Der Standesbeamte Hugo Bartels lässt sich gerade scheiden. Zum zweiten Mal! Zusammen mit seinen ledigen Freunden Cäsar und Balduin zieht Hugo in etwas, was man heute eine Wohngemeinschaft nennen würde: Eine großzügig angelegte Mietwohnung, über deren Schwelle per Gelübde niemals eine Frau einen Fuß setzen darf. Die Probleme beginnen, als Hugo den Avancen der Vermieterin nachgibt und durchaus bereit wäre die Holde … Aber wie bringt er das seinen Freunden bei? Ein Plan muss her! Die Freunde müssen verkuppelt werden! Doch wo bekommt man jetzt zwei ledige Damen her? Gottseidank versteht sich Hugo mit seinen beiden Verflossenen ausgesprochen gut …
Ein Standesbeamter, der sich scheiden lässt, der dann wieder heiratet, und der sich dann wieder scheiden lässt, das ist ja wie ein Schupo der immer bei Rot über die Straße rennt.
Eine Hochgeschwindigkeitskomödie, die sich ausschließlich um die Themen Alkoholmissbrauch und Sex dreht, ihre komischen Sprüche im Sekundentakt raushaut, mit schmissiger und verdammt ohrwurmlastiger Musik daherkommt, und dabei an keiner Stelle ein vernünftiges Niveau unterschreitet? Wie oft gab es das in den letzten, sagen wir mal, 50 Jahren? IS‘ WAS, DOC? würde mir einfallen, aber ohne die Musik und ohne den Alkohol. Oder HANGOVER, aber da wird es mit dem Niveau schwierig. Und da die leichten Doris Day-Komödien der 50er Jahre das Thema Alkohol eher stiefmütterlich behandelten, muss man schon in die dreißiger Jahre zurückschauen, zu den vielgepriesenen Screwball-Comedies, die genau die angesprochenen Begriffe in unglaublicher Leichtigkeit und mit sehr viel Schmackes in einer Art inszenierten, die auch heute noch begeistert. Allerdings sind dies immer und alles US-amerikanische Filmklassiker - In Deutschland sind ja nach allgemeiner Lesart in dieser Zeit die großen Filmschaffenden alle ins Ausland gegangen, und fortan wurden hier nur noch dröge Propagandafilme gedreht …
So ist die Rezeption zumindest in den meisten Fällen, doch dass im Dritten Reich, abseits aller sehr wohl vorhandenen propagandistischen Vereinnahmung, auch echte filmische Höhepunkte erschaffen wurden, das wird gerne unterschlagen. Was am Beispiel PARADIES DER JUNGGESELLEN durchexerziert werden kann:
Eine Hochgeschwindigkeitskomödie … - Das Tempo des Filmes ist so hoch wie es nur geht, ohne dabei aber zu überhitzen. Komödienspezialist Kurt Hoffmann wusste genau, wie ein Film orchestriert zu sein hat, an welchen Stellen er das Tempo erhöhen, und an welchen Stellen es verlangsamt werden muss. Doch prinzipiell kommt der Film größtenteils wie ein D-Zug daher und plättet den unvorbereiteten Zuschauer auf das Überraschendste.
… die sich ausschließlich um die Themen Alkoholmissbrauch … - Die Hauptdarsteller saufen wie die Löcher, und auch wenn sie bereits zusammen wohnen, steht immer entweder ein Bier auf dem Tisch oder es wird gerade eine Flasche Wein geköpft. … und Sex dreht … - Dass Hugo zweimal geschieden ist stört hier außer seinem Vorgesetzten und dem Bürgermeister niemanden, schon gar nicht die designierte Ehefrau Nummer 3. Überhaupt wollen alle Frauen immer nur das eine, was aber bemerkenswerterweise nicht ein einziges Mal ins Lächerliche gezogen wird.
Die komischen Sprüche werden im Sekundentakt rausgehauen … – Die Gagdichte ist fast so hoch wie bei einem ZAZ-Film aus den 1980er Jahren, nur auf einem anderen sprachlichen Niveau: Der einzige Standesbeamte, der imstande war, dem Ehestand standzuhalten …
… mit schmissiger und verdammt ohrwurmlastiger Musik … – Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern. Siehst Du, verehrter Leser, schon ist der Ohrwurm drin, und geht auch nicht mehr so schnell wieder raus. Die dazu passende Performance des Chaotentrios Rühmann/Sieber/Brausewetter bei diesem Lied tut ein Übriges …
… und dabei an keiner Stelle ein vernünftiges Niveau unterschreitet … – In den 1930er Jahren wurden Filme anders aufgebaut. Nicht alle Dinge konnten (oder sollten!) gezeigt werden, stattdessen wurde darüber gesprochen. Und zwar in einer Weise, die das Kopfkino des Zuschauers in Gang setzte, ohne Unanständiges oder Grausames zu bebildern zu müssen. Kunst ist, wenn der Regisseur die Gedanken aller Zuschauer wie bei einem Puppenspiel lenken kann. SIEBEN, um auf ein völlig anderes Genre auszuweichen, ist mit seiner Verweigerung der expliziten Bilder nicht umsonst so richtungsweisend geworden. Was man an PARADIES DER JUNGGESELLEN ebenfalls erkennen kann: Der Sex ist allgegenwärtig, und ohne, dass auch nur einmal das Wort ausgesprochen werden muss, weiß jeder worum es geht. Das ist, was ich mit dem Begriff Niveau bezeichne.
So kann PARADIES DER JUNGGESELLEN etwa den frühen DÜNNER MANN-Verfilmungen in Bezug auf Lotterleben und Leichtigkeit genauso problemlos das Wasser reichen wie den berühmten Komödien mit Katherine Hepburn und entweder Spencer Tracy oder Cary Grant. Die drei Hauptdarsteller Heinz Rühmann, Josef Sieber und Hans Brausewetter sind ausgesprochen sympathisch, und auch wenn manche Szenen, wie etwa der Einzug in die gemeinsame Wohnung, fast zum Fremdschämen einladen, so ertappt man sich ja doch ständig beim Lachen. Eine unglaublich flotte und freche Komödie, die leider entweder mit dem Heinz-Rühmann-Biederkeit-Stempel oder mit dem Im-Dritten-Reich-wurde-nur-Propaganda-gedreht-Stempel versehen ist, und damit automatisch in der Schachtel mit Opas ollen Kamellen abgelegt wird. Sehr schade drum!
Ein Matrose hat ja gerne mal sturmfrei …