Review

Die folgende Kritik beinhaltet SPOILER!

Rosso Sangue (= italienischer Originaltitel) beginnt so, wie Antropophagus endete, mit George Eastman, dem die Eingeweide aus dem Bauch quellen. Eine Fortsetzung ist es mitnichten. "Big" George heißt hier nicht Nikos oder Klaus (je nach Sprachfassung), sondern Mikos. Darüber hinaus hat der Man-Eater herzhaft an der Frucht seines Leibes genascht & das überlebt niemand, nicht mal er. Mikos indes ist kein Kannibale & widersteht der Versuchung reinzubeißen, weshalb er an der bösen Verletzung auch nicht krepiert. Außerdem ist er mit einer so unglaublichen Regenerationsfähigkeit gesegnet, dass er Minuten nach der Operation bereits wieder auf den Beinen ist. Das ist gut. Für ihn. Für andere ist es weniger gut, denn wie schon in Antropophagus ist Eastmans Figur erneut ein wahnsinniger Killer.

Rosso Sangue ist ein recht geradliniger Slasher, mit einem nahezu unkaputtbaren Mörder, der sich auf kreative (& besonders grausame Weise) durch die Cast metzelt. Geschrieben von Eastman & abgelichtet sowie inszeniert von Joe D'Amato steht der Streifen damit in der Tradition der Blutbäder, die Jason Voorhees, Michael Myers & Co veranstaltet haben. Mit dem Unterschied, dass sich dieses Ungetüm bei seinen Morden (meist) Zeit lässt. Viel Zeit. Egal ob er mit einem handlichen Bohrer oder mit einer auf einem Tisch installierten Bandsäge hantiert oder ob er den Kopf der armen Emily (die nach ihrem brünetten Auftritt in La casa sperduta nel parco jetzt erblondete Annie Belle) in einem Herd röstet, die Murder-Set-Pieces sind elendig lange ausgewalzt & sorgen beim bloßen Zuschauen schon für Phantomschmerzen.

Sergeant Engleman (Charles Borromel) & ein griechischer Pfaffe (Edmund Purdom) sind dem Irren auf den Fersen, Cindy Leadbetter bekommt als Kindermädchen Peggy Kopfschmerzen, Michele Soavi kurvt mit seinem Bike herum & die Familie Bennett (Ian Danby, Hanja Kochansky sowie Katya & Kasimir Berger) hat das Pech, dort zu wohnen, wo Mikos vorbeischaut. Bevor es die von Katya Berger gespielte Katia mit der Bestie aufnehmen kann, muss sie erst ihr Gebrechen überwinden, ist sie doch aufgrund einer Wirbelsäulenverletzung mit einer Nackenstütze ans Bett gefesselt. Als Waffen wählt sie einen Zirkel & eine Streitaxt. Eine gute Wahl. Ihr Bruder Willy ist, sorry, ich kann es nicht anders sagen, ein kleiner Scheißer, der nervt, dass er in Sphären vordringt, die eigentlich Giovanni Frezza vorbehalten sind.

Trotz einiger Längen (der Besuch von Papa & Mama Bennett bei Freunden etwa ist nicht wirklich aufregend) schafft es D'Amato überwiegend, die Spannung am Köcheln zu halten. Das ist insofern überraschend, da der Regisseur nicht gerade für Suspense bekannt ist (überraschend ist außerdem, dass er auf Sexploitation-Elemente konsequent verzichtet). Und sobald Mikos im Haus ist, köchelt die Spannung nicht mehr, dann kocht sie fast über, auch dank Carlo Maria Cordios tollen Score, der phasenweise richtig Gas gibt & bei mir für heftiges Nervenzerren sorgte. Da könnten sich viele andere Slasher eine Scheibe von abschneiden. Rosso Sangue gipfelt dann in ein starkes Finale mit einem genialen Schlussbild, bei dem mir glatt die Gänsehaut aufgezogen ist. Ein richtig garstiges, aber auch ein richtig gutes Teil.

7,5/10

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