Acht Beine und ein Sonnenbrand
Creature Features mit Haien, Krokodilen, Affen oder neuerdings gar Nilpferden sind aktuell immer eine leichte Übung und Beute für jeden halbwegs routinierten Genreregisseur. Schöne Menschen, exotische Locations, etwas Ekel, kurze Runtime, zugänglicher Zunder, etwas Splatter - einfach gemacht, einfacher Geld gemacht. Das kaufen die Streamer und (leider?) scheinbar auch zahlenden Kunden gerne. Beliebige Horrorsnacks für zwischendurch sozusagen, obwohl's da natürlich auch deutliche qualitative Unterscheide und Klassen gibt. Ein "Vermines" ist kein "Killer Whale", ein "Crawl" ist kein "Thrash". Und umgekehrt. Ihr wisst was ich meine. Nun nimmt sich der britische Genreroutinier Christoper Smith ("Creep", "Severance", "Triangle"), dessen Glanzzeiten nun aber auch schon deutlich zurückliegen, den immer ordentlich laufenden Spinnenhorror zur Brust, wenn er die kleinen Ekeltalente auf einer sonnigen Urlaubsinsel gegen oberflächliche Opfer, Influencer und Touris Amok laufen lässt...
Briten reservieren sich ihre Sonnenliegen mit... Gift und Blut!
Pechschwarzer Humor und ein gehöriges Splatterhändchen, das hat Christopher Smith durchaus, das traue ich ihm zu. Auch heute noch. Und das greift natürlich auch grundsätzlich bei dem eigentlich völlig unauffälligen "Spider Island". Nicht zu trashig, nicht zu ernst genommen, nicht zu saftig, nicht zu eklig. Von allem etwas. Aber absolut nichts mit genug Knallgas. Leider. Hier haben die Briten hundertprozentig ein paar halbwegs erfolgreiche Spinnenhorrorfilmchen vom europäischen Festland in den letzten Jahren gesehen und sich gesagt: "Das können wir auch!". Allerdings setzt man sich mit "Spider Island" leider nie auch nur ansatzweise vor die Konkurrenz. Man schwimmt mit, man macht das Nötigste, man spielt nach den Regeln, man tritt kaum über Linien des Anstands, des Mainstreams oder des guten/schlechten Geschmacks. Ein moderner "Arachnophobia" geht anders. Ganz, ganz anders. Da hatte ich von Smith im Grunde auch 2026 noch deutlich mehr erwartet... vor allem auch in Sachen kreativer Kills, fieser Spinnenangriffe und verschiedener Arten von Gespinne. "Spider Island" ist leider erschreckend generisch und uninspiriert.
Viel Blende, schnelles Ende
Fazit: Technisch solider Spinnenhorror. Inhaltlich und wenn's an's Eingemachte geht allerdings viel zu schüchtern, zögerlich und zahm. Christopher Smith muss wissen, dass das nicht reicht. Zumindest nicht den hardcore Horrorheads. Qualitätsfilmgift.