet als Zubringer zu IFD verlaufen und davon so richtig nicht mehr erholt hat.

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