„Absurd“ ist einer dieser sagenumwobenen §131er der Video-Ära. In Deutschland in allen möglichen Fassungen beschlagnahmt und vielleicht deswegen im Rufe, ein Klassiker des Gore-Kinos zu sein. Zu recht?
Nach heutigen Standards beurteilt ist der Film vor allem eins: Langweilig. Die Story ist einfach viel zu dämlich, hat bei weitem zu viele Lücken und ist bis ins letzte vorhersehbar.
Gut, aber das trifft auf viele (Horror-)Filme zu. Die haben aber oft noch ein Ass im Ärmel, unseren Freund, den Gore-Effekt. Wie sieht es also aus mit den Gore-Effekten und dem Bodycount ?
Leider auch nicht viel besser.
Natürlich können die Effekte bei einem so alten Film jetzt nicht mehr überzeugen, allerdings ist bspw. „Cannibal Holocaust“ sogar noch älter und kann immer noch schocken.
Direkt der erste Mord an der Krankenschwester ist bemerkenswert schlecht inszeniert. Eine kleine Bohrmaschine verrichtet ihr Werk unter dem Ohr der Schwester. In den Nahaufnahmen ist der Bohrer fast bis zum Anschlag im Kopf, bei Gegenschnitten auf die Totale sieht man ganz deutlich, dass sich der Bohrer nicht bewegt und vielleicht gerade mal im Zielgebiet aufsetzt, also meilenweit davon entfernt ist, in den Kopf einzudringen. Wir sehen in Nahaufnahme nicht nur das Eindringen sondern auch, wie der Bohrer auf der anderen Seite des Kopfs wieder austritt. Bemerkenswerter Weise fließt beim Austritt absolut kein Blut. Der Effekt muss damals schon billig gewirkt haben.
Mord Nummer zwei ist schon etwas besser (Elektrosäge), wobei die Abschlußeinstellung eigentlich alles wieder zerstört.
Einzig die Maske mit den Verbrennungen bei der Frau am Schluss ist auch heute noch „wirksam“. Schade nur, dass auch dieser gute Eindruck schnell wieder getrübt wird. Nämlich dann, als der Dame eine Schere in den Hals gestoßen wird und ein kleiner Taschenspielertrick zur Anwendung kommt: Es ist mehr als deutlich zu erkennen, dass die Schere am Hals vorbei geschoben wird. Da wäre sicher auch 1981 mehr drin gewesen.
Dieses Review soll jetzt nicht den falschen Eindruck erwecken, Gore-Effekte seien der einzige Qualitätsmaßstab für einen Spielfilm. Hier liegt der Fall aber etwas anders, denn „Absurd“ ist
1. ein böser §131er
2. ein Film von Joe d’Amato
3. der (inoffizielle) Nachfolger von Man-Eater
Mit diesen drei Punkten verbindet der geneigte Horror-Fan gewisse Erwartungen, die „Absurd“ aufgrund seines Alters heute einfach nicht mehr erfüllen kann.
Rein handwerklich kann man dem Film an sich nichts vorwerfen, Joe d’Amato zeigt deutlich, dass er ein Profi ist. Aber es gibt eben Dinge, die den Zuschauer heute einfach nur noch schrecklich nerven: Die stereotypen Polizisten, die vielen, vielen langatmigen Szenen (die einfach nur Füllmasse sind, um den Film auf die Standard-Spielzeit zu strecken), riesengroße Logiklöcher im Drehbuch und heute einfach nicht mehr schockende Spezialeffekte.
Seine Beschlagnahmung kann der Film auch nur dadurch rechtfertigen, dass die Morde sinnlos aneinander gereiht sind und absolut selbstzweckhaft daher kommen. Das auch heute noch aktuelle Verbot ist also wohl eher auf die gewaltverherrlichende Tendenz als auf die Gore-Effekte zurück zu führen.
Fazit:
„Absurd“ kann heute eigentlich niemanden mehr so richtig begeistern, da der Film damals nur durch seine herausragenden Gore-Effekte für Aufsehen sorgte und ganz klar auf diese ausgerichtet ist. Da die Effekte nun nicht mehr funktionieren, sieht man einen doch sehr langweiligen, handwerklich dennoch gut gemachten „Klassiker“.
Hierdurch wird ein weiteres Problem offensichtlich. Gerade weil der Film prinzipiell tadellos inszeniert ist, bietet er dem Zuschauer noch nicht mal die berühmte unfreiwillige Komik, der es zu verdanken ist, dass man einige ältere Horror-Filme, welche auch nur auf Gore-Effekte ausgelegt waren, auch jetzt noch mit einem gewissen Unterhaltungswert sehen kann.
Wie so oft kommt man zu dem Schluss: Wäre der Film kein §131er, niemand würde mehr davon sprechen. Aber durch diese Mystifizierung, die jeder verbotene Film definitionsgemäß erfährt, ist er noch nicht untergegangen, wie zahllose andere Slasher der frühen 80er Jahre.
Aber es ist nur zu deutlich, sein Stern sinkt.
3/10