„Am Tag als unsere Väter starben, war der Himmel weit und blau.“ – Lavie Head
Hätte ich mir Kôichi Chigiras „Last Exile“ erspart, ich würde deutlich weniger Abende vor der Glotzt verbringen. Mit dieser Serie begann meine noch junge, aber große Liebe zu Animes. Zwar bin ich schon länger ein großer Anhänger japanischer Zeichentrickfilme, doch um Fernseh-Serien habe ich lange einen Bogen gemacht. Doch „Last Exile“ in seiner edlen DVD-Aufmachung hat mich so lange angelacht, bis ich schließlich zugegriffen habe. Und das gleiche kann ich nur jedem empfehlen: Die 26-teilige Serie wird sicher jeden aufgeschlossenen Zuschauer begeistern.
Klaus Valca und Lavie Head sind zwei Teenager, die in einer fremden Welt in dem Vanship, eine kleine, zweisitzige Flugmaschine, als Kuriere arbeiten. Dabei geraten sie immer wieder zwischen die Fronten eines undurchsichtigen Krieges. Bei einem Rennen durch die Gassen ihrer Heimatstadt gerät ihnen plötzlich die Kleine Alvis in die Hände. Ein Mädchen, das nicht nur für Klaus’ und Lavies Schicksal entscheidend sein wird. Alvis ist der Schlüssel zum Exil, das die Machtverhältnisse im ganzen Land verändern und den unsäglichen Krieg beenden kann.
Neben den irrsinnigen Lufkämpfen und der ausgefeilten Handlung sind es die wunderbaren Charachtere, die geradezu süchtig machen. Klaus ist der unverbesserliche Optimist, der niemals an sich, Lavie oder seinen Freunden zweifeln würde. Lavie dagegen ist zwar Herzensgut, doch zögerlich und ängstlich, doch nur gemeinsam bilden sie ein Team, dass sich bald der größten Herausforderung stellen muss, die sie sich vorstellen können: dem Flug durch den großen Strom. Dort, wo einst ihre Väter ihr Leben ließen. Alex Rowe, der Kapitän des stolzen Schiffes „Silvana“ bleibt lange der schweigende Held, der sein Schiff aus dem Krieg heraushalten möchte, so gut es geht. Doch auch er hütet ein Geheimnis.
Musik und Animation sind großartig, auch wenn man sich erst einmal an die vielen computergenerierten Bilder gewöhnen muss, die mit traditioneller Animation daher kommen. Doch Figuren und Handlung bleiben stets das Wichtigste bei „Last Exile“. Und wer sich vor allem am Kitschfaktor der ersten beiden Folgen stört: Ab der dritten Folge setzt schließlich setzt die Handlung ein. Inmitten eines Pod-Races, dass allein Lucas „Episode I“ entschuldigen kann. Und schließlich, im Schlachtgetümmel, wird der Zuschauer Zeuge, wie manch lieb gewonnene ihr Leben lässt. Kein Platz mehr für Kitsch.
10/10