Bibliothekarin Virginia (Jenny Wright) stolpert an ihrem Arbeitsplatz über ein Buch des Horrorschriftstellers Malcolm Brand ("It makes Stephen King read like Mother Goose... but it's passionate. It's sort of like Poe.") und ist von seiner unverblümten aber leidenschaftlichen Schreibweise fasziniert. Als sie erfährt, daß Brand noch ein zweites Buch namens I, Madman geschrieben hat, versucht sie, dieses aufzuspüren, jedoch vorerst ohne Erfolg... bis sie besagtes Buch wenig später vor ihrer Wohnungstür liegend findet. Sofort taucht sie ein in die schaurige Geschichte, in der es um den wahnsinnigen Dr. Kessler (der auch für die Spezialeffekte verantwortlich zeichnende Randall William Cook) geht, der sich aus unerwiderter Liebe völlig entstellt hat und nun versucht, die abgeschnittenen Teile seines Gesichtes wiederherzustellen, und zwar mit Hilfe von unfreiwilligen Spendern, denen er Haare, Ohren, Nase und Lippen abschneidet. Kaum hat Virginia mit dem Lesen begonnen, fällt die rothaarige Colette (Michelle Jordan), eine angehende Schauspielerin, die denselben Abendkurs wie Virginia besucht, einem gräßlichen Mord zum Opfer. Colette wird skalpiert, und von den Haaren fehlt jede Spur. Als ein weiterer Mord passiert und Kessler mit Virginia in Kontakt tritt, steht für sie fest, daß der Irre irgendwie aus dem Buch entkommen ist und nun in der Realität sein Unwesen treibt, um das Geschriebene wahr werden zu lassen. Doch niemand, nicht einmal ihr Polizistenfreund Richard (Clayton Rohner), schenkt ihrer phantastischen Theorie Glauben, und die Zeit wird langsam knapp, denn das Buch hält für die Protagonistin (=Virginia) ein grausiges Ende parat.
Tibor Takács' I, Madman ist einer meiner Geheimfavoriten aus dem Genrekino der 1980er Jahre, ist er doch nicht nur ein sehr schöner, angenehm zurückhaltender Horrorfilm, sondern zugleich auch eine Art Ode an die Phantasie, was mir als (ehemalige) Leseratte natürlich sehr zusagt. Die Idee, daß sich Fiktion und Realität vermischen, ist gewiß nicht neu, allerdings punktet I, Madman vor allem mit einer eigenwilligen, visuell einfallsreichen Umsetzung derselben, die nicht nur eine unwirkliche Stimmung heraufbeschwört, sondern auch - passend zu Malcolm Brands Groschenromanen - auf eine artifizielle, pulpige Bildsprache setzt. Die diversen, an und für sich brutalen Morde läßt Takács zum Großteil im Kopf des Zusehers entstehen, indem er mit grausigen Geräuschen, geschickten Schattenspielen und klug gewählten Kameraeinstellungen die Vorstellungskraft des Betrachters entfacht. Auf allzu blutrünstige Details wird verzichtet, lediglich Dr. Kesslers entstellte Fratze und zwei seiner unglücklichen Opfer werden in bildschirmfüllenden Großaufnahmen ins rechte Licht gerückt. Der dunkle, unterschwellige Humor, der das eine oder andere Mal durchschimmert, steht dem Film ebenfalls gut zu Gesicht. Jenny Wright (Genrefans bekannt als Mae in Near Dark) haucht der Protagonistin Virginia sehr sympathisches Leben ein und könnte glatt als klassische Hitchcock-Lady (die kühle Blonde, in der das Feuer brodelt) durchgehen. Das effektvolle Finale (inklusive einem netten Stop-Motion-Monster) rundet diesen rundum gelungenen Film adäquat ab, wobei sich der Erklärbär glücklicherweise in Zurückhaltung übt. Wenn dann am Ende Wayne Shanklins weltberühmter Chanson D'Amour (mit dem der Film auch begonnen hat) auf der Tonspur erklingt, macht sich in mir jedes Mal aufs Neue ein sehr zufriedenes, wohliges Gefühl breit. Auch wenn I, Madman ganz bestimmt kein Meisterwerk ist, so hat er mir doch neunzig sehr schöne Minuten beschert. Ein Hoch auf die Phantasie!