Julien Dandieu (Alain Delon) ist ein erfolgreicher sozialistischer Politiker, eher zum rechten Flügel seiner Partei gehörig. Er bekommt das Angebot, in die bestehende konservative Partei als neuer Sozialminister einzusteigen. Teile seiner Partei begrüßen dies, andere lehnen dies als Ausverkauf ab. In dieser Situation stellt sich die Frage nach seinem Privatleben, seiner Glaubwürdigkeit: Dandieu hat einen Sohn und ist verheiratet, doch unglücklich und seine Frau ist in einer Klinik nach einem Kollaps und er besucht sie kaum. Denn er hat noch ganz andere Sorgen, nämlich seine Geliebte mit dem bezeichnenden Namen Creezy (Sydne Rome), die er liebt, aber die auch mehr Ansprüche an ihn stellt, als er glaubt erfüllen zu können. Sie ist erfolgreiches Model, anspruchsvoll, launisch und fragil...
Pierre Granier-Deferre verfilmte 1974 den Roman "Creezy" starbesetzt und stilsicher. Neben Delon und Sydne Rome noch z.B.mit Claude Rich und Jeanne Moreau als Strippenzieherin im Hintergrund. Insgesamt ist sein Film interessant und durchaus ansprechend, aber ein wirklicher Gewinn für mich war er nicht. Warum? Es lag v.a. an den beiden Hauptfiguren: Delons Charakter ist ein ambitionierter, durchsetzungsfreudiger Machtmensch, über dessen Hintergrund man zwar etwas erfährt, aber warum er seine Frau so mit Missachtung straft, wird nie klar. Auch seine Teenagersohn wirkt eher wie einlästiger Ballast, der ihn kaum zu fassen bekommt.
So bleibt v.a. sein Opportnismus und seine halbkonsequente Besessenheit mit seiner süßen Geliebten. Diese wiederum entlarvt ihn mitunter eher zufällig als desinteressierten Machtmenschen, kann sich von ihm aber nie ganz lösen... ebensowenig wie er. Bisweilen scheint er sie als Trophäe zu sehen, dann liebt er sie, ist aber oft auch genervt von ihren Forderungen, so nach mehr gemeinsamer Zeit. Creezy mag dann als nachvollziehbar erscheinen, andererseits nervt ihre Devotheit und gleichzeitige Maßlosigkeit. Was ihn an ihr reizt, kann man nur vermuten... vermutlich ihre Optik und weil sie wohl so anders, so spontan ist, anders als sein durchgetaktetes Leben als Politiker.
Die Chemie zwischen Delon und Sydne Rome ist leider relativ gering und es bleibt immer die Frage, was beide aneinander finden.
Immerhin ist "Jet Set" ganz interessant mit Rückblenden und Zeitsprüngen inszeniert, aber mitunter wirkt es eher wie eine Spielerei, die wenig von der angeblichen Chemie zwischen beiden übermittelt.
Somit eine ganz interessanter Ausflug in eine großartige 70er-Umgebung, viel nackte Sydne (nie ganz falsch), guten Nebendarstellern und eine etwas schläfrige Dramaturgie. Unbefriedigt hinterlässt einem jedoch das Gefühl, einer Liebesgeschichte ohne Chemie, ohne Herz oder Tiefe zuzuschauen und dass, obgleich es ja ein Liebesfilm ist. Knapp 5/10.