Review

Natürlich geht Dracula in John Houghs abschließendem Teil der von „Hammer“ produzierten Karnstein-Trilogie nicht auf Hexenjagd, wie es der sinnfreie deutsche Titel zu suggerieren versucht. Der noch im gleichen Jahr wie der Vorgänger „Nur Vampire küssen blutig“ gedrehte Film orientiert sich anscheinend nur noch sehr lose an J. Sheridan Le Fanus’ Literaturvorlage; die bisexuelle Vampirdame Mircalla alias Carmilla Karnstein, diesmal gespielt von Katya Wyeth, nimmt hier nur noch eine Nebenrolle ein. Stattdessen ging man eine gewagte Symbiose aus Vampir- und seinerzeit gerade angesagter Hexenjäger-Thematik ein, indem man einen fast schon beängstigend überzeugenden Peter Cushing als verbitterten Anführer einer Dorfbande von selbsternannten Inquisitoren in die Handlung einflocht, der ein hübsches junges Ding nach dem anderen bei lebendigem Leibe verbrennt. Als Antithese wurde ihm ein junger David Warbeck als etwas naiver, aber vor Leidenschaft nur so strotzender, aufbrausender Anton Hoffer gegenübergestellt, der Gustav Weil (so Cushings Rollenname) harsch kritisiert und nicht an den Hexenspuk etc. glaubt. Der Konflikt spitzt sich zu, als dieser sich in eine der jüngst zugezogenen Zwillingsnichten Weils verliebt. Diese beiden Früchtchen sehen zwar identisch aus, sind ansonsten aber grundverschieden: Während die eine sich schüchtern in Zurückhaltung übt und Meinungsverschiedenheiten mit ihren Adoptiveltern aus dem Weg geht, sucht die andere die Konfrontation mit ihrem Onkel und begibt sich abenteuerlustig auf die Flucht aus ihrer spießigen Hölle, indem sie den durch einen Biss Mircallas zum Vampir gewordenen, hedonistischen Graf Karnstein aufsucht… Das Zwillingspärchen, deren optische Reize von der Kamera gern mal in rechte Licht gerückt und entsprechend eingefangen werden, verkörpert dabei gewiss nicht zufällig die symbolischen Engelchen und Teufelchen auf unseren Schultern und sorgt für den verglichen mit den vorausgegangenen beiden Filmen der Trilogie nur noch leichten Erotikanteil sowie die übrig gebliebene Prise Romantik. Andere Charakterzeichnungen wie z.B. die des mitunter bemitleidenswerten Gustav Weils oder des stürmischen, aber die Gefahr lange Zeit verkennenden Anton Hoffers fielen weniger eindeutig und plakativ aus und entziehen sich einfacher Gut/Böse-Schemata. Nicht so recht dazu passen wollen die immer wieder eingestreuten Bilder von durch Weil ausgeführten „Hexen“verbrennungen, hier wäre weniger mehr gewesen und hätte das anscheinend gewünschte Mitgefühl des Zuschauers für Weil erleichtert. Noch deutlicher als in Tigons „In den Krallen des Hexen des Hexenjägers“ aus dem gleichen Jahr ist es auch in dieser Geschichte die als erdrückend empfundene, strenge Moralwelt der älteren Generation, die einen jungen Menschen in die Arme eines Verführers treibt. Zwar reicht Damien Thomas nicht an die Präsenz eines Christopher Lees heran, macht seine Sache trotz leichter Tendenz zum Overacting aber ebenso vernünftig wie alle anderen inkl. der Zwillings-ex-Playmates, wobei Peter Cushing mit seiner Leistung deutlich heraussticht. Im letzten Drittel des Films wird dann für „Hammer“-Verhältnisse überraschend deftig die Splatterkeule ausgepackt, die „Draculas Hexenjagd“ trotz des immer noch vorhandenen feinen Gespürs für gelungene und fesselnde Atmosphäre endgültig einen spekulativen Charakter verleiht.

Fazit: Erotikanteil zurückgeschraubt, Romantik nur noch am Rande, dafür die grobe Kelle und mittendrin ein überragender Peter Cushing – für Puristen des atmosphärischen Gothic-Grusels bestimmt ein kleiner Schock, für andere ein überaus unterhaltsames Vergnügen!

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