kurz angerissen*
Das höhlenmenschartige Make-Up aus „Anthropophagous“ mag verschwunden sein, doch der paralysierte Blick in den zornig-leeren Augen George Eastmans ist immer noch der gleiche. Man möchte gerne glauben, dass tief in der Motorik des bärtigen Unzerstörbaren die Gene des „Man-Eaters“ verborgen sind und seine Bewegungen koordinieren, erst recht, wenn er sich an den Spitzen eines Zauns ungeschickterweise die Bauchdecke aufreißt und erneut mit seinen eigenen Gedärmen konfrontiert wird. Wenn in der späteren Einordnung des Films Parallelen zum Maskenmann Michael Myers aus „Halloween“ gezogen wurden, dann liegt das vor allem daran, dass die zombiehafte, zur einer Artikulation jenseits stöhnender Laute nicht fähige Kreatur ihre Opfer mit einer vergleichbaren Hartnäckigkeit verfolgt und dabei allerhand Verletzungen einsteckt, ohne dass sie ihn nennenswert von seinem primitiven Ziel abbringen würden.
Joe D'Amatos Quasi-Sequel zu seinem Vorgängerfilm wird so zum Stalker-Movie mit gemütlichem Nordic-Walking-Tempo. Im günstigsten Fall erfreut man sich dabei an nächtlichen Impressionen einer kleinen Ortschaft nördlich von Rom, im ungünstigsten Fall nimmt „Absurd“ aber leider auch in Sachen Spannung und Aufregung deren Eigenschaften an. Es gibt wenig Attraktives an Setpieces wie Waldstraßen oder einem Kaff mit hochgeklappten Bürgersteigen, wo man allenfalls mal einen Alkoholiker mit seiner Flasche die Kreuzung überqueren sieht. Gerade die erste Hälfte wird so aufgrund ausbleibender Schauwerte zu einem wahren Geduldsspiel. Die zweite Hälfte könnte man dank der anschwellenden Dramaturgie zwar als die spannendere bezeichnen, die letzten Minuten sogar als brauchbaren Suspense (wegen des strategisch eingesetzten Handicap-Final-Girls mitsamt Kind in Not), doch zu diesem Zeitpunkt haben die absolut regelmäßig, fast schon rhythmisch eingesetzten Gore-Effekte einem das Hirn schon völlig bräsig gemacht. Eine Szene rund um einen Backofen sticht zwar mit ihrem zur Schau gestellten Sadismus heraus, ansonsten dominiert aber das typische Posieren für die Kamera in Ekelsituationen, wenn Eastman beispielsweise gefühlte Minuten mit angewinkeltem Arm den rotierenden Bohrer hält, bevor er sich einen Ruck gibt und das Leiden seines Opfers endlich beendet. Hauptsache, die Bauern haben es schön lange spritzen sehen.
Wenn man das italienische Schmuddelkino nicht gerade aus Prinzip vergöttert, wird man wohl trotz des versöhnlichen Finishs kaum mit Partylaune aus diesen 90 Minuten hervorgehen. Wenn Eastman seinen Foltereien so pünktlich nachgeht wie ein Fahrplan die Busse ankündigt, bleibt irgendwo der Spaß auf der Strecke.
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