Klar, es ist nur eine TV-Liebeskomödie. Und auch klar, es werden eine Menge der üblichen Klischees verbraten. Aber es kommt immer darauf an, wie es gemacht wird. Und ob die Komödie unterhält oder sie einfach nur langweilt. Und diese hat mich trotz einiger Schwächen gut unterhalten.
Inhalt:
Die Stilberaterin Juliane Oberle (Claudine Wilde) eröffnet ihren Schönheitssalon „Der Salon“, indem ihr Lebenspartner, der Galerist René (Michael Roll), seine Bilder und Kunstwerke zwecks Verkaufs ausstellen darf. Dabei lernt sie den Rahmenbauer Johannes Hoppstein (Max Herbrechter) kennen, der für René arbeitet. Die freche Art und der völlig andere Lebensstil von Johannes stoßen sie erst ab. Als die beiden sich aber immer wieder über den Weg laufen, verlieben sie sich schließlich ineinander.
Kritik:
Der Degeto-Film „Aus Liebe zu Dir“ wurde unter der Regie von Ariane Zeller in Berlin gedreht, die zuletzt 2019 mit dem Dramedy „Nachts baden“ auffiel. Das Drehbuch schrieben Jessica Schellack und Kerstin Oesterlin, wir haben es also mit einem Film zu tun, der zumindest in der Produktion eine starke feminine Komponente aufweist. Und tatsächlich kommen die Frauen durchweg besser in dem Film weg als die Männer, die meistens unsympathisch dargestellt werden: René ist oberpedantisch, mag deswegen keine Kinder und putzt sogar die Seitenwände der Dusche, nachdem Juliane sie benutzt hat, damit keine Wasserflecken entstehen. Der vermögende Kunde Klaus Rautenberg (Paul Faßnacht) wird als Witzfigur dargestellt und der Eierhändler Bohlmann als aggressiv, obwohl er in allen Belangen eigentlich recht hat.
Die Hauptrollen:
Juliane wird vielschichtig dargestellt: Einerseits lebt sie ihr Leben mit René und macht die Macken mit, andererseits hat man immer mehr das Gefühl, das ihr etwas fehlt, was ihr nur Johannes bieten kann. Er dient ihr praktisch als Brücke in eine andere Welt, die sie bei René vermisst.
So wird z.B. der Kinderwunsch überdeutlich, der sich auch im Umgang mit ihrem Patenkind Lucy (Lina Rabea Mohr) zeigt, für die sie immer da ist, egal welchen Mist sie verzapft.
Und ihre Großmutter Gertrud (Edith Hanke) verweist auch ständig darauf, das sie früher fröhlicher und anders drauf war. Die Erkenntnis, dass René eigentlich mehr Geschäftspartner als Lebensgefährte ist, ist dann nur folgerichtig.
Johannes dagegen, der gerade von einer Frau geschieden ist, die eher eine Weltsicht wie René hat („keine Kinder“), muss erst erkennen, dass in Juliane etwas anders steckt, als immer wieder vermutet. Letztendlich bedarf es sogar der Initiative von Lucy und Moritz (Julius Jellinek spielt seinen Neffen, der momentan bei ihm lebt), um die beiden endgültig zusammenzubringen.
René schließlich kann nicht von seiner pedantischen Weltsicht lassen und wird Juliane dann auch verlieren. Bezeichnend für den Fast-Autisten (sagt ein Abendessen mit Juliane ab, weil im Büro noch nicht alle Bleistifte gespitzt sind) ist, dass er es relativ problemlos hinnimmt.
Die Nebenrollen:
Der Schwachpunkt im Film. Die Rolle von Moritz gefiel mir gar nicht. Ob er wirklich Lucys Ideale teilt oder sie nur anbaggern will, wird nie richtig klar. Zudem nerven seine ständigen Versuche, Johannes von Juliane zu begeistern. Lucy wird mir zu oberflächlich dargestellt, man erfährt quasi gar nichts über sie. Die Nebenhandlung mit der Großmutter und dem Altersheim wirkt zu unglaubwürdig und die Assistentin Linette (Jutta Fastian) läuft wie Minnie Maus rum.
Darsteller:
Die drei Hauptdarsteller machen ihre Sache gut, was man von den Nebendarstellern nicht unbedingt sagen kann. Vor allen Dingen Julius Jellinek neigt zum Overacting, wirkt unglaubwürdig, während Lina Rabea Mohr eher farblos bleibt. Die ist auch heutzutage wesentlich besser als Synchronsprecherin unterwegs.
Musik:
Irgend so ein Jazzgedudel gerade noch so vor der Nervgrenze.
Fazit:
Die Komödie schafft es, die Lebensproblematik von Juliane und ihrer Sehnsucht nach einem freieren Leben in einer Familie mit Kindern authentisch darzustellen. Auch den exzentrischen Johannes kauft man dem Film ab, den fast autistisch wirkenden René auch. Einzig die Nebendarsteller trüben das Ganze ein wenig. Freude kann man an den 88 Minuten jedenfalls durchaus haben.
7/10 Punkte